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Jede Menge offener Fragen bei Priorisierung von PCR-Tests

Von dpa
Aktualisiert am 24.01.2022Lesedauer: 4 Min.
KapazitĂ€ten fĂŒr PCR-Tests sollen erhöht werden.
KapazitĂ€ten fĂŒr PCR-Tests sollen erhöht werden. Bei EngpĂ€ssen soll kĂŒnftig jedoch priorisiert werden. (Quelle: Peter Kneffel/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Weil die Omikron-Variante die Corona-Ansteckungszahlen in die Höhe treibt und die Labore mit der Auswertung von PCR-Tests an ihre Grenzen stoßen, sollen die Testvorgaben geĂ€ndert werden.

Bund und LĂ€nder vereinbarten, dass das Bundesgesundheitsministerium in Abstimmung mit den LĂ€ndern die entsprechenden Verordnungen und Bestimmungen anpassen soll. Es dĂŒrfte darauf hinauslaufen, dass kĂŒnftig bestimmte Gruppen, bei denen die AbklĂ€rung des Infektionsstatus besonders wichtig ist, bevorzugt die genauen Tests bekommen. Wie diese sogenannte Priorisierung konkret ausgestaltet wird, bleibt zunĂ€chst aber weitestgehend unklar.

Was gilt aktuell noch?

Wer einen positiven Selbsttest hat oder an einer Teststelle ein positives Schnelltestergebnis bekommt, hat laut momentan gĂŒltiger bundesweiter Corona-Test-Verordnung Anspruch auf einen PCR-Test. Das gilt laut Bundesregierung auch, wenn die Corona-Warnapp auf Rot steht. Betroffene können sich in so einem Fall an ihren Hausarzt wenden, der dann entweder einen Test selbst macht oder an ein Testzentrum ĂŒberweist. Auch das Gesundheitsamt kann, wenn es ĂŒber einen positiven Schnelltest informiert wurde, einen kostenlosen PCR-Test anordnen.

Ist ein PCR-Test Pflicht?

In jedem Fall bei einer Anordnung durch das Gesundheitsamt. Positive Schnelltests etwa aus Testcentern sind laut Bundesgesundheitsministerium meldepflichtig. Bekommt das Amt also die entsprechende Information, kann es zur PCR-Nachtestung auffordern. GrundsÀtzlich schreibt das Gesundheitsministerium auf seiner Webseite, dass bei positivem Schnelltest - auch Selbsttest - ein PCR-Test zur BestÀtigung gemacht werden "sollte". Ob das "sollte" generell eine Pflicht bedeutet, hÀngt auch von den Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes ab. Zum Teil wird in den LÀndern eine Nachtestung per PCR-Test vorgeschrieben, zum Teil reicht bei positivem Selbsttest auch eine Nachtestung per Antigen-Schnelltest in einer Teststelle.

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Was ist nun geplant?

PCR-Tests sollen vorrangig fĂŒr sogenannte vulnerable Gruppen zur VerfĂŒgung stehen und fĂŒr BeschĂ€ftigte, die diese betreuen und behandeln. Das hatten die Gesundheitsminister von Bund und LĂ€ndern bereits vereinbart, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die MinisterprĂ€sidenten haben dies nun in ihrem Beschluss "zur Kenntnis" genommen. Konkret genannt werden Ă€ltere Menschen oder andere Risikogruppen, BeschĂ€ftigte in Kliniken, Praxen, Pflegeheimen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe fĂŒr Menschen mit Behinderung.

Die Fragen zur praktischen Umsetzung sind hier aber noch offen, etwa, ab wann das gelten soll, wer genau den PCR-Test-Anspruch haben wird, wie das konkret nachgewiesen werden soll und was mit denjenigen ist, die zum Beispiel einen positiven Schnelltest und/oder Symptome haben. Bund und LĂ€nder mĂŒsse dafĂŒr zunĂ€chst die Corona-Testverordnung und die konkreten Bestimmungen zu Tests in den LĂ€ndern Ă€ndern. Im Zuge dessen wird es mehr Klarheit geben. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums kĂŒndigte "zeitnahe" Informationen an.

