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Corona-Talk bei "Anne Will" – Dahmen: "Der Zug rollt gegen die Wand"

Corona-Talk bei "Anne Will"  

Dahmen: "Der Zug rollt gegen die Wand"

Eine TV-Kritik von Charlotte Zink

22.03.2021, 01:19 Uhr
Corona-Talk bei "Anne Will" – Dahmen: "Der Zug rollt gegen die Wand". Janosch Dahmen: Der Grünen-Politiker meint, die Notbremse reicht in Deutschland als Maßnahme derzeit nicht aus. (Quelle: imago images)

Janosch Dahmen: Der Grünen-Politiker meint, die Notbremse reiche in Deutschland als Maßnahme derzeit nicht aus. (Quelle: imago images)

Das Kanzleramt will den Lockdown verlängern und in besonders Corona-geplagten Regionen die Lockerungsnotbremse ziehen. Bei "Anne Will" stießen die Pläne auf wenig Lob – im Gegenteil.

Eine Ausgangssperre bis fünf Uhr morgens und die erneute Schließung von Schulen und Kitas: Maßnahmen wie diese könnten in Gebieten mit besonders hohen Inzidenzzahlen schon bald Realität werden. Darüber hinaus soll der Lockdown deutschlandweit bis zum 18. April verlängert werden. 

Das geht aus einem Beschlussentwurf für die Bund-Länder-Gespräche am Montag hervor. Doch ergeben die Maßnahmen auch Sinn? Anne Will hat diese Frage am Sonntagabend mit ihren Gästen diskutiert.

Wenig optimistisch zeigte sich dabei der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt. "Ich glaube nicht, dass der ganz harte Lockdown uns jetzt weiterhelfen wird", so der Mediziner kritisch. Schließlich seien Mutationen des Virus bis zum 18. April nicht einfach verschwunden und die Bevölkerung halte erneute gesellschaftliche Einschränkungen nicht so einfach durch.

Anders sah das der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Arzt Janosch Dahmen. Er ist für noch drastischere Maßnahmen und ist der Meinung, dass die Notbremse angesichts der hohen Fallzahlen nicht ausreiche. "Der Zug rollt gegen die Wand", warnte er. Und weiter: "Das Virus ist uns nicht auf den Fersen, sondern zwei, drei Schritte voraus."

Dahmen widerspricht Kubicki: Vermehrte Tests erhöhen Fallzahlen nur begrenzt

Deswegen gelte es jetzt, schnell zu handeln und Öffnungen rückgängig zu machen. Vor allem auf körpernahe Dienstleistungen wie Friseurbesuche müsse wieder verzichtet werden. Dem Hinweis des FDP-Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Kubicki, die Inzidenzen seien auch deswegen so hoch, weil mehr getestet werde, widersprach der Mediziner. Vermehrte Schnelltests erhöhten die Fallzahlen um maximal ein Drittel. "Der Mammutanteil kommt durch Mutanten", so Dahmen. 

Schwesig: "Das Kanzleramt ist weit weg von der Situation vor Ort"

Kritik an dem Beschlussentwurf übte auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin, Manuela Schwesig (SPD), die am Montagnachmittag selbst mitverhandeln wird. Der Entwurf sieht vor, dass bei einem Inzidenzwert von über 200 Schulen und Kitas schließen sollen. "Das Kanzleramt ist weit weg von der Situation vor Ort", kommentierte Schwesig. In ihrem Bundesland sind Notbetreuungen bereits ab einer Inzidenz von 150 vorgesehen.

Die SPD-Ministerpräsidentin sprach sich bei Will für ein Beibehalten der Öffnungen begleitet von einer umfassenden Teststrategie aus. Dass es an dieser Front noch großen Nachholbedarf gibt, darüber waren sich am Sonntagabend im Studio alle einig.

Die Bundesregierung habe alle Hoffnung auf eine "goldene Bullet" – den Impfstoff – gesetzt und dabei alles andere aus den Augen verloren, so Dahmen. "Es wurde kein Weg für eine nationale Teststrategie geschaffen, das müssen wir jetzt bezahlen", sagte der Arzt. Auch mit Blick auf die schleppenden Impffortschritte bemerkte Dahmen, die Regierung müsse sich von einem Perfektionsanspruch verabschieden und handeln, statt in Stillstand zu verfallen.

Medizinerkollege Weigeldt stimmte diesem Punkt zu. Beide forderten, auch Haus- und Fachärzte mehr in die Impfstrategie miteinzubeziehen, um die Immunisierung voranzutreiben. "Es gibt keinen sachlichen Grund dafür, Impfzentren zu priorisieren", so Weigeldt. "Die Menschen sollten sich impfen lassen können, wo sie wollen." Vor allem für viele ältere Menschen sei der Gang zum Hausarzt wesentlich einfacher als die Anreise zu einem Impfzentrum.

Dahmen forderte die Erweiterung der Impflokale um Haus- und Facharztpraxen derweil auch mit Blick auf die Zukunft: "Wir werden bald so viel Impfstoff haben, dass wir den in der derzeitigen Struktur nicht verimpfen können", so der Grünen-Mann. Schon jetzt warteten zahlreiche Impfdosen in Kühlschränken auf ihren Einsatz. Eine Verlangsamung des Prozesses, die sich Deutschland im Angesicht der Pandemie nicht leisten kann.

Verwendete Quellen:
  • "Anne Will" vom 22. März

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