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Invasive Arten wie Hirtenstar, Buchsbaumzünsler oder Kalikokrebs

Invasive Arten  

Diese Tiere gehören eigentlich nicht hierher und schaden der Umwelt

Von Sandra Simonsen

12.09.2019, 18:27 Uhr
Invasive Arten wie Hirtenstar, Buchsbaumzünsler oder Kalikokrebs. Waschbär: Mittlerweile zählen Waschbären zu den am meisten verbreiteten Raubtieren in Deutschland.  (Quelle: imago images/Martin Wagner)

Waschbär: Mittlerweile zählen Waschbären zu den am meisten verbreiteten Raubtieren in Deutschland. (Quelle: Martin Wagner/imago images)

Ob über Tierparks, Holz- oder Lebensmitteltransporte oder in Frachtcontainern: Tiere, die eigentlich nie in Deutschland gelebt haben, werden eingeschleppt und breiten sich aus. Das sorgt häufig für Probleme. 

Hirtenstar, Buchsbaumzünsler und Kalikokrebs sind nur drei von mittlerweile mindestens 32 Tierarten in Deutschland, die eingeschleppt wurden und nachweislich Schäden verursachen. Fast alle Säugetierarten, die sich in Deutschland angesiedelt haben, wurden im 19. Jahrhundert absichtlich eingeführt: beispielsweise zu Jagdzwecken, als Haustiere oder zur Pelzgewinnung. 

Heute führt die EU eine Unionsliste mit invasiven Tierarten – also solchen, die gebietsfremd und schädlich für die örtliche Umwelt sind. In Deutschland sind laut NABU mindestens 168 Tier- und auch Pflanzenarten bekannt, die negative Auswirkungen haben. In der gesamten EU sind es demnach sogar rund 12.000 Arten, von denen etwa 15 Prozent als invasiv eingestuft sind. 

Sie verursachen beispielsweise Schäden in der Land- und Forstwirtschaft, stellen aber auch eine Gefahr für die heimische Artenvielfalt dar. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sie als Fressfeinde beheimatete Arten gefährden, oder aber zu ihnen in Konkurrenz um Lebensraum oder Ressourcen stehen. Zusätzlich bringen sie Krankheiten und Parasiten mit, die die heimische Fauna befallen können und haben bei uns kaum natürliche Feinde.

Marderhund

Der Marderhund gehört zu den Raubtieren und zur Familie der Hunde. Ursprünglich war er in Asien von Sibirien bis Vietnam und Japan zu Hause. In Russland wurden die Tiere schließlich wegen ihres schönen Pelzes gezüchtet und später ausgewildert, sodass sie sich gen Westen ausgebreitet haben. 

Ein Marderhund: Das flauschige Tier steht trotz seines niedlichen Aussehens auf der Liste der invasiven Arten.  (Quelle: Getty Images/sduben)Ein Marderhund: Das flauschige Tier steht trotz seines niedlichen Aussehens auf der Liste der invasiven Arten. (Quelle: sduben/Getty Images)

1961 wurde er zum ersten Mal in Ostdeutschland nachgewiesen. Er wird hauptsächlich deshalb als invasiv eingestuft, weil er die gleichen Parasiten wie der Fuchs hat und somit den Fuchsbandwurm übertragen kann. In Deutschland hat er abgesehen von seltenen Raubtieren wie Luchs, Wolf und Braunbär kaum natürliche Feinde. Seit 1996 darf er geschossen werden. 

Hirtenmaina/Hirtenstar

Weil sie in der Lage sind, Insektenpopulationen zu reduzieren, wurden Hirtenstare (Hirtenmaina) überall auf der Welt eingeführt. Ursprünglich stammen sie aus Indien und wurden von dort aus überall dorthin exportiert, wo Landwirtschaft betrieben wurde. Ein Hirtenstar: Der Vogel steht seit 2019 auf der Liste der invasiven Arten der EU.  (Quelle: Getty Images/asxsoonxas)Ein Hirtenstar: Der Vogel steht seit 2019 auf der Liste der invasiven Arten der EU. (Quelle: asxsoonxas/Getty Images)

Mittlerweile bedrohen sie die heimische Umwelt, weil sie einheimische Vögel aus ihren Territorien vertreiben oder Insektenpopulationen nicht mehr nur für die Landwirtschaft reduzieren, sondern ernsthaft bedrohen. 

Buchsbaumzünsler

Immer mehr Buchsbäume werden Opfer des Buchsbaumzünslers. Eigentlich stammen die Schmetterlinge – und ihre Raupen – aus Ostasien. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden sie mit günstigen Buchsbaumpflanzen aus China nach Mitteleuropa eingeschleppt und verbreiten sich mittlerweile auch immer weiter in Deutschland. Ein Buchsbaumzünsler: Eigentlich kommt er aus China – jetzt stört er Gartenliebhaber in Deutschland.  (Quelle: AP/dpa/R. Sturm)Ein Buchsbaumzünsler: Eigentlich kommt er aus China – jetzt stört er Gartenliebhaber in Deutschland. (Quelle: R. Sturm/AP/dpa)

Das Problem: Bekämpft man die Raupen allerdings mit Gift, werden auch andere Schmetterlingsarten und Insekten vernichtet. Naturschützer raten deshalb dazu, lieber ganz auf Buchsbäume im Garten zu verzichten. 