In welche Richtung könnte es gehen?

Die Gesundheitsminister der LĂ€nder hatten sich dafĂŒr ausgesprochen, dass bei positivem Schnelltest und gleichzeitiger Symptomlosigkeit kĂŒnftig auf einen PCR-Test verzichtet werden könne. DafĂŒr mĂŒsste aber beispielsweise Paragraf 4b der Corona-Testverordnung geĂ€ndert werden, die momentan noch einen Anspruch auf PCR-Nachtestung bei positiven Schnelltests - auch Selbsttests - gewĂ€hrt. Auch wenn die Corona-Warn-App eine rote Kachel zeigt, soll nach Ansicht der Gesundheitsminister der LĂ€nder nach ein "qualitativ hochwertiger" Antigentest ausreichen.

Daneben stellen sich aber noch weitere Fragen, etwa ob eine PCR-Test-BeschrĂ€nkung auch privat bezahlte Tests betreffen wĂŒrde, die beispielsweise fĂŒr Auslandsreisen notwendig sind, oder welche Auswirkungen eine BeschrĂ€nkung beim Thema Genesenstatus hĂ€tte, denn als offiziell genesen gilt nur, wer mit einem positiven PCR-Test nachweisen kann, dass er schon eine Corona-Infektion hatte.

"Ich gehe derzeit davon aus, dass die privaten Testzentren auch in Zukunft grundsĂ€tzlich PCR-Tests fĂŒr Selbstzahler anbieten werden", sagte der Vorsitzende des Laborverbands ALM, Michael MĂŒller den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wer nicht zur priorisierten Gruppe gehöre, mĂŒsse sich aber darauf einstellen, auf Testergebnisse möglicherweise lĂ€nger warten zu mĂŒssen.

Wieviele PCR-Tests werden momentan gemacht?

Zuletzt waren es laut Robert Koch-Institut und dem Laborverband ALM rund zwei Millionen Tests in einer Woche - ein Höchststand in der Corona-Krise. Von den zwei Millionen Tests war etwa jeder vierte positiv. Die Labore waren demnach zu 86 Prozent ausgelastet. FĂŒr die vergangene Woche wurde eine KapazitĂ€t von etwa 2,5 Millionen Tests gemeldet.

Was lÀuft woanders besser?

Wien hat schon 2020 die Infrastruktur dafĂŒr aufgebaut. Mit dem Angebot "Alles gurgelt" sei ein PCR-Test fĂŒr Zuhause entwickelt worden, bei dem zur ÜberprĂŒfung der Ausweis erfasst und das Gurgeln gefilmt werde, so ein Sprecher des Gesundheitsressorts der Stadt. Die Tests können in vielen Drogerien abgeholt und in Hunderten von GeschĂ€ften und Tankstellen abgegeben werden. Zweimal am Tag holt die Post die Berge von Proben ab.

Durchschnittlich erhĂ€lt nach Angaben der Stadt jeder rund 16 Stunden nach dem Gurgeln sein PCR-Ergebnis. DafĂŒr sorgt ein großes Labor, das mittlerweile rund 1000 Menschen beschĂ€ftigt. "Die Kosten liegen mit mittlerweile knapp sechs Euro pro Test nur wenig ĂŒber den von Antigen-Tests", so der Sprecher weiter. Sie werden vom Bund ĂŒbernommen. Die KapazitĂ€ten sind gewaltig. Pro Woche werden rund 2,1 Millionen Tests ausgewertet. Angesichts der Omikron-Variante und den nun rekordhohen Infektionszahlen ist den Angaben zufolge die KapazitĂ€t aufgestockt worden: von 500.000 Tests tĂ€glich auf 800.000.

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