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Weltglückstag: Ein Lichtblick während der Coronavirus-Krise

MEINUNGWas heute wichtig ist  

Ein Lichtblick

20.03.2020, 07:23 Uhr
Weltglückstag: Ein Lichtblick während der Coronavirus-Krise. Ein Paar mit Gasmasken sitzt auf der Karlsbrücke in Prag: Die tschechische Regierung hat striktere Maßnahmen gegen das Coronavirus eingeführt als Deutschland.  (Quelle: dpa/Roman Vondrouš/CTK)

Ein Paar mit Gasmasken sitzt auf der Karlsbrücke in Prag: Die tschechische Regierung hat striktere Maßnahmen gegen das Coronavirus eingeführt als Deutschland. (Quelle: Roman Vondrouš/CTK/dpa)

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Der Newsletter von Chefredakteur Florian Harms

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

das Leben ist schön! Es ist wunderbar, einzigartig und jeden Tag das größte Geschenk, das es gibt. Ich lebe für mein Leben gern, und heute möchte ich sie mit meiner Begeisterung anstecken. Ja, die Zeiten sind schwierig, ja, die Corona-Krise. Aber heute lassen wir uns davon die Laune nicht trüben. Heute ist der Welttag des Glücks. Super Erfindung, finde ich, erst recht in diesen Zeiten. Also ein Hoch auf alle, die uns jetzt aufheitern! Zum Beispiel auf meinen Kollegen Noah Platschko, eh ein super Typ, der es sich nicht nehmen lässt, uns im Homeoffice ein Liedchen zu klimpern. Zum Beispiel auf meine Kollegin Kinga Rustler, die Chefredakteurin von Watson.de, die sich für die Aktion "Corona Care" engagiert: Alte, kranke und hilfsbedürftige Menschen, die besonders von der Krise betroffen sind, erhalten schnell und einfach Unterstützung durch andere Bürger. Zum Beispiel auf unseren lieben Cartoonisten Mario Lars, dito ein super Typ, der mir auch in dieser Krisenzeit jeden Tag drei witzige Zeichnungen zur Auswahl schickt und mich so jeden Tag vor die köstliche Qual der Wahl stellt, welche ich für den Tagesanbruch auswählen soll. Heute habe ich mich für dieses entschie… nein, der Reihe nach! Erst einmal der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Im Krankenhaus Ponte San Pietro in Bergamo ist der Gymnastikraum zur Leichenhalle umfunktioniert worden.  (Quelle: imago images)Im Krankenhaus Ponte San Pietro in Bergamo ist der Gymnastikraum zur Leichenhalle umfunktioniert worden. (Quelle: imago images)

Wir lassen uns unsere Lebensfreude nicht nehmen, aber ins Gesicht sehen müssen wir der Realität schon. Die sah gestern so aus:

Italien meldet mehr Tote als China und ist damit das Land auf der Welt mit den meisten offiziell gemeldeten Coronavirus-Opfern: 3.405 waren es bis gestern Abend (wobei die Dunkelziffer in China womöglich höher liegt). In oberitalienischen Kirchen stehen Reihen von Särgen, Militärkolonnen bringen sie nachts in die Krematorien. 

In der besonders heftig betroffenen Region rund um die spanische Hauptstadt Madrid stirbt alle 16 Minuten ein Mensch an dem Virus.

Frankreich meldet einen Anstieg der Corona-Toten um 41 Prozent, nun sind es schon 372. Weitere 1.122 Patienten sind in kritischer Verfassung.

In Bayern hat sich die Zahl der täglichen Todesfälle verdoppelt: nun sind es schon sechs an einem Tag, die Kurve steigt exponentiell.

Bundesweit ist die Zahl der Infizierten auf mehr als 15.000 gestiegen.

UN-Generalsekretär Guterres hält eine globale Rezession für so gut wie sicher. Analysten erwarten einen weltweiten Schaden von zwölf Billionen Dollar. "Was derzeit geschieht, ist noch nie zuvor in unserem Leben passiert", sagt der Hedgefonds-Investor Ray Dalio.

Auch hierzulande bereiten sich die meisten Unternehmen auf einen massiven Einbruch ihres Geschäfts vor. Viele werden die Krise nicht überstehen.

Dramatische, schlimme Nachrichten. Aber es gab eben auch diese: Einzelne Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen, aber auch der Bund schnüren riesige Hilfspakete für die unter der Krise leidenden Unternehmen und für Selbständige (mein Kollege Christopher Braemer hat die Details). Die Europäische Zentralbank startet ein Notkaufprogramm für Anleihen in Höhe von 750 Milliarden Euro und stützt so Staatshaushalte und Privatwirtschaft. Und dann ist da noch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der sich in diesen Tagen als besonnener, aber zupackender Krisenmanager etabliert. Er macht den herumlavierenden Kollegen in Berlin, NRW, Hamburg und andernorts Dampf, hilft schnell und unbürokratisch, greift aber ebenso entschlossen durch, wenn leichtsinnige Bürger auf die Vorsichtsmaßnahmen pfeifen: Zack, Ausgangssperre! Wenn der so weitermacht, kann sich die Union ihre Kanzlerkandidatendebatte nach der Krise sparen. Und auch die Kanzlerin ringt sich allmählich zum nächsten, dringend notwendigen Schritt durch: Gemeinsam mit den Ministerpräsidenten will sie am Sonntag über Ausgangssperren beraten. Warum erst am Sonntag? Weil die Mühlen in Deutschland immer noch gemächlich mahlen.  

