Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland >

Virologe Christian Drosten hält zweiten Shutdown für vermeidbar

Virologe zur Corona-Pandemie  

Drosten hält zweiten Shutdown für vermeidbar

29.05.2020, 19:28 Uhr | t-online.de, joh, AFP

Virologe Christian Drosten hält zweiten Shutdown für vermeidbar. Christian Drosten: Der Virologe ist davon überzeugt, dass die schnelle Reaktion der Bundesregierung Hunderttausend Opfer verhinderte. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)

Christian Drosten: Der Virologe ist davon überzeugt, dass die schnelle Reaktion der Bundesregierung Hunderttausend Opfer verhinderte. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Virologe Christian Drosten hat sich optimistisch über den weiteren Verlauf der Covid-19-Pandemie gezeigt. Möglicherweise bleibe Deutschland eine zweite Coronavirus-Welle erspart.

Der Virologe Christian Drosten hält es für möglich, dass Deutschland eine zweite Corona-Welle erspart bleibt. "Vielleicht entgehen wir einem zweiten Shutdown", sagte der Virologe vom Berliner Universitätsklinikum Charité dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Die Wissenschaft habe inzwischen ein besseres Verständnis des Infektionsgeschehens. "Jetzt kennen wir das Virus genauer, wir wissen besser, wie es sich verbreitet." Dies geschehe über wenige sogenannte Superspreader, also Infizierte, die für viele Ansteckungen verantwortlich sind. "Und ein solches Infektionsgeschehen kann man besser kontrollieren als eine gleichförmige Ausbreitung unterm Radar, wie wir das am Anfang angenommen haben", sagte Drosten. Es gebe jetzt eine "theoretische Möglichkeit", dass die Deutschen "ohne zweite Welle durchkommen".

Quarantäne könnte kürzer werden

Wichtig sei nach wie vor, einen möglichen Ausbruch früh zu erkennen und zu stoppen, indem sämtliche Kontaktpersonen in Quarantäne kommen, ohne sie vorher erst langwierig zu testen. Dafür könnte die Zeit der Quarantäne aber deutlich verkürzt werden. Kontaktpersonen müssten künftig nur eine gute Woche in der Isolation verbringen, denn die Inkubationszeit und die Zeit, in der ein Mensch ansteckend sei, sei deutlich kürzer als anfangs gedacht, betonte Drosten.

Laut Johns-Hopkins-Universiät sind in Deutschland bislang 8.470 Menschen (Stand: 29.Mai, 8 Uhr) an Covid-19 gestorben. Christian Drosten ist überzeugt, dass es deutlich mehr deutsche Todesopfer hätte geben können.  "Wenn wir nicht so früh hätten testen können, wenn wir Wissenschaftler nicht die Politik informiert hätten – ich glaube, dann hätten wir in Deutschland jetzt 50.000 bis 100.000 Tote mehr", erklärte er im "Spiegel".

Streeck stimmt Drosten zu

Auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck glaubt nicht, dass Deutschland von einer gewaltigen zweiten Corona-Welle überrollt wird. Er vermute, dass es immer wieder lokale Ausbrüche geben werde. "Das wird vielleicht im Herbst auch vermehrt und überraschend geschehen – aber ich glaube nicht, dass wir eine zweite Welle sehen werden, die uns regelrecht überschwemmt und überfordert", sagte Streeck den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

 Prof. Hendrik Streeck  (Quelle: imago images/teutopress) Prof. Hendrik Streeck (Quelle: teutopress/imago images)

Grundsätzlich sieht Streeck gute Chancen, das Virus beherrschbar zu halten. Einen entscheidenden Schlüssel für die Eindämmung sieht er vor allem in dem Verbot von Großveranstaltungen. "Die zu unterbinden, scheint am ehesten was gebracht zu haben", sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn.

Impfstoff bleibt Hauptwaffe gegen Coronavirus

Als Hauptwaffe gegen das Coronavirus gilt ein Impfstoff, an dem weltweit mit Hochdruck geforscht wird. Einige Kandidaten sind in ersten klinischen Tests, mit einem Impfstoff wird in diesem Jahr allerdings nicht mehr gerechnet.

Streeck zweifelt indes an einem baldigen Erfolg der Impfstoffsuche. "Gegen HIV wurden schon über 500 Impfstoffe konstruiert, aber keiner hat funktioniert", sagte er. Man müsse sich auch auf die Möglichkeit einstellen, dass kein Impfstoff gefunden werde. "Das Virus ist da und wird bleiben. Und wir müssen uns darauf einstellen, damit umzugehen", sagte Steeck.

Verwendete Quellen:

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal