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Abu Bakr al-Bagdadi: Das Terror-"Kalifat" ist kollabiert – doch wo ist der IS-Chef?

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Das Terror-"Kalifat" ist kollabiert – doch wo ist der IS-Chef?

26.03.2019, 16:18 Uhr | Von Jan Kuhlmann, dpa

 (Quelle: dpa/dpa)
Syrien: Kurden melden Sieg über Islamischen Staat

Die letzte Enklave des Islamischen Staats, Baghus, ist nach Angaben der Kurdischen Streitkräfte befreit worden. (Quelle: Reuters)

Terror-"Kalifat" ist kollabiert: Kurdische Truppen haben zuletzt die letzte IS-Enklave in Syrien eingenommen. (Quelle: Reuters)


Nur ein einziges Mal zeigte sich IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi der Öffentlichkeit. Mehrmals wurde sein Tod gemeldet. Experten glauben trotzdem, dass er noch lebt – und nur noch über Boten kommuniziert.

Fast fünf Jahre ist es her, da tauchte in einer altehrwürdigen Moschee der nordirakischen Großstadt Mossul ein Mann auf, der bis dahin als Phantom galt. Bis zu diesem Zeitpunkt existierten von Abu Bakr al-Bagdadi nur wenige unscharfe Fotos, die ein aufgedunsenes Gesicht mit kräftigen Augenbrauen zeigten.

Doch an diesem Freitag im Juli 2014 erklomm der Anführer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) die Kanzel – ganz in Schwarz gekleidet, mit langem Bart – und ließ sich von seinen Gefolgsleuten als "Kalif" eines neuen Reiches huldigen. Abu Bakr zeigte sich der Öffentlichkeit, perfekt inszeniert in einem Propaganda-Film. Einen Tag später verbreiteten die IS-Anhänger im Internet ein 21 Minuten langes Video, als wäre es eine Krönungsmesse gewesen.

Der unsichtbare Scheich

Seitdem aber fehlt vom "unsichtbaren Scheich", wie Abu Bakr auch genannt wird, wieder jede Spur. Nur selten meldete er sich über Audiobotschaften zu Wort, zum bislang letzten Mal im vergangenen August. Seit dem Fall der letzten IS-Bastion in Syrien am Samstag ist das selbst ernannte Kalifat endgültig zerfallen. Damit tritt auch wieder die Frage in den Mittelpunkt: Wo ist Abu Bakr al-Bagdadi?

Die internationale Anti-IS-Koalition gibt sich nach außen ahnungslos. Es lägen keine Informationen über den Aufenthaltsort des IS-Anführers vor, sagte der Vize-Kommandeur des Bündnisses, Generalmajor Christopher Ghika, in einer Telefonschalte mit Journalisten.

Abu Bakr al-Bagdadi: Der Verbleib des IS-Chefs und selbst ernannte "Kalifen" bleibt ein Rätsel.  (Quelle: AP/dpa)Abu Bakr al-Bagdadi: Der Verbleib des IS-Chefs und selbst ernannte "Kalifen" bleibt ein Rätsel. (Quelle: AP/dpa)

Mehrfach tauchten in den vergangenen Jahren Berichte auf, Abu Bakr sei bei Luftangriffen verletzt oder gar getötet worden. Vor knapp zwei Jahren hieß es aus Moskau, der heute 47-Jährige sei bei einem russischen Luftangriff nahe der damaligen syrischen IS-Hochburg Al-Rakka ums Leben gekommen, als er sich mit anderen Anführern der Dschihadisten traf. Beweise für diese Meldungen? Fehlanzeige.

War er in Baghus?

So kursieren über ihn viele Gerüchte. In den vergangenen Wochen meldeten Medien, er habe sich in der letzten syrischen IS-Bastion Baghus aufgehalten, sei aber vor Beginn des Angriffs auf den Ort in die umliegenden Wüstengebiete geflohen. Die britische Zeitung "Guardian" will von Geheimdiensten erfahren haben, ausländische IS-Kämpfer hätten erfolglos versucht, ein Attentat auf Abu Bakr zu verüben.

Die meisten Analysten sind sich einig, dass der Anführer der Dschihadisten zumindest noch am Leben ist. Davon ist auch der irakische IS-Experte Hischam al-Haschimi überzeugt. "Er hat an keiner Schlacht teilgenommen und sich von den Kämpfen entfernt gehalten", sagt er. Abu Bakrs Bodyguards wüssten, dass es wichtiger sei, sein Leben zu sichern, als das Kalifat zu erhalten.

Doch ist Abu Bakr noch mehr als die ikonische Symbolfigur einer Terrororganisation, die den Höhepunkt ihrer Macht überschritten hat? Wie weit kann er von seinem Versteck aus den IS wirklich führen?

IS-Chef benutzt angeblich keine elektronischen Geräte

Lebt er noch, steht er mit der Außenwelt nur eingeschränkt in Kontakt. Umgeben ist er in seinem Versteck offenbar nur von engsten Vertrauten. Der IS-Chef benutze keine elektronischen Geräte und kommuniziere über mündliche oder handgeschriebene Nachrichten, erklärt Al-Haschimi. Diese würden von Boten – häufig Frauen seiner Familie – mit verschlüsselten Codes zu ihren Empfängern gebracht. Auch um seine Gesundheit soll es nicht zum Besten bestellt sein. In Berichten ist die Rede von einer Zuckerkrankheit, die ihn plagt. Die internationale Anti-IS-Koalition ist mittlerweile der Ansicht, dass seine Bedeutung mehr und mehr schwindet, wie General Ghika sagt.

Abu Bakrs Schicksal erinnert an Osama bin Laden, früherer Al-Kaida-Chef, den ein US-Spezialkommando 2011 nach jahrelanger Suche im pakistanischen Abbottabad tötete. Längst hat Abu Bakr ihn als prominentesten Kopf des internationalen Dschihads abgelöst. 1971 in der irakischen Stadt Samarra geboren, studiert Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri – so sein bürgerlicher Name – in Bagdad islamisches Recht und Koran. Er soll als junger Mann ein guter Fußballer gewesen sein.

Nach dem US-Einmarsch 2003 saß er zehn Monate im berüchtigten Camp-Bucca. Das Gefangenenlager der Amerikaner trägt auch den Spitznamen "Dschihad-Akademie", weil hier die Köpfe der Szene ihr Wissen weitergeben konnten und sich ideologisch gegenseitig befeuerten. Spätestens an diesem Ort dürfte Abu Bakrs Terror-Laufbahn begonnen haben, die ihn 2011 an die Spitze des IS-Vorläufers führte.
 

 
Wo immer sich Abu Bakr aufhält, wird die Jagd auf ihn weitergehen. Die USA haben ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt – damit besitzt er die unrühmliche Ehre, zu den weltweit meistgesuchten Terroristen zu gehören.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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