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Ex-Berater Cummings: Boris Johnson wollte Queen trotz Corona besuchen

Dominic Cummings teilt erneut aus  

Ex-Berater: Boris Johnson wollte Queen trotz Corona persönlich besuchen

20.07.2021, 15:01 Uhr | aj, t-online

Ex-Berater Cummings: Boris Johnson wollte Queen trotz Corona besuchen. Die Queen empfängt Premierminister Johnson im Buckingham Palast. Die Audienzen fanden in der Pandemie schließlich virtuell statt. (Quelle: dpa)

Die Queen empfängt Premierminister Johnson im Buckingham Palast. Die Audienzen fanden in der Pandemie schließlich virtuell statt. (Quelle: dpa)

Trotz ihres hohen Alters und der Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus wollte der britische Premierminister offenbar die Queen treffen. Das behauptet sein ehemaliger Top-Berater. Ein Rachefeldzug?

Der einst wichtigste Berater von Boris Johnson, Dominic Cummings, hat erneut gegen den britischen Premierminister ausgeholt. In einem TV-Interview mit der BBC behauptete Cummings, dass Johnson nicht auf seine persönlichen Audienzen mit Queen Elizabeth II. habe verzichten wollen. 

Cummings habe den Premier davor gewarnt, dass die damals 93-Jährige sterben könnte, sollte sie sich mit dem Coronavirus anstecken. "Das kannst Du nicht machen", soll Cummings zu dem britischen Premierminister gesagt haben. Der habe daraufhin nachgegeben und gesagt, er habe die Besuche nicht richtig durchdacht. Queen Elizabeth II. und Johnson hielten ihre wöchentlichen Audienzen schließlich virtuell ab.

Cummings hatte die Regierung Ende 2020 im Streit verlassen. Seitdem hat er den Premier wiederholt öffentlich angegriffen – und ihn wegen seiner Corona-Politik kritisiert. Regierungsmitglieder werfen dem Ex-Berater einen Rachefeldzug vor. Cummings war im Mai 2020 selbst in die Kritik geraten, weil er trotz Lockdown und Covid-Symptomen durchs Land gefahren war, um seine Eltern zu besuchen.

"Im Grunde alle über 80"

In dem Interview behauptete Cummings auch, dass Johnson sich deshalb gegen einen weiteren Lockdown im vergangenen Herbst gewehrt habe, weil diejenigen, die an Covid-19 sterben, "im Grunde alle über 80 seien". In einer Whatsapp-Nachricht vom Oktober, die der BBC vorliegen soll, habe Johnson dazu geschrieben: "Kaum jemand unter 60 geht ins Krankenhaus ... und von denen überleben fast alle." Er glaube "an dieses ganze Zeug nicht mehr", dass das Gesundheitssystem überlastet ist. In Großbritannien gebe es höchstens drei Millionen Menschen, die der gefährdeten Altersgruppe angehörten. Die Pandemie solle lieber durchs Land ziehen, als die Wirtschaft zu zerstören. Dem Bericht zufolge schrieb er weiter: "Es zeigt, dass wir keinen landesweiten Lockdown anstreben."

Cummings wurde während des Interviews mit der BBC wiederholt aufgefordert, seine Version der Ereignisse zu belegen. Weder der Buckingham Palace noch die Downing Street äußerten sich bislang zu seinen Behauptungen. Ein Sprecher des Premierministers wies jedoch die Äußerungen des ehemaligen Beraters zu dem Lockdown im Herbst zurück. Johnson habe die "notwendigen Maßnahmen ergriffen, um Leben und Lebensgrundlagen zu schützen, geleitet von den besten wissenschaftlichen Ratschlägen" während der Pandemie. Die Regierung habe verhindert, dass das nationale Gesundheitssystem "durch drei nationale Lockdowns überwältigt wird", hieß es aus der Downing Street.

Droht England jetzt wieder das Chaos?

Die Corona-Strategie der Johnson-Regierung ist auch derzeit wieder umstritten. Am sogenannten "Freedom Day" hat das Land trotz steigender Ansteckungszahlen die meisten Beschränkungen fallengelassen. Das Motto: Eigenverantwortung. Masken sind seit Montag an den meisten Orten freiwillig, genauso wie Abstandhalten. Es gibt kaum Beschränkungen mehr für Clubs oder private Partys, auch Theater und Kinos dürfen ihre Säle voll besetzen. "Wann sollten wir es tun, wenn nicht jetzt?", fragte Johnson am Montag bei einer virtuellen Pressekonferenz direkt aus der Quarantäne. Im Herbst oder Winter werde die Situation noch schwieriger sein.

Währenddessen lässt die hochansteckende Delta-Variante die Zahl der Corona-Infektionen in Großbritannien immer weiter ansteigen – ein Abflachen der Welle ist nicht in Sicht, die Sieben-Tage-Inzidenz wurde zuletzt mit 399 angegeben (Stand: 14. Juli). Fast täglich werden mehr als 50.000 neue Fälle registriert – beinahe so viele wie zum Höhepunkt der zweiten Welle zum Jahreswechsel.

Inzwischen haben 88 Prozent der Erwachsenen im Vereinigten Königreich eine erste Impfung erhalten. Knapp 68 Prozent sind bereits zweimal geimpft. Doch Experten zweifeln daran, ob das ausreichen wird, um einer großen Infektionswelle standzuhalten. 

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