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Satire: Wenn die Coronakrise eine Bootstour wäre

MEINUNG"An oder mit Wasser ertrunken?"  

Twitter-Nutzer vergleicht Corona mit einer Bootsfahrt

Von Twitter-Nutzer @SeinVollerErnst, law

27.10.2020, 22:29 Uhr
Satire: Wenn die Coronakrise eine Bootstour wäre . Wilde Fahrt: Wenn die Corona-Krise einer Fahrt durch ein reißendes Gewässer mit gefährlichen Stromschnellen gleichkommt – wie würde das an Bord aussehen?   (Quelle: Getty Images)

Wilde Fahrt: Wenn die Corona-Krise einer Fahrt durch ein reißendes Gewässer mit gefährlichen Stromschnellen gleichkommt – wie würde das an Bord aussehen? (Quelle: Getty Images)

In der Corona-Krise sitzen alle in einem Boot und steuern durch aufgewühltes Wasser mit vielen Untiefen. Was wäre los auf dem Boot, wenn man sich das genau so vorstellt? Eine bittere Satire. 

Während ein Schlauchboot auf Stromschnellen zurast, verteilt die Politik Bier an maulende Fahrgäste, Querpassagiere zweifeln an den Daten der Wissenschaft, dass Schwimmwesten etwas bringen oder man beim Ertrinken am Wasser stirbt. Dazu wird geklatscht für unter Hochdruck arbeitende Ruderer: Das sind Szenen und Rollen in einer bitterbösen Satire. 

"Ich bin blank entsetzt und fassungslos, was man tagtäglich von den Leuten hört, erlebt und ausdiskutieren muss", erklärte der Autor, Twitternutzer @SeinVollerErnst, t-online. Er ist nach seinen Angaben im öffentlichen Dienst tätig und will nicht mit echtem Namen genannt werden. Galgenhumor sei schon immer sein Weg im Umgang mit solchen Lagen gewesen.

Also hat er das, was in der Corona-Krise seit Januar geschehen ist, übertragen auf die Fahrt in einem Schlauchboot, das auf einem reißenden Strom fährt. Und das hat auf Twitter bereits Kreise gezogen. Das Lachen bleibt einem beim Lesen im Halse stecken. 

Lassen wir die Fahrt beginnen, hier das Gespräch auf dem Boot:

Wissenschaft: Ein Kollege aus dem chinesischen Boot ein Kilometer vor uns hat angerufen. Da sind Stromschnellen.
Alle: Quatsch. Da waren noch nie Stromschnellen.
Wissenschaft: Sie sagen, neue Felsen sind in den Fluss gestürzt, es ist jetzt anders als letztes Mal.
Politik: Was wissen die schon? Die konnten noch nie raften.

Wissenschaft: Jetzt hat er ein Video geschickt. Die sind kurz vorm Kentern, und es fallen Leute aus dem Boot.
Passagier1: Kann uns das auch passieren? 
Politiker: Nein.

Wissenschaft: Wir sollten näher ans rechte Ufer. Die Felsen sind vermutlich nach der nächsten Biegung links im Wasser. Dann haben wir mehr Zeit zu reagieren.
Politik: Nein, dann sind wir zu langsam. Das Boot ist nur bis 18 Uhr gemietet.

Boot fährt in die Biegung

Passagier1: Hört ihr das? Da schreien doch welche?
Politik: Das sind Vögel.
Wissenschaft: Vor uns war doch das italienische Boot. Vielleicht sind die auch in die Stromschnellen geraten? 
Passagier2: Mach hier mal nicht so eine Unruhe.

Wissenschaft: Wir sollten uns besser vorbereiten. Ich hab das schon mal erlebt wie fast...
Querpassagier: Ja. Damals vor fünf Jahren, als du voll Panik wegen des Felsens hattest, und dann konnten wir voll easy rumfahren.
Wissenschaft: Da hatten wir Glück.

Medien: Ich hab nen Feldstecher. Da vorne sehe ich Felsen. Stromschnellen! Da kentert fast ein anderes Boot. Da sind Leute aus dem Boot gefallen.
Alle: Shit!
Wissenschaft: Ich will ja ungern sagen, ich hätte es kommen sehen...

