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Ruf nach Regierungsrücktritt: Fast 100 Tote bei Protesten im Irak

Protest gegen die Regierung  

Fast 100 Tote bei Protesten im Irak

05.10.2019, 18:41 Uhr | dpa

Ruf nach Regierungsrücktritt: Fast 100 Tote bei Protesten im Irak. Regierungsfeindliche Demonstranten haben während einer Demonstration in Bagdad Feuer gelegt und eine Straße blockiert.

Regierungsfeindliche Demonstranten haben während einer Demonstration in Bagdad Feuer gelegt und eine Straße blockiert. Foto: Khalid Mohammed/AP/dpa. (Quelle: dpa)

Bagdad (dpa) - Nach tagelangen blutigen Protesten im Irak gerät die irakische Regierung zunehmend unter Druck. Die Zahl der Toten seit Beginn der Demonstrationen gegen Korruption und Misswirtschaft am vergangenen Dienstag stieg auf 93, wie die staatliche Menschenrechtskommission in Bagdad mitteilte.

Fast 4000 Menschen wurden demnach verletzt. Die allermeisten Opfer seien Demonstranten gewesen. Sicherheitskräfte waren in den vergangenen Tagen immer wieder mit Tränengas und Schüssen gegen die Proteste vorgegangen.

Regierungschef Adel Abdel Mahdi hob eine Ausgangssperre auf, die er am Donnerstag verhängt hatte, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. In Bagdad kam es am Samstagnachmittag erneut zu Demonstrationen. Augenzeugen und Aktivisten berichteten, zwei Menschen seien im Zentrum der Hauptstadt getötet worden, als Sicherheitskräfte auf einen Protest mit rund 200 Menschen geschossen hätten. Demonstranten hätten Autoreifen angezündet.

Das Internet blieb landesweit zunächst weiterhin größtenteils unterbrochen. Eine Delegation des Parlaments habe sich mit 50 Vertreten der Demonstranten getroffen, um über deren Forderungen zu sprechen, sagte der Abgeordnete Hassan Chalati der Deutschen Presse-Agentur.

UN-Generalsekretär António Guterres rief die Regierung und die Demonstranten zu einem Dialog auf. Alle Beteiligten müssten "äußerste Zurückhaltung" zeigen, erklärte er in New York.

Der einflussreiche schiitische Geistliche Muktada al-Sadr forderte die Regierung zum Rücktritt auf und verlangte eine Neuwahl unter Aufsicht der UN. Angesichts des "rücksichtslosen Blutvergießens" dürfe niemand schweigen, erklärte er nach Angaben irakischer Medien. Al-Sadrs Block hatte bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr die meisten Sitze gewonnen und die Regierung bislang unterstützt.

Aktivisten beklagten sich in sozialen Medien über den brutalen Einsatz der Sicherheitskräfte mit Tränengas und Schüssen. Im Internet und in irakischen Sendern waren Aufnahmen von Toten und Verletzten zu sehen. Auch Schüsse waren zu hören. Demonstranten blockierten Straßen und zündeten Reifen an. Dutzende Gebäude wurden beschädigt.

Die Proteste richten sich gegen die im Irak weit verbreitete Korruption, politischen Stillstand und die Wirtschaftskrise. Getragen werden sie im wesentlichen von jungen Männern. Viele von ihnen klagen über fehlende Arbeitsplätze oder die schlechte Infrastruktur. So gehört das Land weltweit zu den größten Ölproduzenten, leidet aber unter einem akuten Strommangel. Bereits in den vergangenen Monaten war es immer wieder zu tagelangen Protesten gekommen.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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