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Iran soll britischen Tanker in der Golfregion bedrÀngt haben

Von dpa
Aktualisiert am 11.07.2019Lesedauer: 4 Min.
Die britische Fregatte HMS Montrose.
Die britische Fregatte HMS Montrose. (Quelle: Steve Parsons/PA/Archiv./dpa)
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London/Washington/Teheran (dpa) - Nach einem weiteren Vorfall mit einem Öltanker in der Golfregion wĂ€chst die Angst vor neuen Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen. Nach britischen Angaben ist es in der Straße von Hormus am Mittwoch zu einem Zwischenfall mit einem Handelsschiff gekommen.

Die Regierung in London erklĂ€rte am Donnerstag, dass sich drei iranische Boote in der Meerenge dem Öltanker "British Heritage" genĂ€hert hĂ€tten. Sie hĂ€tten "entgegen internationalem Recht" versucht, das Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Teheran bestritt dagegen, an einem Vorfall mit einem britischen Schiff beteiligt gewesen zu sein.

Die Fregatte "HMS Montrose" der Royal Navy sei gezwungen gewesen, sich zwischen den iranischen Booten und der "British Heritage" zu positionieren und verbale Warnungen an die Boote abzugeben, sagte ein Regierungssprecher in London. Die iranischen Schiffe hĂ€tten daraufhin abgedreht. "Wir sind ĂŒber diese Aktion beunruhigt und fordern die iranischen Behörden weiterhin dringend auf, die Situation in der Region zu deeskalieren" hieß es weiter. Auch der britische Außenminister Jeremy Hunt sprach von "sehr beunruhigenden Entwicklungen". Der Ölkonzern BP, zu dessen Flotte die "Biritsh Heritage" gehört, wollte den Vorfall nicht kommentieren, dankte aber der Royal Navy fĂŒr ihre UnterstĂŒtzung.

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) dementierten hingegen, dass es einen Zwischenfall mit einem britischen Schiff im Persischen Golf gegeben habe. "In den vergangenen 24 Stunden hatten wir in der Straße von Hormus keinen Zwischenfall mit auslĂ€ndischen Schiffen, auch nicht mit einem britischen", erklĂ€rten die Revolutionsgarden am Donnerstag auf ihrer Webseite. "Das Ziel solcher wertlosen Unterstellungen ist es lediglich, Spannungen zu provozieren", sagte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif der Nachrichtenagentur Fars.

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Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Seestraßen ĂŒberhaupt. Sie verbindet die ölreiche Region des Persischen Golfs mit dem Indischen Ozean. Über die Strecke lĂ€uft ein großer Teil des weltweiten Öltransports. Erst im Juni hatte es im Golf von Oman mysteriöse Attacken auf zwei Tanker gegeben, fĂŒr die die US-Regierung den Iran verantwortlich machte. Die FĂŒhrung in Teheran bestreitet dies.

London und Teheran liegen zudem derzeit im Streit ĂŒber einen iranischen Supertanker, der in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen fĂŒr Syrien festgesetzt worden war. Iran protestierte, bestellte dreimal den britischen Botschafter in Teheran ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof des britischen Überseegebietes hat inzwischen angeordnet, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf.

Am Donnerstag gab die Polizei in Gibraltar zudem bekannt, dass der KapitĂ€n und der Erste Offizier des Supertankers festgenommen wurden. Sie wĂŒrden nun zu den VorwĂŒrfen befragt, hieß es. Gibraltar am SĂŒdzipfel der Iberischen Halbinsel steht seit 1713 unter britischer SouverĂ€nitĂ€t.

Der iranische PrĂ€sident Hassan Ruhani hatte Großbritannien deswegen mit Konsequenzen gedroht. "Der Stopp des Supertankers durch die Briten war ein Fehler und dumm (...). Wir mĂŒssen uns alle dafĂŒr einsetzen, dass die internationale Schifffahrt sicher bleibt und sie nicht mit solchen Aktionen unsicher machen", sagte Ruhani am Mittwoch. Großbritannien solle dies beherzigen, "um spĂ€ter nicht die Konsequenzen zu tragen".

Ein Sprecher des US Central Command, das die US-Truppen im Nahen Osten fĂŒhrt, erklĂ€rte auf Anfrage, man kenne die Berichte ĂŒber den Versuch der iranischen Revolutionsgarden, den britischen Tanker zu drangsalieren. Er betonte, Bedrohungen fĂŒr die internationale Schifffahrt bedĂŒrften einer internationalen Lösung. Die Weltwirtschaft sei abhĂ€ngig von freien Handelswegen, und es sei an allen Nationen, diese zu sichern.

Aus US-Regierungskreisen hieß es: "Uns sind Berichte bekannt, wonach iranische Boote versucht haben, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen." Die USA arbeiteten weiter mit VerbĂŒndeten und Partnern zusammen, um gegen die "bösartigen AktivitĂ€ten" der iranischen FĂŒhrung anzugehen und den globalen Handel zu schĂŒtzen.

Das US-Verteidigungsministerium hatte zuvor angekĂŒndigt, PlĂ€ne fĂŒr eine internationale Koalition zum Schutz von Handelsschiffen vorantreiben zu wollen. Das Pentagon habe dazu einen konkreten Plan entworfen. In ein paar Wochen werde feststehen, welche LĂ€nder sich dem BĂŒndnis anschließen wollten.

Im Juni hatte es im Golf von Oman bereits mysteriöse ZwischenfĂ€lle mit zwei Tankern gegeben. Die US-Regierung machte dafĂŒr den Iran verantwortlich, die FĂŒhrung in Teheran bestritt die VorwĂŒrfe. Die ZwischenfĂ€lle schĂŒrten international Ängste vor einer militĂ€rischen Eskalation zwischen beiden Staaten.

Eine Entspannung in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist derzeit nicht in Sicht. US-PrĂ€sident Donald Trump hatte der FĂŒhrung in Teheran am Mittwoch mit einer weiteren VerschĂ€rfung der Sanktionen gedroht und ihr vorgeworfen, sie reichere seit langem heimlich Uran an.

Das internationale Atomabkommen von 2015 sollte den Iran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich dessen politische und wirtschaftliche Isolation beenden. Aus Sicht der Trump-Regierung wurde der Iran aber durch den Deal nicht dauerhaft an der Entwicklung von Nuklearwaffen gehindert. Die USA scherten im Mai 2018 einseitig aus dem Abkommen aus und setzten scharfe Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft. Teheran hatte zuletzt höhere UranvorrĂ€te als erlaubt. Auch die zulĂ€ssige Obergrenze bei der Anreicherung des Urans wurde jĂŒngst ĂŒberschritten. Der Iran bestreitet allerdings, Atomwaffen bauen zu wollen.

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