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Tijuana: Migranten-Karawane kommt kurz vor US-Grenze ins Stocken

Flucht vor Armut und Gewalt  

Migranten-Karawane gerät kurz vor US-Grenze ins Stocken

17.11.2018, 10:06 Uhr | dpa

Tijuana: Migranten-Karawane kommt kurz vor US-Grenze ins Stocken. Junge Flüchtende auf einem Lkw in Guadalajara verlassen:  Auf dem Weg in die USA hat sich die Karawane in kleinere Gruppen geteilt. (Quelle: dpa/Carlos Ogaz)

Junge Flüchtende auf einem Lkw in Guadalajara verlassen: Auf dem Weg in die USA hat sich die Karawane in kleinere Gruppen geteilt. (Quelle: Carlos Ogaz/dpa)

Immer mehr Angehörige der Karawane aus Mittelamerika erreichen Tijuana. In der Grenzstadt wächst die Furcht vor Gewalt. Wie lange hält die Solidarität der Mexikaner?

Tausende Kilometer durch Flüsse, Wälder und Wüsten haben die Migranten aus Mittelamerika schon zurückgelegt. Doch kurz vor dem Ziel USA droht die Karawane ihre Dynamik zu verlieren. Tausende Menschen hingen am Freitag (Ortszeit) in Mexiko in den Städten Mexicali und Navojoa fest, wie ein Sprecher der Organisation Pueblo sin Fronteras (Volk ohne Grenzen) der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Die Mittelamerikaner sind auf dem Weg in die Grenzstadt Tijuana, wo sie sich den etwa 2000 bereits eingetroffenen Migranten anschließen wollen. "Ich will in die Vereinigten Staaten. Ich möchte einen Termin, um politisches Asyl beantragen zu können", sagte der Honduraner Franklin Barahona.

Die Menschen aus Mittelamerika fliehen vor der bitteren Armut und der Gewalt durch Jugendbanden in ihrer Heimat. Die sogenannten Maras erpressen Schutzgeld, kontrollieren ganze Stadtviertel und zwangsrekrutieren Jugendliche.

Tausende beantragen Asyl 

Die Bearbeitung der Asylanträge könnte allerdings Monate dauern. Bereits jetzt haben sich im Raum Tijuana mehr als 6000 Menschen um einen Termin bei den US-Behörden beworben, um Asyl zu beantragen. Und täglich kommen neue hinzu.

US-Soldaten an der Grenze zu Mexiko bei Tijuana: Auf beiden Seiten des Zauns wächst die Furcht vor Gewalt. (Quelle: AP/dpa/Rodrigo Abd)US-Soldaten an der Grenze zu Mexiko bei Tijuana: Auf beiden Seiten des Zauns wächst die Furcht vor Gewalt. (Quelle: Rodrigo Abd/AP/dpa)

"Sie sind in mein Haus eingedrungen und haben mich geschlagen. Die haben meine Frau und meine Schwägerin bedroht", sagte ein Familienvater aus der mexikanischen Provinz Michoacán. "Wir hatten Angst um unsere Kinder und haben uns deshalb entschieden, nach Tijuana zu kommen."

Angesichts der Tausenden ankommenden Migranten befürchtet die mexikanische Regierung allerdings, dass einige die Geduld verlieren und gewaltsam die Grenze durchbrechen könnten. "Wir sind sehr besorgt, dass es an der Grenze zu einem Vorfall kommen könnte, bei dem Menschen verletzt werden", sagte Innenminister Alfonso Navarrete.

Stacheldraht auf US-Seite verlegt

Arbeiter verlegten auf der US-Seite Stacheldraht auf dem Grenzzaun, wie die Zeitung "The San Diego Union-Tribune" berichtete. Unterdessen traf sich der Leiter des US-Grenzschutzes, Kevin McAleenan, am Grenzübergang San Ysidro mit Vertretern der mexikanischen Bundespolizei, um über den Umgang mit den Migranten zu beraten.

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt immer wieder betont, die Migranten nicht ins Land lassen zu wollen. Er sprach von einer Invasion und ließ Soldaten an die Grenze verlegen, um die Menschen zu stoppen. Insgesamt sind etwa 9000 Migranten in verschiedenen Gruppen auf dem Weg in die USA.


"Was wollen wir nicht? Dass die Gewalt eine Eigendynamik entwickelt und Leute versuchen, spontan und ungeordnet in die Vereinigten Staaten zu kommen", sagte Navarrete. Er warnte vor den "extrem feindseligen Reden und Aktionen gegen illegale Einwanderung in den USA".

Während sich auf der Wanderung durch Mexiko noch viele Menschen mit den Migranten solidarisiert hatten, drohte in Tijuana die Stimmung zu kippen. "Diese Leute kommen mit einem aggressiven Plan, sie sind unverschämt und fordern die Sicherheitskräfte heraus", sagte Tijuanas Bürgermeister Juan Manuel Gastélum in einem TV-Interview. "Ich will nicht sagen, dass alle Migranten so sind, aber einige sind Landstreicher, Kiffer, sie greifen die Bewohner an."

Verwendete Quellen:
  • dpa

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