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TV-Kritik "Maybrit Illner": Trump-Talk im ZDF war viel zu schwach

Talk bei Maybrit Illner  

Gerät die Welt unter Trump aus den Fugen?

20.01.2017, 09:38 Uhr | David Heisig, t-online.de

TV-Kritik "Maybrit Illner": Trump-Talk im ZDF war viel zu schwach. Bei Maybrit Illner ging es wenig überraschend um Donald Trump. (Quelle: ZDF)

Bei Maybrit Illner ging es wenig überraschend um Donald Trump. (Quelle: ZDF)

Zwischen Barack Obamas "Goodbye" und Donald Trumps Amtseinführung als neuem US-Präsidenten fragte Maybrit Illner ihre Talkrunde, ob der neue US-Präsident die Welt auf den Kopf stelle. Erkenntnis: Irgendwie ja. Er dreht den Globus aber nicht alleine.

Die Gäste

• Constanze Stelzenmüller, Publizistin
• Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender Auswärtiger Ausschuss
• Roger Johnson, Vizepräsident "Republicans Overseas" Osteuropa
• Erich Schmidt-Eenboom, Friedensforscher
• Ivan Rodionov, Chefredakteur "RT Deutschland"

Das Thema

Für Röttgen war klar: Das, was der zukünftige US-Präsident von sich gibt ist geeignet, die Fundamente einer in den letzten Jahrzehnten gewachsenen Weltordnung zu erschüttern. Von Illner nach dem zukünftigen Deutsch-Amerikanischen Verhältnis gefragt, ging es dem CDU-Politiker daher auch nicht um Strafzölle für BMW. Die USA seien entscheidend für den Frieden nach dem 2. Weltkrieg oder die Wiedervereinigung gewesen. Das transatlantische Bündnis funktioniere nicht ohne Amerika. Dass der "innerste Kern dieser Allianz", der amerikanische Präsident dieses in Frage stelle, "das hat unsere Phantasie vor kurzer Zeit noch nicht hergeben", so Röttgen.

Kern der Diskussion

Auch Stelzenmüller fand das "beunruhigend". Trump lasse den "normativen Kanon liberaler Werteordnung außer Acht" und habe "gigantische Wissenslücken", betonte die Publizistin. War alleine diese Erkenntnis schon bedrückend, wurde des Zuschauers Gram noch dadurch verschärft, dass in der ganzen Gemengelage Russland eine wichtige Rolle spiele. Ost-West-Konflikt: Irgendwie hatte man das doch hinter sich. Scheinbar nicht, wie Röttgen konstatieren musste.

Moskaus-Botschafter in der Runde, der Journalist Rodionov, brachte neben Spott für den US-Wahlkampf das Ende "eines historischen Zyklus, der Post-Kriegs-Zeit" ins Spiel. Röttgen sah die Nato "in Gefahr". Es stimme, dass Lasten gerechter verteilt, Deutschland sich mehr beteiligen müsse. Für Trump spiele die Nachkriegsarchitektur allerdings gänzlich keine Rolle mehr.

Höhepunkt des Abends

Wenn in einem lustig eingefärbten Einspieler dann Aussagen Trumps zitiert wurden, er sei "kein Politiker", er müsse tun, "was er tun muss" und er wolle gute Deals machen, musste der Zuschauer stutzen. Ist das Satire? Leider nein. Er meint das ernst. Zum Glück gab es in der Runde Stelzenmüller. Sie konnte als Teil einer Denkfabrik in Washington einen Einblick in die amerikanische Seele geben. Und die besteht nicht nur aus Trump. "Sehr viel innere Spannungen und Chaos" prognostizierte sie für die amerikanische Gesellschaft. Allein aus Trumps Minister-Stab könne dieser Gegenwind erwarten.

Tiefpunkt des Abends

Ein wenig Pfeffer hätte man von Trump-Befürworter Johnson erwarten können. Das konnte er nicht erfüllen. Warum er Trump gewählt habe, fragte Illner ihn. "Weil wir einen Wechsel brauchten", so seine Antwort. Außerdem habe Trump "sehr intelligente Berater". Auch Schmidt-Eenboom blieb blass. Kurios anmutend seine Theorie, die CIA habe mit den Enthüllungen über vermeintliche Kreml-Bespitzelungen Trumps diesem einen Warnschuss vor den Bug setzen wollen. Immerhin plane der, den Geheimdienst in der für ihn wichtigen Außenpolitik zu entmachten. Das wollte in der Runde keiner unterschreiben.

Angefeuert durch einen Einspieler in James Bond-Optik, diskutierte man im Folgenden angeregt die Rollen der Geheimdienste. Welcher Dienst was ausspionierte. Wie man durch Hacker den Wahlkampf in den USA manipulierte haben könnte. Was man welchen Medien gesteckt habe, um es lanciert zu veröffentlichen. Für Schmidt alles sehr plausibel. "Totaler Quatsch" urteilte Johnson. Viel Spekulation, kaum Fakten. Stelzenmüller betonte, es ginge nicht um Sexfilmchen mit Trump in der Hauptrolle. Viel wichtiger sei, dass die westliche Werteordnung diskreditiert werden soll.

Moderatoren-Momente

Illner hatte es nicht schwer: Easy-going für eine stets charmant lächelnde Moderatorin. Kein Geschrei. Was andererseits auch schade war. Gelang es ihr doch nicht, den unterschwelligen Konflikt in der Runde genauer herauszuarbeiten, diese "Zurück-zum-Kalten-Krieg-Stimmung". Nur einmal musste sie dazwischen gehen: als Röttgen Rodionov zu vehement mit der Aussage reizte, man könne Syrer nicht mehr fragen, was sie von russischer Politik hielten. Die seien nämlich tot. Stelzenmüller goutierte das. Da hakte Illner ein und fragte Röttgen, ob nicht Obamas Zögern im Syrienkonflikt diese Situation erst heraufbeschworen hätte.

Was vom Abend übrig blieb

Nicht viel, denn dafür war die Sendung zu schwach. Zu viel Spekulation, zu viel Räuberpistole, zu wenige Fakten. Stelzenmüllers differenziertes Wissen konnte nicht dafür sorgen, dass der Zuschauer viele Denkanstöße für die eigene Meinungsbildung hätte mitnehmen können. Dafür fielen die anderen Diskussionsteilnehmer zu sehr aus. So schwebte über allem die von Rodionov oft zitierte Kristallkugel, die nach seiner Ansicht wohl für verlässlichere Erkenntnisse hätte sorgen können. Es blieb das etwas ominöse Gefühlsgemisch vor Trumps Amtseinführung aus Unsicherheit, Hoffnung und dem "es wird schon nicht so schlimm werden". Immerhin konnte Illner das auf einen Wunsch zum Sendungsschluss runterbrechen: "Bleiben Sie heiter. Irgendwie."

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