Politik: Wie hätten wir das ahnen sollen? Was sollen wir machen?
Wissenschaft: Jetzt so schnell wie möglich versuchen, an den rechten Flussrand zu rudern. Gegen die Strömung. Dann können wir die ärgsten Stromschnellen vermeiden. 
Politik: Los, rudert!
Ruderer: Ähm, Du weißt, dass wir am Ende unserer Power sind? Wir hatten seit heute morgen keinerlei Pause. Und nur die Hälfte hat vernünftige Ruder.
Wirtschaftsliberale: Das ist auch richtig so. Bislang haben die Ruder ja gereicht. Wozu teure Ruder bezahlen, wenn man mit der Strömung fährt?
Ruderer: Wir sagen euch schon die ganze Zeit, dass das im Notfall zu wenig ist.
Politik: Ja, ja. Strengt Euch jetzt halt mehr an. Gibt auch nen Keks nachher.
Ruderer: Hmpf (rudern dennoch).

Passagier2: Hey, wieso werden wir langsamer? So sind wir doch nicht pünktlich am Ziel. Ich komm zu spät zum Abendessen!
Wissenschaft: Wir sollten auch alle unsere Rettungswesten anziehen und uns alle am Boot festhalten, damit keiner über Bord geht. 
Querpassagier: Das schränkt meine Freiheit ein!! Ich trage keine Weste. Letztes Jahr ist mal einer trotz Rettungsweste ertrunken. Westen bringen nix!

Ruderer: keuchen

Passagier1: Vielleicht können wir den Ruderern was als Belohnung anbieten?
Passagier2: Nein, dafür ist kein Geld da. Ich will Schadensersatz für mein Abendessen. Ich hatte Steak vorbestellt!
Passagier3: Wir könnten für die Ruderer klatschen.
Alle: Ja!
Politik: Das ist auch eine viel billi... ähm schönere Geste.
Alle: klatschen
Ruderer: rudern, keuchen, ringen um ihre Fassung

Politik: Das Boot schwankt immer mehr, haltet euch mit ner Hand am Boot fest, mit der anderen am Vordermann. So können alle zusammenhalten.
Passagier2: Und wie halte ich dann mein Bier? Das habe ich mit der Fahrt zusammen bezahlt, ich habe ein Recht auf mein Bier!
Politik: Lass Dein Bier los und halt Dich fest!
Passagier2: Das will ich ersetzt haben!
Querpassagier: Ihr könnt mir nicht vorschreiben ob ich mich oder andere festhalten soll! Diktatur!!!

Politik: Wenn wir jetzt alle zusammenhalten und uns gemeinsam anstrengen, können wir das halbwegs glimpflich durch die Stromschnellen schaffen!
Querpassagier: Nein. Da sind gar keine Stromschnellen. Das habt ihr nur erfunden.
Medien: Da sind Stromschnellen. Wissenschaft hat jetzt von vielen Kollegen Nachrichten, dass da welche sind. Ich kann sie auch durchs Fernglas sehen. Auch die Boote vor uns. Die sind in Not. Viele Leute fallen aus den Booten. Die schaffen kaum, die Hälfte wieder reinzuziehen.
Querpassagier: Nein. Lügenpresse!! Das denkst Du Dir nur aus!
Faschopassagier: Das sind nur die Alten und Schwachen, die rausfallen. Die wären sowieso irgendwann gestorben. 

Querpassagier: Genau! Das ist die Natur. Da kann man nichts machen.
Passagier1: Moment? Ich dachte, Du glaubst gar nicht an die Stromschnellen. Aber jetzt ist das die Natur, und man kann nix machen?
Querpassagier: Ja. Genau. ... Nein. Äh. ... Systemling! Schlafschaf! Lügenpresse!
Wissenschaft: Hier sind Hunderte Belege über die Gestorbenen in den anderen Booten, über Stromschnellen allgemein, über andere Unfälle von Booten in ähnlichen Situationen, über diesen speziellen Fluss, die Gefahr der aktuellen Wassertemperatur und wie groß der Anteil unserer Nichtschwimmer ist. Wir müssen vermeiden zu kentern oder dass Leute über Bord gehen!
Querpassagier: Nein, das hast Du Dir nur ausgedacht!

Passagier2: Ich will Bier! Ich hab Hunger!
Wissenschaft: Was? Wie sollte ich das in der kurzen Zeit gemacht haben? Und warum?
Querpassagier: Du steckst mit der Politik unter einer Decke!
Wissenschaft: Hä? Der hat mir am Anfang nicht mal geglaubt & jetzt setzt er auch nicht alles um was ich vorgeschlagen habe um das Kentern zu vermeiden. Gerade auch nicht.
Politik: verteilt gerade Bier Was ist?

