Menü Icont-online - Nachrichten für Deutschland
HomePolitikTagesanbruch

COP27: Jedes Zehntelgrad Erderhitzung weniger hat einen Effekt


Das ist irre

  • Johannes Bebermeier
Von Johannes Bebermeier

07.11.2022Lesedauer: 4 Min.
Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Olaf Scholz: Der Bundeskanzler ist ab heute auf der Weltklimakonferenz.
Olaf Scholz: Der Bundeskanzler ist ab heute auf der Weltklimakonferenz. (Quelle: Lisi Niesner/Reuters-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild für einen TextNach 27 Jahren: ARD-Sendung eingestelltSymbolbild für einen TextÖlpreise steigen starkSymbolbild für einen TextTerrorwarnung? Weihnachtsmärkte geräumtSymbolbild für einen TextDésirée Nick teilt Nacktfoto mit MessageSymbolbild für einen TextBericht: BVB-Duo vor Winter-WechselSymbolbild für einen TextAus für RBB-KultshowSymbolbild für einen TextBericht: Ronaldo hat neuen Verein gefundenSymbolbild für einen TextMassenschlägerei in KinderparadiesSymbolbild für einen TextDroht jetzt eine Sprit-Knappheit?Symbolbild für einen TextHundefelle auf Weihnachtsmarkt entdecktSymbolbild für einen TextEx-Fußballprofi erntet Kritik für SpruchSymbolbild für einen Watson TeaserWM: Neymar-Tor könnte Skandal auslösenSymbolbild für einen TextDiese drei Krankheiten drohen "Best Agern"

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

seien wir ehrlich, es klingt nach einem absurden Spektakel: Damit die Menschen endlich aufhören, die Erde zu zerstören, reisen dieser Tage 30.000 von ihnen aus aller Welt nach Ägypten. Viele mit dem Flugzeug, na klar, ist ja auch weit.

Damit es in Scharm el-Scheich nicht so holpert, wurden neue Straßen gebaut, fünfspurig in jede Richtung. Nicht so gut fürs Klima, umso besser für die klimatisierten Limousinen der Staats- und Regierungschefs. Ist ja so etwas Ähnliches.

Loading...
Symbolbild für eingebettete Inhalte

Embed

Wenn die Mächtigen dann auf der Weltklimakonferenz COP27 angekommen sind, setzen sie sich Klimaziele, von denen sie ahnen, dass sie sie nicht erreichen werden. Und die selbst dann nicht genügen würden, wenn sie es aus Versehen doch schafften.

So zumindest war es bisher immer. Schon im Pariser Klimaabkommen 2015 haben sich die Staaten verpflichtet, die Erderhitzung auf maximal 2 Grad zu begrenzen. Doch selbst wenn alle Länder ihre aktuellen Klimapläne einhalten, heizt sich die Welt bis 2100 um 2,4 bis 2,6 Grad auf. Klingt irre, ist es auch.

Sameh Schukri: Der ägyptische COP27-Präsident sagte zur Eröffnung, für einen Erfolg der Konferenz werde er "keine Mühe scheuen".
Sameh Schukri: Der ägyptische COP27-Präsident sagte zur Eröffnung, für einen Erfolg der Konferenz werde er "keine Mühe scheuen". (Quelle: Peter Dejong/ap-bilder)

Es spricht kaum etwas dafür, dass sich daran in Scharm el-Scheich viel ändert. Der russische Krieg gegen die Ukraine hat vielerorts eine Energiekrise ausgelöst, die eine Wirtschaftskrise ausgelöst hat. In diesem Misthaufen der Krisen ist die Klimakrise nur eine von vielen und für viele nicht die größte. Es scheint ihr ewiges Schicksal zu sein.

Dabei müssen wir in der Klimakrise dringend handeln. Die vergangenen acht Jahre waren offenbar die wärmsten auf diesem Planeten. Europa erhitzt sich schneller als der Rest der Welt. Das illustrieren auch in Deutschland die brennenden Wälder und ausgetrockneten Flüsse. Und das sind nicht mal die einzigen Schreckensnachrichten der vergangenen Wochen. (Lesen Sie hier über weitere, falls Ihre Laune heute Morgen stabil ist.)

Ob sich die Welt in Ägypten überhaupt auf eine Abschlusserklärung einigen kann, bezweifeln manche. Es sei schwer vorzustellen, sagte ein skeptischer Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Wochenende, dass Staaten wie Russland oder China bei der Klimakonferenz eine "konstruktive Rolle" spielen.