Niemand findet eine Ausgangssperre toll, niemand bleibt gerne wochenlang zu Hause eingesperrt – aber wie dringend nötig diese Maßnahme ist, sehen wir an unzähligen Orten in Deutschland. Stellvertretend möchte ich eine Tagesanbruch-Stammleserin zitieren, die mir diese Beobachtung schilderte:

"Nachdem Bundeskanzlerin Merkel gestern in ihrer Ansprache so eindringlich das Mitwirken jedes Einzelnen zum Schutz vor der sprunghaften Verbreitung des Coronavirus und der Krankheit Covid-19 eingefordert hat, hoffte ich, dass nun nur noch ganz wenige Unbelehrbare ihr Leben weiterführen wie bisher. Leider muss ich feststellen, dass allein in unserer Wohnumgebung niemand, wirklich niemand sein Verhalten verändert hat, außer dass er nicht mehr zur Arbeit fahren muss/darf. Stattdessen fahren sie einkaufen, noch häufiger als bisher, und oft ist ihr Ziel der Baumarkt, als herrsche Urlaub! Statt allein machen sie sich in Gruppen auf, Eltern mit ihren Kindern und den Großeltern zusammen! Die Unterhaltungen innerhalb der Nachbarschaft wurden nicht reduziert, gut, aber der Abstand zwischen den Gesprächspartnern ist zu gering! Im Supermarkt rühmte sich eine Kundin, sie sei gerade ohne weiteres aus dem Elsass (Risikogebiet) ins Badische herübergefahren, weil sie in Deutschland besser einkaufen könne. An der Grenze habe sie den Kontrolleuren einfach gesagt, sie müsse zur Arbeit, woraufhin sie passieren konnte. "Corona-Partys" gibt es ebenfalls... Ich bin fassungslos und verzweifelt über so viel Ignoranz und Dummheit! Ist das ein baden-württembergisches "Idiotie-Phänomen" oder haben andere Ihrer Leser ähnliche Eindrücke?"

Ich musste leider antworten: Ja, auch viele andere Leserinnen und Leser schildern mir derartige Szenen, und ich sehe sie ja auch selbst. Ja, auch ich bin fassungslos. Und ja, ich beginne die Geduld mit den Behörden zu verlieren. Wollen wir wirklich warten, bis hierzulande Zustände wie in den oberitalienischen Katastrophengebieten herrschen? Dann hilft uns auch kein Glückstag mehr.

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WAS STEHT AN?


Reproduktion eines Bildnisses von Friedrich Hölderlin.  (Quelle: imago images)Reproduktion eines Bildnisses von Friedrich Hölderlin. (Quelle: imago images)


Heute ist Weltglückstag, und ein großes Glück ist natürlich auch, dass heute vor 250 Jahren der Dichter Friedrich Hölderlin geboren wurde. Wer wie ich am Neckar aufgewachsen ist, für den zählt der Frieder ohnehin zu den Allerallergröschden, aber auch für alle anderen serviere ich hier gerne mein Lieblingsgedicht aus des Meisters Feder – "Hälfte des Lebens":

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

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WAS LESEN?

"Wir brauchen dringend einen Impfstoff gegen das Coronavirus", sagt Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz Gemeinschaft, im t-online.de-Podcast "Tonspur Wissen" – und fordert: "Forscher müssen sich in Krisen auch mal über Regeln hinwegsetzen." Was genau er damit meint, hören Sie in der neuen Folge: Wem gehören die Corona-Forschungsergebnisse?

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Grünen-Chef Robert Habeck ist ein eher nachdenklicher Politiker. Also nicht der schlechteste Gesprächspartner in einer Zeit, in der ein Virus unsere Art zu leben, zu wirtschaften und zu regieren infrage stellt. Unser Reporter Johannes Bebermeier hat mit ihm telefoniert – Sicherheit geht vor. Die beiden überlegen in dem Gespräch, wie das Coronavirus Gesellschaft und Demokratie verändern könnte. Habeck will positiv denken, ist aber tief besorgt: "Am Ende haben wir es doch selbst in der Hand“, sagt er – "im Positiven wie im Negativen". 

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Monatelang war von der Kanzlerin praktisch nichts zu hören: Sie unternahm einige Auslandsreisen, doch in Deutschland mischte sie sich kaum in die Regierungsgeschäfte ein. Das ändert sich jetzt: In der Corona-Krise ist die Krisen-Kanzlerin zurück – und könnte nun auf ihre Art Geschichte schreiben, wie unser Reporter Tim Kummert analysiert.

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Unser Fußball-Weltmeister Benedikt Höwedes meldet sich in seiner neuen Kolumne zwar wie gewohnt aus Russland – aber aus "einem Land vor eurer Zeit", wie er schreibt. Denn während in Deutschland, Spanien, Italien und vielen anderen europäischen Fußball-Ligen der Ball längst ruht, musste er am Sonntag in Rostow noch vor einem ausverkauften Stadion kicken. Inzwischen pausiert auch in Russland die Liga – doch der Trainingsbetrieb geht vorerst weiter. "Wahnsinn!", sagt Höwedes.

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Schon bald dürfte sich auch in deutschen Krankenhäusern die Lage verschärfen. Deshalb organisieren sich nun Medizinstudenten, um als Notreserve einzuspringen. Unser Rechercheur Lars Wienand hat sich die Initiative genauer angesehen.

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WAS AMÜSIERT MICH?

Selbst profane Dinge erhalten ja nun einen enormen Wert…


 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)


Ich wünsche Ihnen einen wertvollen Tag. Bleiben Sie guter Dinge und gesund. Wenn Sie den Tagesanbruch abonniert haben, erhalten Sie morgen früh die Wochenendausgabe mit dem ausführlichen Audio-Podcast. Mein Kollege Marc Krüger und ich sitzen nun zwar viele Kilometer voneinander entfernt im Homeoffice, aber wir haben uns etwas einfallen lassen, um Sie wie gewohnt zu bedienen.

Herzliche Grüße,

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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