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Beherbergungsverbote treffen Hotels: Wie schlimm ist die Lage?

  • David Ruch
Von Rebekka Wiese, David Ruch

Aktualisiert am 12.10.2020Lesedauer: 4 Min.
Hotels in der Kölner Innenstadt: Die Beherbergungsbranche ist massiv von der Corona-Krise betroffen.
Hotels in der Kölner Innenstadt: Die Beherbergungsbranche ist massiv von der Corona-Krise betroffen. (Quelle: Archivbild/Future Image/imago-images-bilder)
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Und jetzt auch noch Beherbergungsverbote: Das deutsche Gastgewerbe Ă€chzt seit Monaten unter der Coronakrise und fĂŒrchtet nun den K.O. vieler Betriebe. Einige Gebiete leiden ganz besonders.

Der Herbsturlaub fĂ€llt aus. Denn seit letzter Woche gelten in vielen BundeslĂ€ndern Beherbergungsverbote fĂŒr Einreisende aus Infektionsgebieten: also aus Landkreisen, in denen sich in den letzten sieben Tagen mehr als 50 von 100.000 Einwohnern mit dem Coronavirus ansteckten. Eine Ausnahme gilt fĂŒr GĂ€ste, die einen negativen Corona-Test vorweisen können. Der darf allerdings nicht Ă€lter als 48 Stunden sein – und ist an vielen Orten kaum noch zu bekommen, weil die Teststellen ĂŒberrannt werden.

FĂŒr viele Urlauber ist das Ă€rgerlich. FĂŒr das Gastgewerbe ist die Regelung eine Katastrophe. Denn der Tourismus Ă€chzt ohnehin unter der Pandemie. Der coronabedingte Einbruch im Hotel- und GaststĂ€ttengewerbe ist beispiellos. Allein im ersten Halbjahr, in dem die Monate MĂ€rz bis Juni besonders stark von der Pandemie betroffen waren, ging der Umsatz im Gastgewerbe um fast 40 Prozent zurĂŒck. Bei den Beherbergungsbetrieben war der Absturz sogar noch tiefer: minus 48 Prozent.

Fast alle Übernachtungen brachen weg

Schlimmster Monat war der April, als staatliche Reglementierungen den Hotels, Bars, Clubs und Restaurants kollektiv eine Zwangspause auferlegten. Die UmsĂ€tze brachen um 75 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat weg, die Anzahl der Übernachtungen um fast 90. In konkreten Zahlen ausgedrĂŒckt bedeutete das einen Umsatzverlust von 5,7 Milliarden Euro.

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Folglich trug das Gastgewerbe mit seinen oft unsicheren ArbeitsverhĂ€ltnissen auch ĂŒberproportional zum Anstieg der Arbeitslosigkeit bei. Unter den sechs grĂ¶ĂŸten Wirtschaftsbranchen kamen ĂŒber 70 Prozent der Neumeldungen bei den Jobcentern von den Gastbetrieben. Die bei der Bundesagentur fĂŒr Arbeit gemeldeten Stellen ging um rund 40 Prozent zurĂŒck, ĂŒber eine Million Angestellte mussten in Kurzarbeit.

In den StÀdten schlÀgt sich die Krise besonders heftig nieder

Besonders stark litten die StĂ€dte unter der Krise. Weil der StĂ€dtetourismus stĂ€rker vom Einbruch betroffen ist und das Tagungs- und KongressgeschĂ€ft grĂ¶ĂŸtenteils fehlt, sind die UmsĂ€tze hier besonders tief im Keller. Der Dehoga-Landesverband in Berlin bezifferte den Umsatzverlust pro Hotelzimmer zuletzt auf ĂŒber 70 Prozent.

ZugestĂ€ndnis an die Gastronomen: Um unter Coronabedingungen Umsatzverluste kompensieren zu können, hat die Stadt MĂŒnchen den Wirten erlaubt, ihren Außenbereich zu vergrĂ¶ĂŸern, indem Parkraum durch zusĂ€tzliche FreischankflĂ€chen ersetzt wurde.
ZugestĂ€ndnis an die Gastronomen: Um unter Coronabedingungen Umsatzverluste kompensieren zu können, hat die Stadt MĂŒnchen den Wirten erlaubt, ihren Außenbereich zu vergrĂ¶ĂŸern, indem Parkraum durch zusĂ€tzliche FreischankflĂ€chen ersetzt wurde. (Quelle: imago-images-bilder)

Und seit Berliner Bezirke zu Risikogebieten erklĂ€rt wurden, habe sich die Lage nochmals verschĂ€rft, erklĂ€rt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Thomas Lengfelder. Massiv seien Reservierungen storniert worden, die Buchungen fĂŒr Oktober bis Dezember seien zusammengebrochen. Lengfelder sieht die Branche quasi "vor dem Abgrund".

