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CDU-Politiker Thomas Hornung bedrängt SWR-Reporterin: Sie musste Beitrag abbrechen

"Unflätige Beleidigungen"  

CDU-Politiker bedrängt Reporterin bei Liveschalte

23.10.2021, 14:27 Uhr | pdi, t-online

CDU-Stadtrat stört SWR-Journalistin – Live-Schalte abgebrochen

Auf dem Kreisparteitag der Mannheimer CDU wird die SWR-Journalistin Natalie Akbari vom Stadtrat bedrängt. Die Live-Schalte musste abgebrochen werden. (Quelle: t-online)

Kreisparteitag CDU Mannheim: Der Stadtrat bedrängt eine SWR-Journalistin so sehr, dass sie die Liveschalte abbrechen muss. (Quelle: t-online)


Eklat auf einem CDU-Kreisparteitag: Eine SWR-Journalistin wird während einer Liveschalte von einem CDU-Politiker gestört. Sie muss ihre Berichterstattung abbrechen, später wird sie offenbar auch beleidigt. 

Während einer Liveschalte des Südwestrundfunks (SWR) zum Mannheimer CDU-Kreisparteitag hat ein Stadtrat der Partei die berichtende Reporterin so lange unterbrochen und kritisiert, bis diese den Beitrag abbrechen musste.

Die Journalistin war am Freitagabend in der TV-Sendung "SWR Aktuell Baden-Württemberg" zugeschaltet, um im Sitzungssaal über die Debatte zur Verstrickung der Kreis-CDU in die Geschäfte des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel zu informieren. Das empfand der CDU-Stadtrat und ehemalige Büroleiter Löbels, Thomas Hornung, nach eigenen Angaben als störend und griff in den Beitrag ein.

Der Kreisparteitag der CDU in Mannheim war am Freitagabend für die Medien von besonderem Interesse, denn die Delegierten diskutierten über den in der Maskenaffäre zurückgetretenen und mittlerweile parteilosen Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel und die mögliche Verstrickung des Kreisvorstands in seine Geschäfte.

Sendung gestört und abgebrochen

Als die Journalistin Natalie Akbari mit ihrer Liveschalte um 19.30 Uhr für die lokalen Nachrichten beginnt, baut sich der CDU-Politiker Hornung neben ihr auf und redet unaufhörlich auf die Reporterin ein. Er sei mit der Berichterstattung nicht einverstanden, sie störe. Hornung wies darauf hin, dass auch er gelernter Journalist sei.

"Es wurde ausgerechnet in dem Moment live und laut berichtet, als die kommissarische Kreisvorsitzende in ihrem Rechenschaftsbericht auf die Vorwürfe in der Sache einging", sagte Hornung der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Deshalb hätte das Interview seines Erachtens nach nicht zeitgleich und im selben Raum abgehalten werden dürfen. "Ich habe da sicher im Affekt gehandelt und bin über mich hinausgeschossen", sagte Hornung. Er ergänzte aber, dass er den Eingriff nicht bereue.

Als ein zweiter Mann hinzukommt, der sich ebenfalls über eine Störung der Sitzung beklagt, musste die Reporterin schließlich die Schalte abbrechen. "Wir können leider unsere Übertragung, unsere Einblendung hier nicht zu Ende bringen", sagte Akbari in die Kamera.

"Konnte nicht mehr ausgewogen Bericht erstatten"

In einer späteren Stellungnahme in der Nachrichtensendung des SWR reagierte Akbari verärgert. Es sei eine "sehr unangenehme Situation" gewesen. "Ich konnte nicht mehr ausgewogen Bericht erstatten. Es gab danach noch einige unflätige Beleidigungen, die ich hier nicht wiederholen möchte", erklärte die Journalistin. Danach seien viele CDU-Mitglieder auf sie zugekommen, die auch das Verhalten von Hornung nicht in Ordnung fanden. "Insgesamt also ein aufregender und auch spannender Abend." 

Am Samstag äußerte sich auch der SWR, kritisierte das Verhalten Hornungs scharf. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Der baden-württembergische SPD-Generalsekretär Sascha Binder forderte die CDU auf, sich bei der Reporterin und dem SWR zu entschuldigen. Es sei nicht hinnehmbar, wenn bei einer CDU-Veranstaltung in Anwesenheit der Landesgeneralsekretärin Isabell Huber eine Journalistin bei ihrer Arbeit behindert werde. "Das kannten wir bisher nur von AfD-Veranstaltungen", sagte Binder am Samstag in Freiburg.

In der Masken-Affäre ging es um Provisionen von rund 250.000 Euro für Löbels Firma. Sie soll die Gelder kassiert haben, weil sie Kaufverträge über Corona-Schutzmasken zwischen einem baden-württembergischen Lieferanten und zwei Privatunternehmen in Heidelberg und Mannheim vermittelte. Politiker und Bürger hatten Löbel aufgefordert, das Geld zurückzugeben oder zu spenden. Nach heftiger Kritik war Löbel aus der CDU ausgetreten und hatte sich auch umgehend aus dem Parlament zurückgezogen.

Verwendete Quellen:

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