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Ukraine-Krieg: Wer wird am Ende welchen Preis bezahlen müssen?


Wie viel ist uns die Freiheit wert?

  • Peter Schink
Von Peter Schink

Aktualisiert am 01.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Meinung
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Ein Ukrainer in der Nähe von Sumy (Ostukraine) vor einem eroberten russischen PanzerVergrößern des Bildes
Ein Ukrainer in der Nähe von Sumy (Ostukraine) vor einem eroberten russischen Panzer (Quelle: Twitter / OriharaReya3000)

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

viele von uns hat der Angriffskrieg Russlands fassungslos, ohnmächtig und sprachlos gemacht. Russland, bislang wesentlicher Teil der Weltordnung, stürzt genau diese gezielt ins Chaos. Da greift eine übermächtige Weltmacht auf einmal seine Nachbarn an. Das eigene Volk ist in Teilen völlig fassungslos. Doch Wladimir Putin ist unbeirrbar.

Er macht aus seiner tiefen Abneigung gegen demokratisch-freiheitliche Bewegungen keinen Hehl. Der Grund ist einfach: Sie laufen seinem Großmachtstreben entgegen.

Doch Putin hat sich verrannt. Die Ukraine stellt sich ihm mit aller Macht entgegen, die Moral und ihr Überlebenswille gibt ihr Rückenwind. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj harrt in Kiew aus, die Bevölkerung baut Molotowcocktails und auf dem Land stellen sich Menschen russischen Panzern entgegen.

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Auch der vermeintlich schwache Westen reagiert für Putin unerwartet. Wir selbst sind etwas überrascht, wie entschlossen unsere Regierung alte Direktiven mit Kriegsbeginn über Bord wirft. Deutschland liefert Waffen an die Ukraine und genehmigt seiner Armee im laufenden Jahr 100 Milliarden Euro Sofortinvestitionen. Noch vor Tagen undenkbar.

Die EU- und die Nato-Staaten rücken zusammen. Selbst neutrale Staaten wie die Schweiz, Schweden und Finnland beteiligen sich an den Sanktionen. Auch aus China bekommt Putin kaum Rückendeckung. Die Sportwelt schließt Russland aus.

Putin hat sein Land isoliert. Die weltweite Geschlossenheit und Solidarität ist bei allen schrecklichen Nachrichten dieser Tage ein erfreulicher Lichtblick. Doch wie der Krieg weitergehen wird, ist immer noch völlig offen. Im Krieg ist alles möglich.

Der Karnevalswagenbauer Jacques Tilly hat zum Ausdruck gebracht, was viele denken: "Erstick dran!" stand auf seinem Wagen, der gestern durch Düsseldorf gezogen wurde. Die Sanktionen der vergangenen Tage werden bei Putin mindestens eine leichte Atemnot erzeugen.

Wir zeigen gerade, dass wir bereit sind, für diese Atemnot einen Preis zu zahlen. 100 Milliarden für die Bundeswehr sind es jetzt, dazu die Schäden der Wirtschaftssanktionen hierzulande, einige Börsenverluste, eine brachliegende Pipeline in der Ostsee. Und langfristig? Werden wir womöglich noch einen deutlich höheren Preis zahlen müssen. Wie hoch er ist, hängt davon ab, wie weit Putin die Situation eskalieren wird.

Bundeskanzler Olaf Scholz und andere sprachen am Wochenende ehrfürchtig von einer "Zeitenwende". Wir befinden uns mitten in der Wendeschleife, ohne zu sehen, wohin uns der Weg führt. Und doch haben wir Putin eines vor Augen geführt: Er wird irgendwann den Dialog suchen und ernsthaft über die Zukunft verhandeln müssen. Oder er isoliert Russland auf Dauer.

Mit jedem Tag, den der Krieg dauert, je mehr Menschen sterben, wird es jedoch undenkbar, dass Putin noch Teil dieses Dialoges sein kann. Für die Ukrainer, für den Westen, und auch für die Menschen in Russland, die unter der Situation leiden. Auch mehrere Oligarchen kritisierten in einem öffentlichen Brief den Einmarsch in die Ukraine scharf.