In Nordrhein-Westfalen ist die Lage angespannt

Auch einige BundeslĂ€nder traf es besonders hart, wie etwa Nordrhein-Westfalen. Einer Umfrage des Deutschen Hotel- und GaststĂ€ttenverbandes (Dehoga) vom September zufolge bangen ĂŒber 70 Prozent der Betriebe um ihre Existenz. Das sind nochmal zehn Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt. Der UmsatzrĂŒckgang von MĂ€rz bis August belief sich auf durchschnittlich 60 Prozent. Selbst im August und September blieb der Umsatz trotz Lockerungen fast 50 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Der Chef des Dehoga-Landesverbandes, Bernd Niemeier, verweist auf den fehlenden GeschÀftsreiseverkehr sowie die Absage von Sportveranstaltungen, Messen und Konzerten und warnt vor einer gewaltigen Pleitewelle. Nach Angaben seines Verbandes rechnet jeder sechste Betrieb noch im Oktober mit der Pleite.

In Sachsen konnte man aufatmen

Andere LĂ€nder kommen hingegen ebesser durch die Krise: Sachsen zum Beispiel. "Im Sommer konnten einige Betriebe etwas Verlust aufholen", sagt Axel Klein, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Dehoga-Landesverbands Sachsen, "es lief wieder gut an." Anders als in anderen BundeslĂ€ndern kamen selbst große StĂ€dte besser durch den Sommer: "Im August hatten einzelne Hotels in Dresden eine Auslastung von 90 Prozent", sagt Klein – auch wenn es trotzdem zu UmsatzeinbrĂŒchen kam, weil der Tagungsbereich brach lag.

Seit Monaten ohne GÀste: Betreiber und Vertreter von Berliner Clubs demonstrieren im August, um auf ihre prekÀre Lage aufmerksam zu machen.
Seit Monaten ohne GÀste: Betreiber und Vertreter von Berliner Clubs demonstrieren im August, um auf ihre prekÀre Lage aufmerksam zu machen. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)

Doch die neuen Regeln um die Beherbergungsverbote könnten auch die Lage in Sachsen verschĂ€rfen. Das Absurde an der Situation im Freistaat: Dort gilt die Regelung bereits seit Ende September. FĂŒr Frust sorgt sie allerdings erst jetzt, weil in ganz Deutschland immer mehr Landkreise und StĂ€dte den kritischen Corona-Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche ĂŒberschreiten. "Jetzt kommen viele Stornierungen", sagt Klein, "die Verunsicherung ist groß."

"Das Ganze ist nicht durchdacht"

Hinzu kommt der Aufwand, den die Beherbungsverbote fĂŒr die Pensionen und Hotels bedeuten: "Das Ganze ist nicht durchdacht", sagt Klein, "und die ganze Arbeit hat man einfach in die Hotels und Pensionen verlagert." Dort sind nun Mitarbeiter damit beschĂ€ftigt herauszufinden, welche GĂ€ste aus Infektionsgebieten kommen – und das ist komplizierter als gedacht.

Denn das Robert Koch-Institut, das die Gebiete bekannt gibt, nennt nur die Namen der Landkreise, wĂ€hrend den Hotels meist nur die Postleitzahlen ihrer GĂ€ste vorliegen. "Jetzt suchen sich die Rezeptionisten die Finger wund, um zu schauen, welche Postleitzahl zu welchem Landkreis gehört“, sagt Klein – zumal momentan tĂ€glich neue Gebiete dazukommen.

Wie es fĂŒr die Branche weitergeht, kann Klein nicht sagen. Unter Berlinern ist die SĂ€chsische Schweiz ein beliebtes Reiseziel. Doch seit letzter Woche gilt die Hauptstadt als Risikogebiet, ein Corona-Test ist seitdem nur noch schwer zu ergattern. Klein hofft, dass die Beherbergungsverbote bald aufgehoben werden. Infektionsschutz und Hygiene seien gerade in Hotels sehr wichtig, betont er. Außerdem habe die Branche lĂ€ngst bewiesen, dass sie die Vorgaben umsetzen könne: "Wir machen das doch schon seit Mai."

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Von Tim Kummert
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