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Downing Street entschuldigt sich beim Palast f├╝r Partys

Von dpa
Aktualisiert am 14.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Kater Larry sitzt vor der T├╝r der 10 Downing Street.
Kater Larry sitzt vor der T├╝r der 10 Downing Street. Dort wurden 2020 und 2021 - mitten im Lockdown - anscheinend rauschende Partys gefeiert. (Quelle: Alastair Grant/AP/dpa./dpa)
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London (dpa) - Wenige Stunden bevor sich die Queen offiziell von ihrem langj├Ąhrigen Ehemann Prinz Philip verabschiedete, soll in der Downing Street noch getrunken und getanzt worden sein: Neue Enth├╝llungen ├╝ber weitere Lockdown-Partys im Amtssitz von Boris Johnson spitzen die brisante Lage des Premiers weiter zu.

Der Amtssitz des britischen Premierministers Boris Johnson entschuldigte sich nun beim Buckingham-Palast f├╝r Partys kurz vor der Beisetzung von Queen-Gemahl Prinz Philip. "Es ist zutiefst bedauerlich, dass dies zur Zeit nationaler Trauer stattgefunden hat", sagte Johnsons Sprecher in London. Johnson habe diese Woche bereits betont, dass das Verhalten im Regierungssitz den h├Âchsten Standards entsprechen m├╝sse. Die Downing Street ├╝bernehme auch die Verantwortung, "f├╝r Dinge, die wir nicht richtig gemacht haben".

Neue Vorw├╝rfe

Am Vorabend der Beisetzung des Queen-Gemahls im April sollen Dutzende Mitarbeiter der Downing Street dort zwei Partys gefeiert haben, wie die Zeitung "Daily Telegraph" berichtete. Demnach nahmen insgesamt rund 30 Menschen teil. Damals galten strenge Kontakt- und Abstandsregeln wegen der Corona-Pandemie. Die Queen musste wegen der Vorschriften am n├Ąchsten Tag ganz alleine in der Kapelle ihrer Residenz Windsor sitzen, als dort ihr Ehemann, mit dem sie 73 Jahre verheiratet war, bestattet wurde.

Das Foto der einsamen Queen war einer der pr├Ągenden Eindrucke der Pandemie und ber├╝hrte die Herzen von Millionen Briten. Umso gr├Â├čer ist nun die Emp├Ârung. "W├Ąhrend sie trauerte, feierte No. 10", sagte der Chef der Liberaldemokraten, Ed Davey. Auch wenn Johnson selbst nicht an den Partys am 16. April 2021 teilnahm und auch nicht in der Downing Street anwesend war, wird er f├╝r das Verhalten seiner Mitarbeiter verantwortlich gemacht. "Ich habe keine Worte f├╝r die Kultur und das Verhalten in No. 10", sagte die Vizechefin der gr├Â├čten Oppositionspartei Labour, Angela Rayner. Der Fisch stinke vom Kopf.

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Johnson: Dachte, es sei ein Arbeitstreffen

Es ist die erste Lockdown-Party im Regierungssitz aus dem Jahr 2021, die bekannt wird. Bisher waren mehrere Feiern im Mai und Dezember 2020 publik geworden. F├╝r gro├čen ├ärger hatte ein Bericht vom Montag gesorgt. Demnach hatte Johnsons B├╝roleiter am 20. Mai 2020 in einer E-Mail an etwa 100 Mitarbeiter zu einer Gartenparty geladen. Er betonte dabei: "Bringt Euren eigenen Alkohol mit."

Johnson hatte sich am Mittwoch im Parlament f├╝r den Eindruck entschuldigt, dass diejenigen, die die Corona-Regeln machen, sich nicht daran halten. Er r├Ąumte ein, dass er am 20. Mai 2020 f├╝r 25 Minuten im Garten anwesend war. Seinem Eindruck zufolge habe es sich um ein Arbeitstreffen gehandelt. R├╝ckblickend habe er damit falsch gelegen, sagte Johnson.

Er forderte aber, das Ergebnis einer laufenden internen Untersuchung abzuwarten, bevor Konsequenzen gezogen werden. Die Opposition fordert bereits jetzt seinen R├╝cktritt. Auch einige Abgeordnete von Johnsons Konservativer Partei haben den Premier zum R├╝ckzug aufgefordert.

Wegen der zeitlichen N├Ąhe zur Beisetzung des im Volk ├Ąu├čerst beliebten Herzogs von Edinburgh gelten die nun bekannt gewordenen Feierlichkeiten als besonders gef├Ąhrlich f├╝r Johnson. Downing Street dementierte die Partys nicht, wie auch die BBC berichtete. Johnsons ehemaliger Kommunikationsdirektor James Slack habe eine Abschiedsrede gehalten, um sich bei seinen Mitarbeitern zu bedanken, sagte eine Sprecherin. Auf weitere Details ging sie nicht ein.

Wein in Koffern und kaputte Schaukel

Stattdessen kam eine Best├Ątigung f├╝r die Party von Slack selbst: Der Ex-Kommunikationschef, der mittlerweile f├╝r die "Sun" arbeitet, entschuldigte sich f├╝r die "Wut und den Schmerz", den er verursacht habe. "Diese Veranstaltung h├Ątte nicht zu der Zeit stattfinden sollen, zu der sie stattgefunden hat. Es tut mir sehr leid, und ich ├╝bernehme volle Verantwortung", sagte er.

Laut "Telegraph" ging es bei der zweiten Verabschiedung um einen pers├Ânlichen Fotografen des Premiers. Mitte April 2021 waren strikte Abstandsregeln in Kraft, Mitglieder verschiedener Haushalte durften sich nicht in geschlossenen R├Ąumen treffen.

Wie das Blatt berichtete, war eine Beraterin Johnsons zeitweise f├╝r die Musik verantwortlich. In einem Koffer seien mehrere Flaschen Wein aus einem nahen Supermarkt als Nachschub geholt worden. Ein Teilnehmer habe im Garten von Johnsons Amtssitz die Schaukel von dessen Sohn genutzt und dabei kaputt gemacht. Die beiden anfangs separaten Veranstaltungen h├Ątten sich gegen Mitternacht vermischt.

Kommentatoren werteten den Artikel im "Telegraph", der eigentlich als Hausblatt Johnsons gilt und f├╝r den der 57-J├Ąhrige fr├╝her selbst t├Ątig war, als Teil des Machtkampfs um die Zukunft des Premiers. Johnson versucht seit Tagen mit aller Macht, Unterst├╝tzer um sich zu scharen. Sprechen sich 15 Prozent der 360 konservativen Abgeordneten gegen den Premier aus, kommt es in der Fraktion zur Misstrauensabstimmung.

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