Medien: Uns hat eben das amerikanische Boot überholt. 
Passagier1: Wie läuft's da?
Medien: Der Typ am Steuer mit dem orangen Haar hält voll auf die großen Felsen zu, während er abwechselnd die Leute in seinem Boot und die Chinesen beschimpft.
Querpassagier: Seht Ihr, man muss gar nichts machen, das geht auch so! Diktatur hier!
Passagier1: Spinnst Du? Sogar ich kann jetzt sehen, dass da reihenweise Leute aus dem Boot fallen und ertrinken.
Querpassagier: Ihr unterdrückt meine Meinung! Ihr...
Nazipassagier: Das sind doch nur die Schwachen, die sterben! Die haben es verdient!
Querpassagier: ...seid Nazis!
Nazipassagier: Ich?
Querpassagier: Nein. Du bist ja meiner Meinung, oder? Dann bist Du ein Guter.
Nazipassagier: Genau! Diktatur! Meinungsfreiheit! wetzt Messer
Querpassagier: Bro!
Passagier1: WTF?!
Passagier2: Die sind emotional aufgebracht, das muss man verstehen.

Das Boot schwankt.

Politik: Was ist jetzt los?
Wissenschaft: Wir sind wieder zur Flussmitte getrieben, weil nicht mehr so stark gerudert wurde. 
Politik: Wieso rudert denn keiner mehr richtig? 
Ruderer: Weil Du vorhin als es ruhiger wurde und die sich stritten, Bier an alle verteilt hast?
Politik: Wie konnte ich ahnen, dass das passieren würde?
Wissenschaft: Vielleicht weil ich gesagt hatte, dass wir noch nicht mal am Anfang der Stromschnellen vorbei sind und man das auch selbst sehen kann?
Politik: ... Rudern! Festhalten!
Passagier2: Ich habe schon ein Bier hergegeben. Das war ja wohl genug. Das hier lass ich nicht los!

Querpassagier: Das Boot schwankt gar nicht von den Stromschnellen. Das ist der Wind, da kann man gar nichts machen. Außerdem kann man gar nicht ertrinken, wenn man ins Wasser fällt.
Medien: Querpassagier sagt, das Boot schwankt nicht. Wind. Keiner kann ertrinken.
Wissenschaft: Warum wiederholst Du den Quatsch? Das ist gefährlicher Unsinn. Wenn das sonst noch wer zu glauben anfängt ...
Medien: Man muss immer alle Seiten zu Wort kommen lassen.
Querpassagier: Genau! Endlich sagt es mal einer!
Medien: ... Außerdem ordnen wir das ja schon ein, was er sagt.
Querpassagier: Zensur! Lügenpresse!
Wissenschaft: Aber der kann das gar nicht belegen, der schreit nur rum. 
Querpassagier: Hier, in dem Blog steht das auch, und dem Blogger ist als Baby ein Brockhaus auf den Kopf gefallen, der kennt sich also voll aus! Und der Nazipassagier ist auch meiner Meinung! 
Nazipassagier: versucht grad einen dunkelhäutigen Passagier aus dem Boot zu schubsen Ja. Genau. Grundrechte! Meinungsfreiheit!

Politik: Hör auf. Schmeißt die Bierdosen weg, haltet einander fest und paddelt!
Passagier2: Der Medien hat gesagt, dass muss ich nicht. Das ist nur der Wind.
Medien: Ich habe das nicht gesagt, ich habe das nur wiedergegeben.
Passagier2: Doch! Stand so im Titel!
Wissenschaft: Ich sag ja ungern, ich hab's Dir gesagt, aber...
Medien: ... außerdem hatte ich das ja im Artikel eingeordnet.
Passagier2: Artikel? Was das?
Querpassagier: Lügenpresse! Hier ist der Link zu einem Video von Avocadolf Hildmann. Der sieht das auch so.
Medien: Wie hätte ich ahnen sollen, dass das passieren würde...

Politik: Ich appelliere an Eure Vernunft und Verantwortungsgefühl. Packt das Bier weg, haltet einander fest und paddelt.
Passagier2: Nö. 
Wissenschaft: Wir treiben immer mehr zur Mitte und werden schneller. So wird das nicht reichen. Es könnte vielleicht knapp reichen, wenn sofort alle mit voller Kraft rudern. 
Politik: Verstanden. Wir handeln jetzt. Hört alle her: Bitte paddelt alle nach jedem dritten Schluck Bier einmal. Wir werden dann später beurteilen, ob das ausreicht.
Reichspassagier: Du kannst mir gar nichts befehlen. Dieses Boot gibt es gar nicht! Es gab nie einen gültigen Bootsbauvertrag nach dem Weltkrieg. Ich bin mein eigenes Boot!
Passagier1: WTF?!
Querpassagier: Genau! Es gibt gar kein Boot! Und überhaupt gar keine Stromschnellen!

