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Dun Bheagan – unabhängig in der Edel-Nische

Dun Bheagan – unabhängig in der Edel-Nische

04.04.2013, 15:22 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Dun Bheagan – unabhängig in der Edel-Nische. Der Schotte Antony McCallum-Caron vertreibt den Whisky "Dun Bheagan". (Quelle: Jens Höfling / wanted.de)

Der Schotte Antony McCallum-Caron vertreibt den Whisky "Dun Bheagan". (Quelle: Jens Höfling / wanted.de)

Edler, älter, teurer – unabhängige Whisky-Abfüller drängen in den boomenden Spirituosen-Markt. Noch unentdeckte Anbieter wie Dun Bheagan aus Schottland profitieren vom Vintage-Trend und der Sehnsucht der kaufkräftigen Kundschaft nach Manufaktur-Produkten. Sie verkaufen limitierte Whisky-Delikatessen mit interessanten Ausbau-Variationen. wanted.de hat sich schlau gemacht und mit dem Rare Malt Manager des Abfüllers, Antony McCallum-Caron, gesprochen.

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Unabhängige Abfüller sind Unternehmen, die Malt Whisky von anderen Brennereien in eigenen Flaschen anbieten. Häufig handelt es sich dabei um eingekaufte Spirituosen, die nicht in die Ausrichtung der verkaufenden Destille passen, weil sie etwa zu torfig für einen auf weiche Brände spezialisierten Hersteller ausfallen oder umgekehrt. Auf dem Etikett wird erst der Abfüller-Name genannt, dann der Ursprung des Whiskies. Um das Geschäftsmodell und die neuen Angebote für Genießer besser zu verstehen, lohnt sich ein historischer Schlenker.

Anfang der achtziger Jahre brach nach drei goldenen Jahrzehnten der Spirituosen-Markt in Schottland ein. Großbritannien und der Westen wurden durch die beiden Ölschocks 1973 und 1979 schwer gebeutelt, die Teuerung würgte die Konjunktur ab. >>

In Schottland hatten Destillen zuvor riesige zusätzliche Produktionskapazitäten aufgebaut – auf einmal ertranken die Schotten jedoch wegen der einbrechenden Nachfrage in einem See aus Whisky.

Jede dritte Brennerei musste schließen, viele wie Ardbeg und Bruichladdich wurden jahrelang stillgelegt – teils mit gut gefüllten Lagern. In dieser Zeit gelangten Unmassen an abgefüllten Fässern auf den Markt.

Über Duty-Free entdeckt

Als die Mauer fiel, drehte sich der Trend langsam. Das Ende des Kommunismus und der folgende Boom in den Schwellenländern eröffneten neue Märkte. Die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) wurden zur Werkbank und Energielieferanten der Welt; die neue Mittelschicht dort wollte das Leben genauso genießen wie die Menschen im Westen – und über die Duty-Free-Läden entdeckten sie den Whisky.

Auch der Westen profitierte vom Ende des Kalten Krieges, da die Rüstungsausgaben sanken und günstige Produkte aus den Schwellenländern importiert wurden. Mit dem steigenden Wohlstand waren Blends weniger gefragt – seit gut 20 Jahren erlebt Single Malt eine Renaissance.

Tausende Fässer an flüssigem Gold Die vier großen konzernunabhängigen Anbieter Gordon & MacPhail, Signatory, Douglas Laing und Ian MacLeod – eigentlich auf den Verkauf von Blends an Supermärkte spezialisiert – erkannten den neuen Zeitgeist und deckten sich bis Ende der Neunziger peu à peu mit den nur langsam schmilzenden Überschüssen aus der Krise ein. Jetzt saßen die Big Four auf einem Schatz aus flüssigem Gold. Sie hatten und haben nur ein Problem: Unter den älteren Malts befinden sich laut whisky.de leider auch weniger hochwertige Fässer aus Zeiten, in denen das Fassmanagement noch nicht so gut war. Doch die Abfüller kontern dies mit peniblen Proben und der Veredelung von weniger gehaltvollen Casks in der sogenannten Double Maturation in einem zweiten Fass. Und sie haben mit dem Verkauf von eigenen Single-Malt-Editionen begonnen. Limitierte Sonderabfüllungen

Ian MacLeod beispielsweise hat nach eigenen Angaben 40.000 teils uralte Fässer eingelagert – und vertreibt nun die besten davon als limitierte Sonderabfüllungen unter dem Label Dun Bheagan – das heißt Kleines Schloss und wird Dann Wägn ausgesprochen. Während Ian MacLeod (das spricht sich Iän Mäc Lohd) pro Jahr rund eine Million Flaschen verkauft, sind es bei Dun Bheagan nur 30.000 Stück. Das Edel-Label verfolgt eine Premium-Strategie: Die teils doppelt so teuren wie herkömmliche Brände werden nur in wenigen ausgewählten Shops und Top-Bars angeboten.

Verantwortlich für die Fassauswahl und die Finishings – also die Veredelung in weiteren Fässern – ist Antony McCallum-Caron, den wir beim Whiskykoch in Darmstadt trafen. In seiner Kollektion Vintage Single Malt finden sich beispielsweise ein 14jähriger Ardbeg aus dem Jahr 1998 – der Brand ist eher für rauchige und Phenol-Noten bekannt und wurde in einem Fass Oloroso Sherry ausgebaut. Ein 15jähriger Laphroaig von 1997 – diese Marke ist eine echte Torfbombe – wurde mit einem Rumfass vermählt.

Sherry-Noten gefragt Klar erkennbar ist der süße Einschlag: „Ich denke, der Trend zu torfigen Whiskies, der vor zehn Jahren seinen Höhepunkt hatte, ist beendet – jetzt sind wieder die Sherry-Noten gefragt.“ McCallum macht dafür auch die wachsende weibliche Kundschaft verantwortlich. Der Rare Malt Manager, dem übrigens Caol Ila am besten schmeckt, ist der Erfinder der Marke Dun Bheagan – er baute sie im Jahr 1997 auf Anregung des französischen Importeurs Dugas auf. Der hatte den Erfolg beobachtet, den Glenfiddich mit Single Malts in Frankreich erzielte und wollte mit einem typisch schottischen Namen nachziehen. Dann verkaufte McCallum die Firma an Dugas, die schließlich im Jahr 2000 an Ian MacLeod ging. Heute steht der Hersteller wie die gesamte Branche vor zwei großen Herausforderungen, erläuterte McCallum-Caron weiter: Erstens gibt es immer weniger Sherry-Fässer, weil die Nachfrage nach dem speziellen Wein sinkt. Ian MacLeod pflanzt daher in Spanien Eichen an, die nach Jahren gefällt und als Fass an Sherry-Hersteller gegeben werden. Zweitens gibt es immer weniger befüllte Fässer und schon gar keine alten Whiskies mehr auf dem Markt, die Bestände sind nur schwer nachzufüllen. Ian MacLeod hat deswegen zwei Brennereien gekauft: Tamdhu und Glengoyne. Fazit:

Unabhängige Abfüller holen die einzigartigen Merkmale aus einzelnen Fässern heraus und veredeln sowieso schon edle Brände, was die Rendite pro Fass kräftig steigert. Der Vorteil für den Genießer: Sie finden hier Raritäten mit interessantem Touch. Der Nachteil: Wegen der limitierten Auflage ist ein Nachkauf nicht möglich, zudem hat der Drink seinen Preis. Je nach Sorte kostet eine Flasche Dun-Bheagan-Whisky zwischen 60 und 130 Euro.

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