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Corona: Der Impf-Boom in Großbritannien lässt eine Gruppe aus


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Die Vergessenen des britischen Impf-Booms

dpa, Von Benedikt von Imhoff

Aktualisiert am 21.02.2021Lesedauer: 3 Min.
Impfung im Drive-in: In St. Albans, nördlich von London, spritzt eine Helferin einem Autofahrer die Impfdosis.
Impfung im Drive-in: In St. Albans, nördlich von London, spritzt eine Helferin einem Autofahrer die Impfdosis. (Quelle: Paul Childs/Reuters-bilder)
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Millionen Geimpfte und rascher Fortschritt: Das britische Impfprogramm ist bislang eine Erfolgsgeschichte. Doch es gibt auch Schattenseiten – Grund sind gesellschaftliche Probleme. Das Königshaus will helfen.

Die Zahlen klingen durchaus beeindruckend. Bald jeder dritte Erwachsene hat in Großbritannien bereits eine erste Impfung gegen Corona erhalten, jeden Tag kommen Hunderttausende hinzu, die Zahl der Neuinfektionen sinkt stetig. Voller Nationalstolz verkünden Premierminister Boris Johnson und seine Kabinettsmitglieder täglich neuen Fortschritt.

Und doch mischt sich in den Jubel eine bittere Note. Denn die Impfkampagne, die seit gut zwei Monaten läuft, erreicht offensichtlich nicht alle Menschen in Großbritannien – bei Schwarzen, Asiaten und anderen ethnischen Minderheiten ist die Bereitschaft für den schützenden Piks deutlich geringer.

Die Sorgen sind groß. "Wenn eine Gruppe nicht geimpft ist, wird das Virus sie aufspüren und wie ein Flächenbrand wüten", warnte der zuständige Staatssekretär Nadhim Zahawi jüngst. Ein Grund für die Zurückhaltung, so glauben Regierungsberater, liegt in sozialen Netzwerken. Von einer "Pandemie der Desinformation" sprach der Chef des nationalen Gesundheitsdiensts NHS, Steven Simons. Über Messenger-Dienste werden Falschmeldungen und Verschwörungstheorien verbreitet: Dass die Impfung die Fruchtbarkeit beeinträchtige oder im Mittel ein Aufenthaltstracker verborgen sei.

Misstrauen gegenüber staatlichen Stellen

Gerade bei sozial Schwachen – und zu diesen gehören viele Schwarze, Asiaten und Mitglieder anderer Minderheiten, abgekürzt BAME (Black, Asian and minority ethnic) – bleiben solche Botschaften hängen. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. In der Gruppe ist das Misstrauen gegenüber staatlichen Stellen generell groß.

Der Mediziner Azeem Majeed vom Imperial College London bestätigt: "Es gibt viel Misstrauen gegen die Impfstoffe bei Schwarzen." So würden im Londoner Stadtteil Croydon viele schwarze Patienten eine Impfung ablehnen, erläutert er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Auch der Hausärzteverband Royal College of General Practicioners ist besorgt über die verhältnismäßig geringe Beteiligung – und Bereitschaft – von Minderheiten. Majeed betont: "Das ist ein großes Problem, zumal Mitglieder dieser Gemeinschaften ein höheres Risiko haben, an Covid zu sterben."

Viele leben in Armut

Der Soziologe Ali Meghji von der Universität Cambridge hebt die schwierigen sozialen Verhältnissen hervor, in denen viele BAME-Mitglieder leben. "Obwohl sie durchschnittlich in kleineren Immobilien leben als weiße Briten, ist es für sie doppelt so wahrscheinlich, mit vier oder mehr Menschen in einem Haushalt zusammenzuleben", sagt Meghji. "Fast die Hälfte der schwarzen oder pakistanischen Kinder lebt in Armut und mehr als die Hälfte der bangladeschischen Kinder."

Studien haben gezeigt, dass für Pakistaner und Bangladescher in Großbritannien ein "alarmierend" höheres Risiko besteht, an oder mit Covid-19 zu sterben. Denn die Menschen aus diesen südasiatischen Staaten lebten häufiger in benachteiligten Gebieten und in großen Haushalten mit mehreren Generationen. In den beengten Räumen kann sich das Virus viel stärker ausbreiten. Außerdem arbeiten sie weitaus häufiger in Berufen, bei denen ein höheres Corona-Risiko besteht – etwa als Taxifahrer, Kioskverkäufer oder Ladenbesitzer.

Prinz Charles wirbt für Impfungen

Die Sorgen haben auch das Königshaus erreicht. Am (heutigen) Donnerstag (11.30 Uhr) will Thronfolger Prinz Charles in einer Videobotschaft an die Wirtschaftsvereinigung British Asian Trust für die Impfung werben. Es mache ihn traurig zu hören, dass für viele Menschen die Herausforderungen durch die "unterschiedliche Annahme" der Impfstoffe noch schwieriger würden, hieß es vorab.

Doch Experten betonen, die Regierung sei mit verantwortlich für die schleppende Akzeptanz. "Sie wollte sich nicht mit der Frage der ethnischen Ungleichheit in Bezug auf Covid-19 auseinandersetzen", schimpft der Soziologe James Nazroo von der Universität Manchester. Vielmehr habe die Regierung diese Frage ignoriert. Er fordert, die Regierung müsse ihre Prioritäten überdenken.

Impfen bei Senioren kommt gut voran

Bisher gehen die Behörden – abgesehen von Pflege- und medizinischem Personal an vorderster Front – bei der Impfung strikt nach dem Alter vor. Durchaus erfolgreich, denn der überwältigende Teil der über 75-Jährigen hat bereits eine erste Dosis erhalten. Allerdings ist der Anteil der BAME-Mitglieder in dieser Altersgruppe gering.

"Angehörige ethnischer Minderheiten altern biologisch schneller aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten, mit denen sie konfrontiert sind", sagt Nazroo der dpa. "Das bedeutet, dass diese gefährdeten Personen nicht von der aktuellen Priorisierung erfasst werden." Vielmehr, so fordert der Soziologe, müssten bei der Verteilung des Impfstoffs gezielter sozial schwächere Gegenden berücksichtigt werden.

Großbritannien will bis Ende Juli allen Erwachsenen im Land ein Impfangebot gegen das Coronavirus machen. "Wir wollen allen Erwachsenen bis Ende Juli eine Impfung anbieten, das wird uns helfen, die Gefährdetsten schneller zu schützen und Beschränkungen lockern zu können", sagte Premier Boris Johnson am Samstag nach einer Mitteilung der Regierung. Bislang haben in Großbritannien mehr als 17 Millionen Menschen eine erste Corona-Impfung erhalten, das ist fast jeder dritte Erwachsene.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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