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Das bedeutet der Handelskrieg für die Verbraucher

INTERVIEWStrafzölle auf US-Produkte  

"Das spüren wir auch an der Supermarktkasse"

Ein Interview von Johannes Bebermeier

01.06.2018, 18:14 Uhr
Das bedeutet der Handelskrieg für die Verbraucher. Gestapelte Jeans in einer Boutique: Jeans aus den USA dürften deutlich teurer werden, wenn die EU Gegenzölle verhängt, sagt Experte Ferdinand Fichtner. (Quelle: imago images/allOver-MEV)

Gestapelte Jeans in einer Boutique: Jeans aus den USA dürften deutlich teurer werden, wenn die EU Gegenzölle verhängt, sagt Experte Ferdinand Fichtner. (Quelle: allOver-MEV/imago images)

US-Präsident Trump will offenbar den Handelskrieg. Die EU plant, sich mit Zöllen auf US-Produkte zu wehren. Das werden auch die Verbraucher spüren, sagt Ökonom Ferdinand Fichtner.

Die Strafzölle der USA auf Stahl und Aluminium aus Europa sind in Kraft. Die EU will sich wehren – und im Gegenzug Zölle auf verschiedene Produkte aus den USA erheben. Geplant ist, ab dem 20. Juni Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro mit Zöllen zu belegen. 

Betroffen sind etwa Produkte wie Mais und Preiselbeeren, Erdnussbutter und Bourbon-Whisky, Harley-Davidson-Motorräder und US-Jeans. Doch was bedeuten die Zölle konkret für die Preise, die der Verbraucher im Supermarkt zahlen muss? 

Ökonom Ferdinand Fichtner, Abteilungsleiter Konjunkturpolitik beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, sagt: Die Produkte werden spürbar teurer. Und auch Arbeitsplätze in Deutschland seien durch den Handelskonflikt in Gefahr. 

Herr Fichtner, wenn ich Liebhaber von Erdnussbutter oder Whisky aus den USA bin – sollte ich jetzt Hamsterkäufe planen, weil sie künftig durch die drohenden Zölle der EU unbezahlbar werden?

Sollte die EU tatsächlich im Gegenzug Zölle auf US-Produkte erheben, werden das auch die deutschen Verbraucher merken. Kommt es etwa zu Zöllen auf Harley-Davidson-Motorräder, Jeans, Whisky oder Erdnussbutter in einer Größenordnung von 20 Prozent, dann spüren wir das auch an der Supermarktkasse.

Wie viel teurer wird es dann?

Sicherlich werden nicht die vollen 20 Prozent draufgeschlagen. Aber die Produkte würden schon 10 bis 20 Prozent teurer. Eine Jeans aus den USA, die im Laden 60 Euro kostet, würde dann um die 70 Euro kosten.

Wird alles gleich viel teurer oder gibt es Unterschiede bei den Produkten?

Wie hoch die Zölle auf die einzelnen Produkte werden, ist noch nicht bekannt – ob es also etwa besonders hohe Zölle auf Motorräder gibt. Generell wird man die Zölle bei Fertigprodukten wie Whisky oder Jeans stärker spüren als etwa bei Orangen oder Tomaten, die in Europa zu Orangensaft oder Ketchup weiterverarbeitet werden. Denn bei diesen Produkten machen die Kosten für die Weiterverarbeitung einen Großteil des Verkaufspreises aus und nicht das Grundprodukt, das aus den USA importiert wird.

Kann man die Produkte, die teurer werden, dann nicht einfach aus einem anderen Land importieren?

Das wird mit Sicherheit passieren. Die Verbraucher werden sich für Produkte entscheiden, die sie aus anderen Ländern günstiger bekommen. Dann kaufen sie etwa Jeans aus Portugal und Whisky aus Schottland. Die Nachfrage nach US-Produkten wird in Europa sinken.

Das heißt: Wer klug auf Produkte aus anderen Ländern ausweicht, muss am Ende nicht fürchten, weniger Geld im Portemonnaie  zu haben?

Genau. Nur wer unbedingt eine Harley-Davidson kaufen will oder ausschließlich US-Jeans trägt – für den wird es dann eben teurer.

Ferdinand Fichtner: Der Ökonom ist Abteilungsleiter Konjunkturpolitik beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. (Quelle: DIW Berlin)Ferdinand Fichtner: Der Ökonom ist Abteilungsleiter Konjunkturpolitik beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. (Quelle: DIW Berlin)

Wir sprechen gerade vor allem über die Auswirkungen der EU-Gegenmaßnahmen, die ja noch nicht in Kraft sind. Was schon in Kraft ist, sind die Strafzölle der USA auf Aluminium und Stahl aus Europa. Wirken sich auch die schon auf den Geldbeutel der Deutschen aus?

Kurzfristig werden die Zölle wohl dazu führen, dass der Stahlpreis in Europa etwas sinkt. Denn der ursprünglich für den Export in die USA eingeplante Stahl müsste eben andernorts abgesetzt werden. Das Überangebot, das so entsteht, führt zu niedrigeren Preisen. Produkte wie Autos, für die Stahl benötigt wird, könnten dadurch etwas günstiger werden. Aber das wird für die Verbraucher kaum spürbar sein. Auch gesamtwirtschaftlich sind die Auswirkungen nicht nennenswert. 

Handelskrieg hört sich trotzdem gefährlich an. Deutschland profitiert stark vom Freihandel, der nun in Gefahr ist. Muss ich mir in Deutschland auch Sorgen um meinen Arbeitsplatz machen?

Ich würde mich nicht zu sehr zurücklehnen. Der Handelskonflikt ist eine ernsthafte Gefahr für Jobs in Deutschland. Es ist völlig unklar, wie Trump auf die Einführung der EU-Gegenzölle reagiert. Die Hoffnung ist, ihn dadurch von seinem  Kurs abzubringen und vielleicht sogar zur Rücknahme der Aluminium- und Stahlzölle zu bewegen. Aber ihm ist durchaus zuzutrauen, dass er mit einer weiteren Eskalation reagiert – auf die die EU dann wieder mit Eskalation reagieren müsste. Das ist aber nicht abzuschätzen, weil das Verhalten Trumps nicht kalkulierbar ist.

Wo sind die Jobs besonders in Gefahr?

Trump hat ja schon weitere Zölle auf Autos angedeutet. Wenn die kommen, sind schnell Zigtausend Arbeitsplätze in der deutschen Automobilbranche gefährdet. Die Hersteller würden ihre Produktionskapazitäten zurückfahren müssen. Es ginge um einen Produktionsrückgang von mehreren Milliarden Euro. Das hätte dann auch Auswirkungen auf die gesamte deutsche Wirtschaft.

Wie würde sich das auswirken?

Es würde ausstrahlen etwa auf große Bereiche der Zuliefererindustrie. Wobei es auch hier noch die Unsicherheit gibt, ob Trump nur die fertigen Autos mit Zöllen belegt oder auch Vorprodukte. Denn die Vorprodukte könnten die Zulieferer ansonsten ja auch in die USA exportieren, wenn sie von den deutschen Herstellern nicht mehr in den Mengen benötigt werden. Aber da gibt es von Trump noch keine Einlassungen. Das passt wahrscheinlich nicht in einen Tweet.

Herr Fichtner, vielen Dank für das Gespräch.

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