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"Nasengate"-Affäre: Radikaler Islamist muss Parlament verlassen

dpa, Von Anne-Béatrice Clasmann, dpa

Aktualisiert am 05.03.2012Lesedauer: 2 Min.
Eine Nasen-OP wird dem ägyptischen Abgeordneten Anwar al-Balkimi zum Verhängnis
Eine Nasen-OP wird dem ägyptischen Abgeordneten Anwar al-Balkimi zum Verhängnis (Quelle: dpa-bilder)
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Darf sich ein langbärtiger Islamist heimlich die Nase verkleinern lassen? Und verliert ein frommer Lügner automatisch sein Abgeordnetenmandat? Das sind Fragen, die in diesen Tagen das politische Ägypten bewegen. Ägyptische Medien berichteten, die radikal-islamistische Partei des Lichts habe ein Parteiausschluss-Verfahren gegen ihr Fraktionsmitglied Anwar al-Balkimi eingeleitet. Kurz darauf verzichtete Al-Balkimi auf seinen Sitz im Parlament.

Was war geschehen? Der Abgeordnete hatte am Dienstag vergangener Woche behauptet, er sei auf einer Landstraße zwischen Kairo und Alexandria Opfer eines Raubüberfalls geworden. Der Staatsanwaltschaft sagte er, fünf maskierte Männer hätten sein Auto gestoppt. Sie hätten ihn verprügelt, ihm die Nase lädiert und 100.000 ägyptische Pfund (etwa 12.500 Euro) abgenommen.

Überfälle in Ägypten angestiegen

So weit so gut - angezweifelt wurde sein Bericht zunächst nicht. Denn die Nase sah tatsächlich sehr ramponiert aus, und seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im vergangenen Jahr ist die Zahl der Raubüberfälle in Ägypten sprunghaft gestiegen. Erst vor kurzem wurde ein Präsidentschaftskandidat der moderaten Islamisten bei einem ähnlichen Überfall mit einem Gewehrkolben geschlagen.

Abgeordneter ließ sich Nase verkleinern

Doch dann wurde es für Al-Balkimi und seine Partei ganz peinlich. Der Direktor einer bekannten Kairoer Schönheitsklinik las über Al-Balkimis angebliches Malheur. Er verriet dem Staatsanwalt den wahren Grund für den Verband auf der Nase des Islamisten: Al-Balkimi habe sich in seiner Klinik wenige Stunden vor dem angeblichen Überfall die Nase verkleinern lassen. Der Patient habe darauf bestanden, die Klinik auf eigene Verantwortung schon in der Nacht, nur wenige Stunden nach der Operation, zu verlassen.

Ein eitler Heuchler

Die Partei des Lichts ("Hisb al-Nur") stellte sich erst hinter Al-Balkimi, der den Ehrentitel "Scheich" trägt. Doch als sich herausstellte, dass der fromme Bruder mit dem langen Bart und dem braunen Gebetsmal auf der Stirn ein eitler Heuchler ist, drehte sich der Wind. Ein Sprecher der Partei sagte der Online-Ausgabe der Tageszeitung "Al-Masry Al-Yom": "Jeder Parlamentsabgeordnete der Partei des Lichts, der sich unehrenhaft verhält, muss mit den gleichen Konsequenzen rechnen wie Al-Balkimi."

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