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Gute Maßnahmen oder gute Vertuschung?

  • Sonja Eichert
Von Sonja Eichert

Aktualisiert am 31.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Frauen bei den Silvester-Feierlichkeiten in Pjöngjang: Nordkorea hat offiziell keinen einzigen Corona-Fall gemeldet – ob es wirklich keine gibt, ist jedoch fraglich.
Frauen bei den Silvester-Feierlichkeiten in Pjöngjang: Nordkorea hat offiziell keinen einzigen Corona-Fall gemeldet – ob es wirklich keine gibt, ist jedoch fraglich. (Quelle: Kyodo News/imago-images-bilder)
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Die Pandemie hat die Welt im Griff. Doch acht Länder scheinen ihr zu trotzen, zumindest den offiziellen WHO-Angaben zufolge. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein – vor allem in ihrer Glaubwürdigkeit.

In dieser Woche jährte sich der erste Corona-Fall in Deutschland. Seitdem sind hierzulande über zwei Millionen Menschen infiziert gewesen, über 50.000 gestorben. Die Pandemie hat die Welt im Griff. Doch immer noch gibt es vereinzelte Staaten, die bei der Weltgesundheitsorganisation WHO noch keinen einzigen Fall gemeldet haben. Wie ist das möglich?

Das wohl bekannteste Beispiel: Nordkorea. Diktator Kim Jong-un rühmt sich mit dem angeblichen Erfolg seines Landes gegen die Pandemie – international wird daran jedoch gezweifelt. Frühzeitig wurden die Grenzen des Landes geschlossen, die Einreise untersagt, der Schienen- und Flugverkehr ins Ausland eingestellt. Damit wurde auch der wirtschaftlich so wichtige Handel mit China gekappt. Im Juli dann der Alarm: ein Verdachtsfall in der Grenzstadt Kaesong. Ein Nordkoreaner, der Jahre zuvor nach Südkorea geflohen war und nun unerlaubt zurückkehrte, zeige Symptome. Kurzerhand ließ Kim die Stadt abriegeln. Drei Wochen später wurden die Maßnahmen wieder aufgehoben, der Fall bestätigte sich zumindest offiziell nicht.

Nordkorea: Zweifel angebracht

Doch das Regime bleibt bei Pandemiefragen empfindlich. Im Dezember sagte die südkoreanische Außenministerin Kang Kyeong-hwa, die Behauptungen zur Corona-Freiheit seien schwer zu glauben. Kim Yo-jong, die einflussreiche Schwester des Machthabers, schoss zurück: Für die "rücksichtslosen Bemerkungen" werde Kang noch "teuer bezahlen".

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Anlass zum Zweifel gibt es jedoch genug: Im November teilte der südkoreanische Geheimdienst mit, dass nordkoreanische Hacker versucht hatten, an Daten südkoreanischer Impfstoffentwickler zu gelangen. Der US-Konzern Microsoft berichtete Ähnliches. Ebenfalls im November meldete der südkoreanische Geheimdienst, Kim hätte "irrationale Maßnahmen" verhängt: Unter anderem sei der Fischfang und die Salzproduktion im Land eingestellt worden, aus Angst, das Meerwasser sei mit Coronaviren kontaminiert.

Auch die Silvesterparty in der Hauptstadt Pjöngjang sei dieses Jahr deutlich kleiner ausgefallen, meldeten Beobachter. Es seien weniger Zuschauer vor Ort gewesen. Diese hätten zwar dicht an dicht gestanden, aber Masken getragen.

Silvester in Pjöngjang: Auch wenn die Zuschauer dicht an dicht standen – Beobachtern zufolge sollen die Feierlichkeiten deutlich kleiner als üblich ausgefallen sein.
Silvester in Pjöngjang: Auch wenn die Zuschauer dicht an dicht standen – Beobachtern zufolge sollen die Feierlichkeiten deutlich kleiner als üblich ausgefallen sein. (Quelle: Kyodo News/imago-images-bilder)

Im Januar beim Treffen der Arbeiterpartei war von Panik bei Kim Jong-un zumindest nach außen nichts mehr zu sehen: Er lobte die Partei dafür, die Pandemie von der Bevölkerung ferngehalten zu haben. An der Corona-Impfung scheint das Land trotzdem interessiert zu sein: Das "Wall Street Journal" berichtet, Nordkorea habe sich Ende 2020 bei der internationalen Impfallianz Gavi um Impfstoff beworben. Auch hätten mehrere europäische Botschaften Anfragen zur Impfstoffbeschaffung aus Nordkorea erhalten.

Turkmenistan: WHO kann nichts beweisen

Ähnlich abgeschottet wie Nordkorea: Turkmenistan. Die Ex-Sowjetrepublik ist umgeben von Ländern, die alle schwer unter der Pandemie leiden, allen voran der Iran mit über einer Million Infektionen. Offiziell gibt es jedoch keine Covid-Erkrankten in dem Land – und auch die Experten der WHO konnten bei einem Besuch im Juli nicht beweisen, dass es tatsächlich Fälle gibt. Die Besuchsorte waren jedoch vom autoritären Regime ausgewählt worden – wie aussagekräftig diese waren, ist somit zweifelhaft.

Militärparade im September in Aşgabat, der Hauptstadt Turkmenistans: Das Regime dementiert Berichte über Corona-Fälle im Land.
Militärparade im September in Aşgabat, der Hauptstadt Turkmenistans: Das Regime dementiert Berichte über Corona-Fälle im Land. (Quelle: Vyacheslav Sarkisyan/Reuters-bilder)

Schon im Mai berichteten lokale Medien von zunehmenden Todesfällen, überfüllten Leichenschauhäusern und immer mehr neuen Gräbern auf Friedhöfen. Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch äußert öffentlich Zweifel – durch die Politik des Regimes mangele es an Schutzausrüstung für medizinisches Personal, Medikamenten und Ausstattung, heißt es. Im Juni gab die US-Botschaft einen Warnhinweis heraus, nach welchen es Berichte über Menschen mit Corona-Symptomen in Quarantäne gebe. Das Regime Turkmenistans dementierte: Die USA würden Fake News verbreiten.

Ozeanien: Inselstaaten im Vorteil

Doch es gibt auch Staaten, die es tatsächlich geschafft haben, bisher coronafrei zu bleiben – und bei denen die Zweifel an den offiziellen Daten nicht überwiegen. Sie alle eint ein Vorteil: die geographische Abgeschiedenheit. Mikronesien, Nauru, Palau, Tonga, Tuvalu und Kiribati sind Inselstaaten im Pazifik, weit weg vom nächsten Festland. Über strenge Einreisebeschränkungen, Quarantäne- und Testregelungen und die weitestgehende Einstellung des Flugverkehres konnten sie den Ausbruch der Pandemie verhindern.

Das Atoll Funafuti, Tuvalu: Auf der Insel befindet sich auch der einzige Flughafen von Tuvalu – aktuell starten und landen dort jedoch kaum Maschinen (Archivbild).
Das Atoll Funafuti, Tuvalu: Auf der Insel befindet sich auch der einzige Flughafen von Tuvalu – aktuell starten und landen dort jedoch kaum Maschinen (Archivbild). (Quelle: Mario Tama/getty-images-bilder)

Die Kehrseite: Teilweise ist die Einreise nicht einmal für Bürger des eigenen Landes gestattet. So saßen zu Weihnachten 60 Seeleute aus Kiribati in Hamburg fest – einige von ihnen berichteten, seit eineinhalb Jahren nicht in ihrer Heimat gewesen zu sein.

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