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Christlich-muslimische Kita vor dem Start

Von dpa
Aktualisiert am 23.07.2018Lesedauer: 3 Min.
Erzieherinnen richten die RÀume zur Eröffnung des neuen christlich-muslimischen Kindergartens "Abrahams Kinder" in Gifhorn ein.
Erzieherinnen richten die RÀume zur Eröffnung des neuen christlich-muslimischen Kindergartens "Abrahams Kinder" in Gifhorn ein. (Quelle: Peter Steffen./dpa)
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Gifhorn (dpa) - Die kleinen Bettchen sind schon aufgebaut, Maler bringen noch etwas Farbe an die Wand. Im niedersÀchsischen Gifhorn laufen die letzten Vorbereitungen: Im August eröffnet dort eine "Zwei-Religionen-Kita", in der Kinder christlichen und muslimischen Glaubens gemeinsam betreut werden.

Die Initiatoren sprechen von einer bundesweit einmaligen Einrichtung. Am Donnerstag (26. Juli) soll Eröffnung gefeiert werden.

"Die 15 PlĂ€tze sind vergeben", sagt die Sprecherin des Projekts, Ingetraut Steffenhagen. Muslime, Christen und Kinder ohne Konfession werden ihren Angaben zufolge unter den Ein- bis FĂŒnfjĂ€hrigen etwa gleich stark vertreten sein. "Abrahams Kinder" heißt die Einrichtung, die einen Ort fĂŒr die Kleinen aus unterschiedlichen religiösen Herkunftsfamilien schaffen soll, an dem sie ihre eigene und andere Religionen kennen und verstehen lernen.

Die Zielsetzung und Arbeitsweise haben die muslimische Ditib-Moschee in Gifhorn, die katholische St. Altfrid-Gemeinde und die evangelische Dachstiftung Diakonie in einer Kooperationsvereinbarung beschrieben. Eine jĂŒdische Gemeinde, die die Organisatoren gern einbezogen hĂ€tten, gebe es in Gifhorn nicht. Ob die kleine Gruppe zusammen betet oder gemeinsam Gottesdienste feiert, entscheiden die Erzieher. Sie werden sich laut Steffenhagen aber auf jeden Fall damit beschĂ€ftigen, warum die einen Weihnachten, Ostern oder Ramadan feiern - und die anderen eben nicht. Das Essen soll halal-zertifiziert sein, also auch den Speisevorschriften des Islam folgen.

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Die Idee entstand den Angaben zufolge in der Moscheegemeinde, die aber Schwierigkeiten hatte, aus eigener Kraft eine Kita zu errichten und zu betreiben. Von Pastoralreferent Martin Wrasmann sei dann das Angebot fĂŒr eine interreligiöse Kita mit einem Vorbild aus OsnabrĂŒck gekommen. Dort gibt es bereits seit mehreren Jahren eine "Drei-Religionen-Schule" und eine jĂŒdisch-christliche KindertagesstĂ€tte. "Mit beiden Einrichtungen machen wir sehr gute Erfahrungen", sagt Kai Mennigmann vom Bistum OsnabrĂŒck. Das Wachstum und der Zuspruch seien Belege dafĂŒr.

Ähnlichen Erfolg wĂŒnschen sich auch die Initiatoren im beschaulichen Gifhorn, die ihre Kita zu einem Leuchtturmprojekt mit bundesweiter Strahlkraft entwickelt wollen. In Berlin-Moabit hat allein der Plan fĂŒr eine "Drei-Religionen-Kita" fĂŒr Christen, Juden und Muslime ein bundesweites Medienecho ausgelöst. Sie soll aber erst 2021 eröffnen.

"Wir wollen eine AtmosphĂ€re schaffen, in der sich Kinder verschiedenen Glaubens mit gegenseitiger Anerkennung begegnen und voneinander lernen können", sagt die Leiterin der Kita in Gifhorn, Linda Minkus. Auch das Erzieherteam soll sich aus Mitarbeitern muslimischen und christlichen Glaubens zusammensetzen. FĂŒr eine dritte Stelle wird derzeit noch jemand gesucht. "Wie in fast allen sozialen Berufen ist es ausgesprochen schwierig, offene Stellen zu besetzen", berichtet Projektsprecherin Steffenhagen.

Sie rĂ€umt auch ein, dass das Interesse anfangs verhalten war. Ein denkbarer Grund: Ihrer Meinung nach könnten Eltern zunĂ€chst Scheu gehabt haben, ihre Kinder in eine so exponierte Einrichtung zu geben. Von der AfD in Gifhorn wurde das Projekt wegen der wenigen Anmeldungen bereits vor der Eröffnung als gescheitert bezeichnet. Diese Kritik weist Steffenhagen als "ĂŒbliche Abwehr gegen islamische Migration in den einschlĂ€gigen Kreisen" zurĂŒck.

Den Zentralrat der Muslime in Deutschland stört die Politisierung des Themas. "Eine KindertagesstĂ€tte ist grundsĂ€tzlich unpolitisch", meint der Vorsitzende Aiman Mazyek. Der frĂŒhe Austausch sei besonders in Zeiten wichtig, in denen Populisten das Trennende betonen. FĂŒr Gifhorns BĂŒrgermeister Matthias Nerlich (CDU) kann VerstĂ€ndnis und Toleranz nur gelingen, wenn es Möglichkeiten der Begegnung gibt. Diese Möglichkeit gibt es nun in seiner Stadt bald auch fĂŒr die ganz Kleinen.

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