Am Ende wird Putin den Preis bezahlen müssen, den Freiheitswillen der Menschen unterschätzt zu haben.


Die Regierung hat keine 100 Tage

Klimaschutz duldet keinen Aufschub. Der Bericht des Weltklimarates (die wichtigsten Punkte haben wir hier zusammengefasst) fand zwar gestern recht wenig Aufmerksamkeit, aber die Tatsache, dass 3,3 Milliarden Menschen inzwischen von Klimafolgen betroffen sind, kann niemand ignorieren. Macht unsere Bundesregierung ja auch nicht. Oder? Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Anna Lührmann (Grüne), wertete den Bericht denn auch als "ein flammendes Dokument über eine brennende Welt". Man dürfe keine Zeit verlieren, sondern müsse sofort handeln.

Zum einen ist es gut, dass die Regierung es nicht an Deutlichkeit missen lässt. Zum anderen wird sie sich daran auch messen lassen müssen. Es braucht jetzt viele gute Ideen, um die Klimakrise effektiv und schnell zu bekämpfen. Ja, die Ampel hat bei vielen Themen keine 100 Tage, um im Amt anzukommen. Der Klimaschutz gehört definitiv dazu.

Eine weitere Wahrheit ist aber auch, dass wir alle etwas beitragen können. Um die Solaranlage aufs eigene Dach zu schrauben, oder für den nächsten Urlaub nicht bis in die Karibik zu fliegen, oder mal etwas weniger Konsumgüter zu kaufen, brauchen wir keine Regierung. Wir müssen nur darüber nachdenken, wo wir unser eigenes Verhalten ändern wollen und können. Oft tut das gar nicht weh.


Welttag der Komplimente

Der 1. März ist der Welttag der Komplimente. Sie sind gut, auch weil sie Absender und Empfänger glücklich machen. Auch wissenschaftlich gesehen. Nicht nur deswegen will ich uns allen heute ein Kompliment machen. Ich bin wirklich überwältigt, wie viel Solidarität (nicht nur) aus Deutschland der Ukraine zuteil wird. Das untenstehende Foto entstand gestern, als ich auf dem Weg nach Hause am Bäcker vorbeikam. Normalerweise ist das ein unpolitischer Ort. Fällt Ihnen im Schaufenster etwas auf?


Was lesen?

Über den Machtmensch Putin, sein Vermögen und seine Machenschaften ist einiges bekannt. Mein Kollege Steven Sowa fasst das Unfassbare zusammen.


Gestern besuchte der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk unsere Redaktion. Im Aufzug nach oben erzählte er uns, der Chef des Präsidialamts in Kiew habe ihm gerade neue Bilder von Luftangriffen aufs Handy geschickt. Die Kollegen haben lange mit ihm gesprochen. Ein bewegendes Interview.


Gestern rauschte der Rubel in die Tiefe, heute die russische Börse? Unser Wirtschaftschef Florian Schmidt analysiert, ob die russische Wirtschaft vor dem Kollaps stehen könnte.

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Der Militärexperte Carlo Masala warnt, Putins Ressourcen seien noch lange nicht erschöpft.


Mein Kollege Patrick Diekmann ist sich sicher: Putin hat sich komplett verrechnet.


Interviewt hat mein Kollege Bastian Brauns die 34-jährige Ukrainerin Lidia Vynogradna. Früher turnte sie im ukrainischen Nationalteam für rhythmische Sportgymnastik. Jetzt baut sie in Kiew Molotowcocktails gegen die russischen Invasoren. Im Video berichtet sie von dem "angsteinflößendsten Moment ihres Lebens".


Was mich amüsiert

Ich bin mir nicht sicher, ob die Propaganda in Russland dauerhaft die wahren Verhältnisse kaschieren kann.

Ich wünsche uns allen einen Dienstag mit besseren Nachrichten. Morgen schreibt Florian Harms wieder an dieser Stelle.

Ihr

Peter Schink
Stellvertretender Chefredakteur t-online.de

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