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Bettennot am Mittelmeer? Briten und Deutsche in einem Hotel

Politische Lage reduziert Urlaubsziele  

Verordnete Völkerverständigung aufgrund von Bettenmangel

25.04.2017, 13:39 Uhr | Tinga Horny , srt

Bettennot am Mittelmeer? Briten und Deutsche in einem Hotel. Auf den Balearen kommen sich Briten und Deutsche im Sommer 2017 ganz nah (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Kagenmi)

Auf den Balearen kommen sich Briten und Deutsche im Sommer 2017 ganz nah (Quelle: Kagenmi/Thinkstock by Getty-Images)

Wenn Briten und Deutsche im Urlaub aufeinandertreffen, liegt Zoff in der Luft. Zu groß sind die Vorurteile. Doch diesen Sommer wird sich in vielen Urlaubshotels ein Miteinander nicht vermeiden lassen.

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    Völkerverständigung ist manchmal das Ergebnis purer Not. Nachdem Ägypten, die Türkei und Tunesien wegen der politischen Lage von der Favoritenliste der populärsten Badeziele geflogen sind, werden die Betten rund ums Mittelmeer knapp. Vor allem in Spanien und Portugal werden sich die Gäste im Sommer drängeln. Deswegen verordnet nun ein großer Veranstalter wie Thomas Cook seinen Gästen Völkerverständigung aufgrund von Bettenmangel. 

    Was ist da los? Um die Hotels besser auszulasten, bricht das Unternehmen mit einer ungeschriebenen Regel: Auf Mallorca und ähnlich gefragten Sonnenzielen werden ab sofort Briten und Deutsche in denselben Herbergen nächtigen! Thomas-Cook-Boss Peter Fankhauser stützt sich bei dieser Entscheidung auf eine Kundenumfrage, bei der 90 Prozent angaben, kein Problem zu haben, mit anderen Nationalitäten Urlaub zu machen. "Wir haben das Gerücht widerlegt, dass Deutsche nur mit Deutschen und Briten nur mit Briten zusammen sein wollen", erklärte er dem Wirtschaftsdienst Bloomberg. 

    Vorurteile herrschen noch vor

    Ob das gut gehen kann? Schließlich trennen uns ja nicht nur der Kanal, die Geschichte und seit Kurzem der Brexit. Wir haben über Generationen unsere gegenseitigen Vorurteile und Klischees gepflegt. Das beginnt schon damit, dass unsere Nachbarn von der Insel uns immer vorführen, wie gut sie im Schlange stehen sind. Vor dem Schalter, beim Einsteigen in den Bus und vor allem an den All-inclusive-Büfetts. Alle so geduldig mit Teller in der Hand in einer Reihe. Niemand denkt darüber nach, wie er sich strategisch so positioniert, dass er seinem Lieblingsgericht am nächsten ist oder ein paar unaufmerksame Trödler ganz nebenbei überspringt. 

    Briten mögen zwar sehr höflich sein, aber wir Deutsche empfinden sie bisweilen als etwas prüde, unlocker. Wo ist das Problem, wenn Frauen beim Sonnen ihre Tops abnehmen? Gibt es einen Zwang zum Hingucken? Streifenfreie Bräune ist für viele schließlich ein Urlaubsziel. Also, liebe Engländer, bitte nicht empören. Die Kinder traumatisiert so ein bisschen Evas Kostüm in Zeiten des Internets sicher nicht mehr. Ist halt echt statt virtuell. 

    Die Handtuchreservierung ist ein Fauxpas

    Das heikelste Thema, über das sich die Nachbarn jenseits des Ärmelkanals aufregen, ist jedoch unsere Methode, mit einem Handtuch den Liegestuhl für den ganzen Tag zu reservieren. Aus deutscher Sicht ist das natürlich ein sehr effizienter Kniff, sich stressfrei den besten Platz an der Sonne zu sichern. Wer immer frühmorgens zuerst aufwacht, wankt im Halbschlaf an den Pool und besetzt mit Handtüchern die Lieblingsliegen. Das kann ja jeder machen. Warum ärgern sich also die anderen? Von Handtuchkrieg ist dann oft die Rede - und ja, in besseren Hotels ist diese Sitte sogar verboten. Doch wir sind auch lernfähig. Fast nur noch Ersturlauber begehen mittlerweile diesen Fauxpas. 

    Lärmende Urlauber nicht gern gesehen

    Nun aber mal was, über das sich Deutsche richtig echauffieren: Lärm! Urlaub bedeutet für die meisten Ruhe. Wir führen schon zu Hause erbitterte Nachbarschaftsfeindschaften wegen Lärmbelästigung. Wir leiden bereits, weil in mediterranen Hotelzimmern kein Teppich die Schritte der Gäste über uns dämpft. Aber das Gegröle nach 22 Uhr am Pool und die laute Musik von der Bar - unmöglich. Wie ist da Erholung möglich? Gute Laune geht auch leise. 

    Und von wegen höfliche Engländer. Wenn man etwas sagt, dann lachen sie einen aus und sind zu beschwipst, um den Ernst der Lage zu begreifen. Sonnenverbrannte Jungbriten mit einem hohen Alkohollevel sind fast so schlimm wie russische Großfamilien am Büfett. Nein, und da beklagen die sich über unsere Humorlosigkeit? Wir sind nicht humorlos, unser Humor ist eben nur anders. Lärm ist nicht lustig. 

    Zum Glück kennt Thomas Cook die Animositäten zwischen Deutschen und Briten. Deswegen wird weiterhin darauf geachtet, dass keine Nationalität in einem Haus überwiegt, und damit die Atmosphäre entspannt bleibt, werden gerne noch ein paar Skandinavier dazu einquartiert. Denn die werden sowohl von Briten als auch von Deutschen geschätzt und sind für ihre Freundlichkeit bekannt. Kurzum Norweger, Dänen, Schweden eignen sich als hervorragende Puffer, um Grenzüberschreitungen zwischen Briten und Deutschen zu verhindern.  

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