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Junge Alternative steht vor der Zerreißprobe

dpa, Anne-Beatrice Clasmann

Aktualisiert am 17.08.2020Lesedauer: 4 Min.
Die Junge Alternative: vom Verfassungsschutz wurde sie als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft.
Die Junge Alternative: vom Verfassungsschutz wurde sie als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft. (Quelle: Daniel Maurer/dpa-bilder)
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In der Nachwuchsorganisation der AfD gibt es viel Sympathie fĂŒr den Rechtsaußen-FlĂŒgel der Partei. Dessen Strippenzieher Andreas Kalbitz ist nun weg – und die Unruhe in der Parteijugend groß.

Die Nachwuchsorganisation der AfD steckt in der Krise. Vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft, von ihrem Vorsitzenden verlassen, droht die Junge Alternative (JA) nun auch noch im Machtkampf zwischen UnterstĂŒtzern und Gegnern des frĂŒheren Vorsitzenden der AfD-Brandenburg, Andreas Kalbitz, zerrieben zu werden.

Kalbitz wurde im Mai aus der Partei geworfen. Der Bundesvorstand der AfD wirft ihm vor, Mitgliedschaften bei den Republikanern und bei der inzwischen verbotenen rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) verschwiegen zu haben. Kalbitz bestreitet die HDJ-Mitgliedschaft und klagt gegen den Rauswurf.

Die Junge Alternative rechts von der AfD

In der JA gibt es viele Kalbitz-Fans – vor allem im Osten. Denn der ehemalige FallschirmjĂ€ger hat sich immer intensiv um den Partei-Nachwuchs gekĂŒmmert. Die Jugendorganisation stand zudem seit ihrer GrĂŒndung tendenziell immer etwas weiter rechts als die AfD – und damit nĂ€her beim inzwischen aufgelösten "FlĂŒgel", als dessen wichtigste Vertreter Kalbitz und der ThĂŒringer AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke galten.

Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz hatte JA und "FlĂŒgel" im Januar 2019 als Verdachtsfall im Bereich Rechtsextremismus eingestuft. Beim "FlĂŒgel" hat sich dieser Verdacht spĂ€ter erhĂ€rtet, weshalb Verfassungsschutz-PrĂ€sident Thomas Haldenwang im MĂ€rz dieses Jahres bekanntgab, die informelle Vereinigung werde nunmehr als gesichert rechtsextremistische Bestrebung von seiner Behörde beobachtet. Der AfD-Bundesvorstand forderte daraufhin die Selbstauflösung des "FlĂŒgels". Das sorgte bei Höcke & Co. zwar zunĂ€chst fĂŒr Protest. Am Ende kam man der Forderung aber nach.

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Einige stimmten fĂŒr Kalbitz Annullierung: "Merkt Euch die Namen"

Die Junge Alternative Ànderte ihr Logo, strich einige besonders krasse Forderungen aus ihrem Programm. Und Ànderte ihre Satzung so, dass Mitglieder, die mit extremen Ansichten auffallen, leichter ausgeschlossen werden können. Doch nicht alle ziehen an einem Strang: Ein Teil der Parteijugend neigt dazu, die Verdachtsfall-Einstufung schlicht zu ignorieren.

Andreas Kalbitz: Besonders in Ost-Deutschland hat Kalbitz viele AnhÀnger in der JA.
Andreas Kalbitz: Besonders in Ost-Deutschland hat Kalbitz viele AnhÀnger in der JA. (Quelle: Soeren Stache/dpa-bilder)

"Staatsauftrag erfĂŒllt – Merkt Euch die Namen", schreibt die Brandenburger Parteijugend im Mai mit drohendem Unterton und listet die Namen der Bundesvorstandsmitglieder auf, die fĂŒr die Annullierung der Mitgliedschaft von Kalbitz gestimmt haben. Einige der rund 1.600 Mitglieder der Nachwuchsorganisation finden das unmöglich. "Ich bin strikt dagegen, dass die JA in dem Konflikt um die Mitgliedschaft von Andreas Kalbitz als Handlangertruppe behandelt wird", sagt Carlo Clemens, JA-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen.

Damian Lohr als "böser FlĂŒgler" – wer wird sein Nachfolger?

Ein Mitglied des AfD-Bundesvorstandes, das seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will, kann sich vorstellen, dass die Junge Alternative ihren Status als Nachwuchsorganisation der AfD verlieren könnte, falls sich die Hardliner durchsetzen sollten. Viel wird davon abhĂ€ngen, wie die Vorstandswahl beim nĂ€chsten JA-Bundeskongress im Herbst ausgeht. Einen Termin dafĂŒr gibt es – auch wegen der Corona-Pandemie – noch nicht. Die Parteijugend schaut sich aber schon nach einem geeigneten Veranstaltungsort um.

