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Corona-Krise in Deutschland: Lehrerverband kritisiert Schulöffnung scharf

Debatte auch um Sommerferien  

Lehrerverband kritisiert geplante Schulöffnung scharf

17.04.2020, 11:42 Uhr | dpa

Malu Dreyer: bestimmte Schritte für Schulen ab 20. April möglich

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz sprach nach der Videokonferenz der Länderchefs mit der Bundeskanzlerin. Bestimmte Schüler in Deutschland sollen bereits vor Anfang Mai ihre Prüfungen ablegen dürfen. (Quelle: Reuters)

Maßnahmen in den Schulen: Das sind die Pläne der Politik. (Quelle: Reuters)


Lehrer in ganz Deutschland sind unzufrieden: Die schnelle Wiedereröffnung der Schulen sei nicht umsetzbar. Zum Thema Sommerferien hat ein Lehrerverband eine klare Meinung. 

In der Debatte um die schrittweise Öffnung von Schulen in Deutschland hat der Lehrerverband in Nordrhein-Westfalen die Landesregierung scharf kritisiert. Nordrhein-Westfalen öffnet schon in der kommenden Woche die weiterführenden Schulen für Prüflinge. Bund und Länder hatten vereinbart, den eingestellten Schulbetrieb schrittweise ab dem 4. Mai wieder aufzunehmen. Der nordrhein-westfälische Lehrerverband hält den Plan der Landesregierung für die schnelle Wiedereröffnung der Schulen allerdings für schwer umsetzbar. "Der Zeitplan ist zu ambitioniert", sagte Verbandspräsident Andreas Bartsch der "Rheinischen Post".

Bartsch kritisierte auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) für ihre Aufforderung an die Schulträger, die hygienischen Voraussetzungen zur Wiedereröffnung der Schulen zu schaffen. "Die Märkte sind ja de facto tot", sagte Bartsch zur Beschaffung von Desinfektionsmitteln. Auch Fragen der Reinigung, bauliche Maßnahmen und Kapazitäten bei der Beförderung müssten geklärt werden. "Da macht es sich die Ministerin schon einfach, wenn sie sagt, die Schulen hätten ja gewusst, dass es am 20. April wieder losgehen könnte."

Zuvor hatte bereits der Bundeselternrat kritisiert, die häufig maroden Schulen seien nicht dafür gerüstet, für den Umgang mit der Pandemie geeignete Hygienemaßnahmen zur Verfügung zu stellen – also Waschbecken mit warmem Wasser in jedem Klassenzimmer, dazu einen Seifen- und Desinfektionsmittelspender sowie Papierhandtücher. "Hier ist viele Jahre lang zu wenig getan worden. Das rächt sich jetzt bitter", sagte der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth. 

Schulausfall ist "Katastrophe"

Die drei Wochen Schulausfall vor den Osterferien seien eine "Katastrophe" gewesen, sagte Sarah Lichtenberger, Leiterin einer reinen Internetschule in Bochum. Lehrer hätten teilweise Dutzende Seiten in PDF-Dateien zur Bearbeitung per Mail verschickt – ohne Anleitung, ohne Lernvideos, ohne digitalen Unterricht oder Austausch. Dass Eltern oftmals einspringen sollten, sei nicht in Ordnung und für viele auch nicht leistbar gewesen. Lichtenberger riet: "Alle Schüler und Lehrer haben ihre weiter gültigen Stundenpläne und Unterrichtsmaterial. Mit dem Buch in der Hand können sich alle nach ihrem Stundenplan im digitalen Klassenzimmer treffen."

Ein weiterer Punkt in der Diskussion sind die Sommerferien. Sollen sie verkürzt werden? Für den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, steht das aktuell nicht zur Debatte. "Ich glaube, zum jetzigen Zeitpunkt eine Diskussion um die Verkürzung von Sommerferien zu führen, geht eigentlich fehl", sagte Meidinger im "Deutschlandfunk". "Ich glaube auch, dass das gar nicht mal den großen Effekt hat." Vielmehr brauche es jetzt "ein großes Gesamtkonzept".

Schäuble ist für verkürzte Sommerferien

Eine Verkürzung der Sommerferien hatte zuvor Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ins Gespräch gebracht. "Bis auf Ausnahmen bleiben die Schulen noch einige Zeit geschlossen. Daher frage ich mich, ob die Verantwortlichen in den Ländern darüber nachdenken, die Schulferien in der Sommerzeit etwas zu verkürzen", sagte der CDU-Politiker der Zeitung "Augsburger Allgemeine". Ein solcher Schritt böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW hatte außerdem einen "Corona-Bonus" bei den Schulnoten in diesem Schuljahr vorgeschlagen. Auch für diese Erwägung gab Meidinger noch keine endgültige Bewertung ab. "Jetzt sollen mal die Prüfungen geschrieben werden", sagte er. "Wenn sich tatsächlich herausstellt, dass da eine besondere Situation war, die zu schlechteren Ergebnissen geführt hat, dann muss man sich wirklich diese Geschichte anschauen."

Nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes könnten bald wieder 2,6 Millionen Kinder die Schulbank drücken. Dies seien rund 700.000 der insgesamt 2,9 Millionen Grundschüler, 1,1 Millionen Jugendliche in Abschlussklassen und 750.000 in Vorabschlussklassen, teilte das Bundesamt mit.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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