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Nach Morddrohungen in Brasilien: Geflohener schwuler Politiker bleibt in Berlin

Nach Todesdrohungen in Brasilien  

Geflohener schwuler Politiker bleibt in Berlin

20.03.2019, 15:41 Uhr | AFP

Nach Morddrohungen in Brasilien: Geflohener schwuler Politiker bleibt in Berlin . Jean Wyllys: Der brasilianische Politiker ist homosexuell und bekam deshalb Morddrohungen. (Quelle: imago images/Fotoarena)

Jean Wyllys: Der brasilianische Politiker ist homosexuell und bekam deshalb Morddrohungen. (Quelle: Fotoarena/imago images)

Der brasilianische Politiker Wyllys musste aus seinem Land fliehen, weil er wegen seiner Homosexualität Morddrohungen bekam. Nun hat er eine Wahlheimat gefunden: Er lebt vorerst in Berlin. 

Der nach Morddrohungen aus Brasilien geflohene Politiker Jean Wyllys will sich vorerst in Deutschland niederlassen: "Berlin wird meine provisorische Heimat", sagte der bekennende Schwule der Nachrichtenagentur AFP. Von der Bundeshauptstadt aus werde er seinen Kampf gegen Brasiliens rechtsradikalen Staatschef Jair Bolsonaro fortsetzen, der am Dienstag von US-Präsident Donald Trump in Washington empfangen worden war.

Bolsonaro habe ihn "zu einem Paria gemacht", einem Ausgestoßenen im eigenen Land, kritisierte der frühere Abgeordnete der Linkspartei PSOL. "Ich habe Morddrohungen per Telefon, über die sozialen Netzwerke und per E-Mail erhalten", betonte Wyllys. "Zuletzt haben mich sogar Menschen auf der Straße angefeindet." Eine baldige Rückkehr nach Brasilien schließt er deshalb aus.

Mandat niedergelegt

Wyllys hatte sein Mandat im brasilianischen Kongress niedergelegt, nachdem er Brasilien im Januar verlassen hatte. Bisher hielt er seinen Aufenthaltsort aus Furcht vor Angriffen geheim.

In Berlin war Wyllys vor gut einem Monat auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung aufgetreten und hatte sich Fragen zur Lage in seinem Land gestellt. Die der Linkspartei nahestehende Stiftung und die Open Society Foundation von US-Milliardär George Soros hätten ihm vorgeschlagen, in der Hauptstadt einen Doktortitel zu erwerben, sagte er nun.

Demokratie "in Gefahr"

Die Demokratie in Brasilien sei "in Gefahr", bilanzierte Wyllys im Gespräch mit AFP. Nach Bolsonaros Wahlsieg im Oktober habe die Gewalt gegen Mitglieder der LGBT-Community (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) deutlich zugenommen. Er selbst werde bereits seit dem Mord an der lesbischen Kommunalpolitikerin Marielle Franco in Rio de Janeiro im März 2018 bedroht.
 

 
Der frühere Armeeoffizier Bolsonaro, der immer wieder mit homophoben Äußerungen aufgefallen ist, ist seit Jahresbeginn Präsident. In seiner Zeit als Abgeordneter waren er und Wyllys mehrfach aneinandergeraten. Im April 2016 spuckte Wyllys Bolsonaro ins Gesicht, nachdem der ultrarechte Politiker in der Debatte um die Absetzung der damaligen Präsidentin Dilma Rousseff einen Folterer aus der Zeit der Militärdiktatur gelobt hatte.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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