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Staaten wie Deutschland müssen arme Länder mit Corona-Impfstoff versorgen

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Alarmstufe rot

05.06.2021, 18:02 Uhr
Staaten wie Deutschland müssen arme Länder mit Corona-Impfstoff versorgen. Hochsicherheitslabor in Johannesburg: Südafrika versucht, eine eigene Impfstoffproduktion aufzubauen. Quelle: Christoph Soeder/dpa (Quelle: dpa/Christoph Soeder)

Hochsicherheitslabor in Johannesburg: Südafrika versucht, eine eigene Impfstoffproduktion aufzubauen. (Quelle: Christoph Soeder/dpa)

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

hinterher ist man ja immer schlauer – aber leider verhält man sich nicht immer schlauer: Das ist die ebenso schlichte wie nüchterne Erkenntnis aus den Großkrisen der vergangenen Jahre. Nach der Finanzkrise war klar, dass Investmentbanken viel zu große Risiken in Kauf genommen hatten und viel zu wenig beaufsichtigt worden waren. Die Staaten erließen Transparenzregeln und verlangten größere Rücklagen – doch heute zocken viele Finanzinstitute wieder, als wäre nichts gewesen.

Nach der Eurokrise war klar, dass sich mehrere EU-Staaten maßlos überschuldet und mindestens einer auch mit frisierten Haushaltszahlen getrickst hatte. Die Regierungen erließen strengere Vorschriften und teilten de facto die Schulden unter sich auf – doch die Niedrigzinspolitik raubt Millionen Bürgern ihre Ersparnisse, und das Risiko von Staatspleiten besteht immer noch.

Nach der Flüchtlingskrise war klar, dass Europa die Kriege in Nahost und das Elend in Nordafrika viel zu lange ignoriert hatte. Die Regierungschefs schlossen Deals mit dem türkischen Autokraten und dem ägyptischen Diktator, schickten Patrouillenboote ins Mittelmeer und ließen Geflüchtete zur Abschreckung im Dreck auf der griechischen Insel Lesbos dahinvegetieren. Doch die Gründe, warum Hunderttausende ihre Heimat in Afghanistan, Syrien, dem Irak, Libyen oder der Sahelzone verlassen, bestehen unverändert fort, Europa hat immer noch keine vernünftige Asyl- und Migrationspolitik, und im Mittelmeer ertrinken Woche für Woche Menschen.

Was lernen wir aus der Corona-Krise? 15 Monate nach Ausbruch der Pandemie in Deutschland ist es Zeit für eine Zwischenbilanz: Welche Schlüsse ziehen wir aus unseren Fehlern und Versäumnissen, welche nächsten Schritte müssen jetzt folgen, damit die Seuche uns nicht im Herbst wieder übermannt?

Um diese Fragen zu beantworten, haben unser Moderator Marc Krüger und ich uns Verstärkung ins Tonstudio geholt: Georg Mascolo ist nicht nur ein exzellenter Investigativjournalist, sondern hat auch ein aufschlussreiches Buch zur aktuellen Lage geschrieben: In "Ausbruch. Innenansichten einer Pandemie – Die Corona-Protokolle" beschreibt er gemeinsam mit seiner Frau Katja Gloger, wie Deutschland in die Pandemie schlitterte, wie die Regierenden ihre Entscheidungen trafen und welche Fehler sie dabei machten.  Er ist also der perfekte Gesprächspartner für unser Thema, und unser heutiger Podcast ist, wie ich finde, wirklich spannend geworden. Hören Sie bitte hinein:

Damit Sie mit guter Laune ins Wochenende starten können, empfehle ich Ihnen heute einen meiner Lieblings-Songs. Lief auf der Party zu meinem 16. Geburtstag hoch und runter. Hach ja, damals. Habe viel gelernt seither. Aber ob ich deshalb auch schlauer bin?

Am Montag kommentiert Sven Böll das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, von mir lesen Sie am Dienstag wieder. Übrigens: Wenn Sie den Tagesanbruch abonnieren möchten, können Sie diesen Link nutzen. Dann bekommen Sie den Newsletter jeden Morgen um 6 Uhr kostenlos per E-Mail geschickt.

Herzliche Grüße,

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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