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AfD: Meuthen kann sich Andreas Kalbitz nicht mehr als Fraktionschef vorstellen

Nach Rauswurf aus AfD  

Meuthen kann sich Kalbitz nicht mehr als Fraktionschef vorstellen

16.05.2020, 18:15 Uhr | dpa

AfD: Meuthen kann sich Andreas Kalbitz nicht mehr als Fraktionschef vorstellen . Andreas Kalbitz und AfD-Chef Jörg Meuthen: Nach dem Rauswurf des Brandenburger Landeschefs Kalbitz ist in der AfD große Unruhe ausgebrochen – Meuthen zweifelt an Kalbitz als Landeschef.  (Quelle: dpa/Michael Kappeler)

Andreas Kalbitz und AfD-Chef Jörg Meuthen: Nach dem Rauswurf des Brandenburger Landeschefs Kalbitz ist in der AfD große Unruhe ausgebrochen – Meuthen zweifelt an Kalbitz als Landeschef. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Der Rauswurf von Andreas Kalbitz aus der AfD hat in der Partei für großen Wirbel gesorgt. AfD-Vorsitzender Meuthen zweifelt an Kalbitz als Brandenburger Landeschef. 

Der Rauswurf des Brandenburger Landeschefs Andreas Kalbitz aus der AfD hat in der Partei für große Aufregung gesorgt. Vor allem in den östlichen Landesverbänden erklärten sich am Samstag viele Anhänger des rechtsnationalen Parteiflügels mit Kalbitz solidarisch. Der Thüringer Bundestagsabgeordnete Jürgen Pohl veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite unter der Überschrift "Wir sind Spalter!" eine Fotomontage mit den Köpfen der acht Mitglieder des Bundesvorstandes, die am Freitag nicht gegen die Annullierung der Mitgliedschaft von Kalbitz gestimmt hatten.

"Ich bitte Euch herzlich: Tretet nicht aus"

Kalbitz selbst rief seine Anhänger auf, die AfD nicht zu verlassen. "Ich bitte Euch herzlich: Tretet nicht aus, wir machen natürlich weiter. Die Verantwortung für unser Land ist wichtiger als einzelne Personen", sagte er am Freitagabend in einem Video bei Facebook. Er werde sich juristisch gegen den Rauswurf zur Wehr setzen und sei "zuversichtlich, dass wir in Brandenburg auch in Zukunft wieder weiter an diesen Erfolg anknüpfen werden."

Der Bundesvorstand der AfD hatte seine Mitgliedschaft am Freitag per Mehrheitsbeschluss für nichtig erklärt. Hintergrund sind frühere Kontakte im rechtsextremen Milieu. In dem Beschluss hieß es, die Mitgliedschaft sei mit sofortiger Wirkung aufgehoben, "wegen des Verschweigens der Mitgliedschaft in der "Heimattreuen Deutschen Jugend"" (HDJ) und "wegen der Nichtangabe seiner Mitgliedschaft" bei den Republikanern zwischen Ende 1993 und Anfang 1994.

Meuthen zweifelt an Zukunft von Kalbitz als Fraktionschef im Brandenburger Landtag 

Kalbitz war zuletzt Landesvorsitzender in Brandenburg und gehörte dem Bundesvorstand der AfD seit Dezember 2017 an. Neben dem Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke galt er als wichtigster Vertreter der rechtsnationalen Strömung in der Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextreme Bestrebung beobachtet wird. Da Kalbitz Beisitzer im Bundesvorstand war, wäre für seinen Einspruch nach Einschätzung eines Vorstandsmitglieds das Bundesschiedsgericht der Partei zuständig.

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen zog unterdessen auch die Zukunft von Kalbitz als Fraktionschef im Landtag von Brandenburg in Zweifel. "Ich kann mir schwer vorstellen, einen Parteilosen als Fraktionsvorsitzenden zu haben, aber letztlich muss das die Fraktion in Brandenburg selbst entscheiden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, erklärte: "Ich kann mir gut vorstellen, dass er den Fraktionsvorsitz ruhen lässt für die Dauer der juristischen Klärung."

Gauland: Wusste von Anfang an, dass Kalbitz bei Republikanern war

Für die Entscheidung des Bundesvorstandes habe er seit Freitag "unglaublich viel Zustimmung" aus der Partei erhalten, sagte Meuthen. Einige Mitglieder hätten allerdings auch mit "wütender Ablehnung" reagiert. Auf die Frage, weshalb er eine Verortung von Kalbitz im rechtsextremen Spektrum früher selbst bestritten habe, antwortete der AfD-Vorsitzende: "Ich habe ihn im persönlichen Kontakt nicht als Rechtsextremisten wahrgenommen, später wurde aber deutlich, dass er auf jeden Fall eine rechtsextreme Vergangenheit hat."

Gauland sagte, er habe von Anfang an gewusst, dass Kalbitz früher bei den Republikanern gewesen sei. Was die vom Verfassungsschutz behauptete ehemalige Mitgliedschaft in der HDJ angehe, so wäre der Bundesvorstand gut beraten gewesen, das Ergebnis einer Klage von Kalbitz gegen den Verfassungsschutz abzuwarten.

Gauland sagte, der 2013 von Kalbitz eingereichte Antrag auf Mitgliedschaft in der AfD sei wohl nicht mehr auffindbar. Aus dem Bundesvorstand hieß es, im Landesverband Brandenburg erinnerten sich aber noch mehrere Mitglieder an Angaben die Kalbitz damals bei der Bildung seines Kreisverbandes und bei der Kandidatenaufstellung für die Landtagswahl 2014 gemacht habe.

"Entfesselter Machtkampf" in der AfD 

Der Bundestagsabgeordnete Frank Pasemann schrieb auf Facebook: "Meuthen & Co. unterlaufen rechtsstaatliche Prinzipien, um einen verdienten Parteifreund auszuschließen."

In der AfD sei jetzt ein "entfesselter Machtkampf" zu beobachten, sagte der Berliner Politologe Hajo Funke. Die Partei befinde sich seit vier Jahren in einem Prozess der Radikalisierung. Meuthens Position sei mitnichten gefestigt.

"Wichtig ist, dass sich die AfD von dem rechtsextremistischen Gedankengut löst, das es in ihren Reihen gibt", sagte der Chef der Innenministerkonferenz, Georg Maier (SPD) aus Thüringen. "Dabei muss man auch sehr intensiv über Herrn Höcke sprechen." Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte Maier: "Andreas Kalbitz ist nur die Spitze des Eisberges."

"In jeder demokratischen Partei wäre es selbstverständlich, dass ein Mann, der über solche Neonazi-Kontakte die Unwahrheit sagt, für ein Spitzenamt untragbar ist", kommentierte der Potsdamer Extremismusforscher Gideon Botsch den Rauswurf von Kalbitz. "Dass die AfD sich nur mit denkbar knapper Vorstandsmehrheit dazu entschließen kann, diese satzungsgemäß zwingenden Konsequenzen einzuleiten, zeigt wie weit die Partei schon "nazifiziert" ist".

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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