Kalikokrebs

Rund um den Mississippi in Nordamerika lebt der Kalikokrebs. Doch seit Anfang der 1990er-Jahre findet man ihn auch immer häufiger in Deutschland. Es wird vermutet, dass die Krebse aus einem Aquarium in die Natur ausgesetzt wurden, wo sie sich seitdem ausbreiten. Mittlerweile reicht sein Verbreitungsgebiet von Straßburg bis Mannheim entlang der Rheinauen.

Da er ein Allesfresser ist, schafft er es bei einer hohen Population, ein Gewässer "leer" zu fressen – und bringt es so aus seinem ökologischen Gleichgewicht. Zusätzlich ist er ein Überträger der Krebspest und so auch eine Gefahr für die einheimischen Flusskrebse. Ein Kalikokrebs: Viele invasive Arten haben sich in Deutschland angesiedelt.  (Quelle: AP/dpa/Karsten Grabow)Ein Kalikokrebs: Viele invasive Arten haben sich in Deutschland angesiedelt. (Quelle: Karsten Grabow/AP/dpa)

Auch wenn eine vollständige Entfernung des Krebses wohl nicht mehr möglich ist, versuchen Naturschützer, zumindest zu verhindern, dass er in andere Gewässer eindringt. Auf der offiziellen Liste der invasiven Arten in Deutschland fehlt er allerdings noch.  

Nilgans 

Wie ihr Name schon sagt, stammt die Nilgans eigentlich aus Afrika – südlich der Sahara und Ägypten entlang des Nils. Im 20. Jahrhundert wurden die Gänse vor allem in Großbritannien und den Niederlanden ausgesetzt oder gefangen gehalten. Nilgans: Es wird häufig diskutiert, ob Nilgänse wirklich schädlich für die heimische Natur sind.  (Quelle: Getty Images/passion4nature)Nilgans: Es wird häufig diskutiert, ob Nilgänse wirklich schädlich für die heimische Natur sind. (Quelle: passion4nature/Getty Images)

Bei der Nilgans sind sich Naturschützer und Wissenschaftler nicht einig, ob sie wirklich schädlich und als invasive Art einzustufen ist. Viele vermuten, sie könnte andere Wasservogelarten verdrängen, da sie vor allem in Nestnähe besonders aggressiv ist. Deshalb steht sie auf der Unionsliste der invasiven Arten. 

Amerikanischer Ochsenfrosch

Das östliche Nordamerika von Kanada bis Mexiko ist die eigentliche Heimat des Amerikanischen Ochsenfrosches. Von dort wurde er jedoch in die ganze Welt gebracht und aktiv angesiedelt. Ein Ziel seiner Ansiedlung war die Produktion von Froschschenkeln. Amerikanischer Ochsenfrosch: Der eingeschleppte Frosch lebt vor allem in den Rheinauen von Karlsruhe.  (Quelle: Getty Images/ Ivan Kuzmin)Amerikanischer Ochsenfrosch: Der eingeschleppte Frosch lebt vor allem in den Rheinauen von Karlsruhe. (Quelle: Ivan Kuzmin/Getty Images)

In Deutschland wurde er bisher vor allem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gesichtet. Besonders in den Rheinauen von Karlsruhe wird versucht, seinen Bestand zu verkleinern.

Waschbär

Auch der Waschbär steht auf der Unionsliste der invasiven Arten. Er ist in Deutschland bereits "eingebürgert" und darf nur zwischen dem 1. September und dem 28. Februar gejagt werden. Jungwaschbären dürfen ganzjährig bejagt werden. Zusätzlich sollen andere Maßnahmen ergriffen werden, um die Population einzudämmen. Der Tierschutzbund empfiehlt beispielsweise die Kastration der Tiere. 

Waschbär: Mittlerweile zählen Waschbären zu den am meisten verbreiteten Raubtieren in Deutschland.  (Quelle: imago images/Martin Wagner)Waschbär: Mittlerweile zählen Waschbären zu den am meisten verbreiteten Raubtieren in Deutschland. (Quelle: Martin Wagner/imago images)

Eigentlich stammt der so niedlich aussehende Kleinbär aus Nord- und Mittelamerika. 1934 wurde der erste Waschbär in Nordhessen angesiedelt, mittlerweile hat er sich großflächig verbreitet. Mehr als eine Million Waschbären gibt es in Deutschland – damit ist er eines der häufigsten wild lebenden Raubtiere und eine Gefahr für kleine Wirbeltiere. 

Blaubandbärbling

1960 wurde der Blaubandbärbling zusammen mit Graskarpfen von seiner Heimat in Ostrussland (sowie Japan, Korea und Südchina) nach Rumänien gebracht. Von dort hat sich der Kleinfisch über Ungarn und Österreich ab 1984 auch nach Deutschland ausgebreitet. 

Blaubandbärblinge: Die Kleinfische stammen ursprünglich aus Russland.  (Quelle: imago images/blickwinkel)Blaubandbärblinge: Die Kleinfische stammen ursprünglich aus Russland. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Er gilt als potenzieller Laichräuber und sorgt für Einbußen bei der Karpfenteichwirtschaft. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wird die Population des Blaubandbärblings beobachtet und es wird darauf geachtet, dass nicht noch mehr der Kleinfische unbeabsichtigt eingeführt werden. 

Verwendete Quellen:

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