Politik: Wir müssen die Sorgen aller Passagiere ernst nehmen und sie mit unseren Maßnahmen abholen.
Wissenschaft: Spinnt Ihr jetzt auch? Wir kentern vielleicht bald, und die hüpfen gerade im Takt im Boot rum und stören die Ruderer. Die wollt Ihr abholen?

Quer-/Nazi-/Reichspassagier: Es gibt keine Stromschnellen! Es gibt keine Stromschnellen!
Wissenschaft: Da vorne treiben ertrunkene Amis im Wasser und Ihr plärrt hier rum. Wollt Ihr auch so enden?
Querpassagier: Panikmache! Sind die am oder mit dem Wasser ertrunken?
Wissenschaft: Wie bitte?
Reichspassagier: Genau! Es werden auch dauernd Leute von herabstürzenden Kokosnüssen getötet. Darüber sagst Du natürlich nichts, Du Heuchler!
Medien: Was?

Politik: Leute, ihr müsst bei den Rettungswesten schon beide Arme in beide Löcher stecken, halb über der Schulter wird das nichts.
Passagier4: Was? Beide Arme? Das scheuert mich aber unter den Achseln.
Politik: Ja. Beide Arme. Sonst nützt die Weste ja nix.
Querpassagier: Die hilft sowieso nicht. Die Leute auf der Titanic hatten auch Westen und sind trotzdem gestorben.
Wissenschaft: Ja. Erfroren. Die ohne Weste sind ertrunken.
Querpassagier: An oder mit dem Wasser? 
Wissenschaft: Ernsthaft?

Medien: Querpassagier sagt, Westen bringen nichts.
Wissenschaft: Machst Du es schon wieder?
Medien: Einer muss berichten, was die Leute denken, ich ordne es ja auch...
Passagier4: Medien sagen, Westen bringen nichts! Ich ziehe die wieder aus.
Querpassagier: Endlich kommt die Wahrheit raus! Bravo!
Medien: ...ein und sage, dass das unwahrscheinlich ist.
Querpassagier: Lügenpresse! Hängt ihn auf!
Nazipassagier: Ja!

Wissenschaft: Klappt ja super.
Medien: Wie hätte ich das ahnen sollen?
Passagier4: Also dann kann ich die Weste auslassen?
Politik: Wissenschaft, was meinst Du? 
Wissenschaft: Ernsthaft? Ihr kommt nicht ohne mich auf die Idee, dass Rettungswesten nötig sein könnten, wenn man in den Fluss fällt?
Politik: Äh...

Wissenschaft: Gut. Hier sind immer mehr Belege, dass die Überlebensrate der Menschen, die ins Wasser fallen und eine Rettungsweste tragen, deutlich höher ist als derjenigen ohne Weste.
Querpassagier: Das glaube ich nicht. Heute morgen hat er noch was anderes gesagt! Da mussten wir sie nicht anziehen.
Wissenschaft: Das war im Bus.
Querpassagier: Er hat es aber gesagt! Er lügt also von Anfang an! Das sind auch keine Stromschnellen!
Medien: Hallo? Man kann die Gischt mittlerweile schon von hier ohne Fernglas sehen.
Passagier1: Stimmt. Sieht nicht gut aus.
Querpassagier: Panikmacher! Systemknecht! Da pupsen nur Fische!

Politik: Schluss jetzt! Alle ziehen jetzt die Westen vollständig an...
Passagier4: flüstert Hihihi, dich trickse ich aus...
Politik: ...und machen sie vorne auch zu...
Passagier4: ... ach menno.
Politik: ... und zwar ALLE Schnallen! 
Passagier4: Hmpf.

Querpassagier: Ihr könnt mich nicht zwingen. 
Politik: Wenn Du Deine Kaution wiederhaben willst schon.
Querpassagier: Diktatur! 
Wissenschaft: Nein. AGB. 
Reichspassagier: Es gibt keine AGBs. Die Besatzung ist seit dem Krieg...
Politik: Schnauze! Das hättest Du Dir überlegen müssen, bevor Du die Kaution bezahlt hast. Weste an jetzt!
Querpassagier: Diktatur!

Wissenschaft: Is klar. Übrigens heißt es AGB nicht AGBs.
Nazipassagier: Grammatiknazi!
Wissenschaft: achselzuck

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