Die Wahl wĂ€re zwar eigentlich erst im Februar 2021 fĂ€llig gewesen. Doch der aktuelle Vorsitzende, der rheinland-pfĂ€lzische Landtagsabgeordnete Damian Lohr, hat vor einem Monat angekĂŒndigt, er werde sein Amt mit dem nĂ€chsten Bundeskongress zur VerfĂŒgung stellen. In einer E-Mail drĂŒckt er seinen Ärger ĂŒber die massive Kritik aus, der er sich zuletzt ausgesetzt sah: "FĂŒr die einen war ich die Marionette des Verfassungsschutzes und der Liberale, fĂŒr die anderen habe ich zu wenige Leute herausgeworfen und war der böse FlĂŒgler."

Vom WahlkreisbĂŒro in den Vorstand

Das klingt nicht nach einem Posten, der viel Spaß und neue Freunde verspricht. Vielleicht auch deshalb hat sich bisher nur ein einziger Bewerber gemeldet: Jonas DĂŒnzel (26) ist bisher nicht Vorstandsmitglied. FrĂŒher hat er Versicherungen verkauft. Jetzt managt er fĂŒr einen sĂ€chsischen AfD-Landtagsabgeordneten dessen WahlkreisbĂŒro in Zwickau. Den wenig erfolgversprechenden Platz 27 auf der Kandidatenliste fĂŒr die Europawahl sichert sich DĂŒnzel 2019 mit einer Rede, in der er sagt: "BrĂŒssel importiert lieber islamische FachkrĂ€fte statt unserer europĂ€ischen Jugend eine Zukunft zu geben. So darf es nicht weitergehen."

Jonas DĂŒnzel: Auf der Kandidatenliste der Europawahl landete er auf Platz 27.
Jonas DĂŒnzel: Auf der Kandidatenliste der Europawahl landete er auf Platz 27. (Quelle: Monika Skolimowska/dpa-bilder)

DĂŒnzel – Sympathie-Punkte auf auf Tinder

Außerhalb der Partei liefert DĂŒnzel Stoff fĂŒr TV-Satire, als er sich vor der Europawahl in einem Video auf der Dating-Plattform Tinder als AfD-Kandidat "zum Anfassen" prĂ€sentiert. In dem Video, das er mit "Hey MĂ€dels" einleitet, sitzt der blonde Sachse mit dem Dreitagebart bei schummeriger Beleuchtung auf einem Bett und sagt "Swipe einfach nach rechts und lass uns ĂŒber die Zukunft Europas reden".

DĂŒnzel sagt, die JA mĂŒsse "sympathisch rĂŒberkommen", um Menschen, die der AfD nutzen können, anzuziehen. MandatstrĂ€ger sollten eine abgeschlossene Ausbildung, ein Studium oder berufliche Erfahrungen haben. Von Treffen, bei denen "30 Leute 30 Fahnen schwenken", halte er nichts. Die Resonanz auf seine Kandidatur fĂŒr den JA-Vorsitz sei "ĂŒberwĂ€ltigend" und ĂŒberwiegend positiv gewesen, erklĂ€rt er.

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Die Rechtsaußen-Strömung als Vorstands-Mauer fĂŒr DĂŒnzel

"Der Landesverband NRW steht hinter Jonas DĂŒnzel und auch andere VerbĂ€nde haben bereits signalisiert, dass sie die Kandidatur unterstĂŒtzen", sagt Clemens. Dass die AnhĂ€nger des alten "FlĂŒgels" aus ihren Reihen einen anderen Kandidaten fĂŒr den JA-Vorsitz aufstellen werden, zeichnet sich bislang nicht ab. Aus Parteikreisen ist zu hören, die Rechtsaußen-Strömung beabsichtige wohl eher den ĂŒbrigen Vorstand mit eigenen Leuten zu besetzen und DĂŒnzel so "einzumauern". Ob diese Strategie aufgehen könnte, ist aber fraglich. Denn DĂŒnzel spricht von einem "Team" und auch sein UnterstĂŒtzer Clemens ist ĂŒberzeugt, dass DĂŒnzel "mit einem Team antreten wird, das die unter Damian Lohr eingeleitete Neuorientierung fortsetzen wird".

Auch AfD-Vorstandsmitglied Stephan Protschka sieht die JA auf einem guten Weg. Der bayerische Bundestagsabgeordnete sagt: "NatĂŒrlich ist es nach unserer Satzung möglich der JA ihren Status abzuerkennen, wenn dies der Parteitag wĂŒnscht. Allerdings sehe ich hier aktuell keinen Anlass dazu."

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