Deutschland will sich konstruktiver geben. Traditionell sieht sich die Bundesregierung auf diesen Konferenzen als Vorbild. Deutschland allein kann das Klima nicht retten, aber es kann zeigen, dass die Energiewende klappen und sich sogar lohnen kann. Auch für andere Staaten. So die deutsche Klimatheorie.

Nur sieht die deutsche Klimapraxis gerade ganz anders aus. Was die Überzeugungskraft dämpfen dürfte. Deutschland droht seine Klimaziele für 2030 deutlich zu verfehlen, urteilte der Expertenrat für Klimafragen erst am Freitag. Um ihr "Klimaschutzsofortprogramm" überhaupt noch rechtzeitig zur Weltklimakonferenz fertig zu bekommen, brachte die Ampelregierung es kürzlich ohne den völlig unambitionierten Verkehrssektor auf den Weg. Der zuständige Minister Volker Wissing soll seine Ambitionen bis nächstes Jahr nachliefern. Ein "Sofortprogramm" ist es nach einem knappen Jahr eh nicht mehr.

Robert Habeck: Trotz allem optimistisch.
Robert Habeck: Trotz allem optimistisch. (Quelle: Britta Pedersen/dpa-bilder)

Auch in den Bundesländern läuft es mies. Als sich Bund und Länder kürzlich trafen, um darüber zu reden, wie weit der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangekommen ist, war das Fazit ernüchternd: Die meisten Länder weisen immer noch viel zu wenige Flächen für Windräder aus. Und wenn sie es tun, dauert es im bundesweiten Schnitt mehr als zwei Jahre, bis ein Windrad genehmigt ist. Was beides "bei Weitem nicht ausreicht", um die Ziele zu erreichen, wie es im Bericht heißt.

Genügend Gründe also für Klimaminister Robert Habeck, zu verzweifeln. Eigentlich. Doch wer Leuten in seinem Ministerium zuhört, der vernimmt trotz allem Hoffnung. Dass Deutschland erst mal mehr Kohle verbrennen und Flüssiggas einkaufen muss, gefällt dort zwar niemandem. Aber die Energiekrise mache jedem deutlich, dass man wegmüsse von den fossilen Energien. Selbst im chronisch zaudernden Bayern sei das angekommen.

Vielleicht geschehen also doch noch Zeichen und Wunder? Wenn selbst Bayern umdenkt, warum dann nicht auch der Rest der Welt?

Hoffnung lohnt sich. Denn bei all dem absurden Spektakel und all den verfehlten Zielen gilt am Ende: Jedes Zehntelgrad Erderhitzung weniger hat einen Effekt. Und zu verzagen, bringt nicht mal ein Hundertstelgrad.


Was steht an?

Wie will Olaf Scholz die Welt retten? Der selbst ernannte Klimakanzler spricht ab 16.30 Uhr auf der Weltklimakonferenz in Ägypten. Meine Kollegin Theresa Crysmann ist diese Woche in Scharm el-Scheich dabei und berichtet vorab, was den Bundeskanzler dort erwartet.

Wie reagieren auf Energiekrise und Inflation? Darüber will die Euro-Gruppe heute in Brüssel sprechen.

Wer regiert Niedersachsen? SPD und Grüne wollen heute ihren Koalitionsvertrag unterschreiben.


Historisches Bild des Tages

(Quelle: ullstein-bild)

Die Royal Navy ohne Rum? Das war bis 1970 undenkbar für die britischen Seeleute. Dann wurden sie allerdings "trockengelegt". Was hinter der Geschichte steckt, lesen Sie hier.


Was lesen?

Was muss sich bei ARD und ZDF ändern? Unsere Autoren Peter Luley und Christian Bartels nennen fünf Baustellen der Öffentlich-Rechtlichen.

Wie ist Donald Trump zu schlagen? Die Demokraten in den USA versuchen es vor den Zwischenwahlen mit Joe Biden und Barack Obama, berichtet USA-Korrespondent Bastian Brauns.

Wie mit der Fußball-WM in Katar umgehen? Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger war vor Ort – und hält einen Boykott nicht mehr für zielführend, erzählt er meinem Kollegen Noah Platschko im Interview.

Welchen Gefallen darf der Westen Putin keinesfalls tun? Ein Regimegegner berichtet vor der t-online-Kamera von Lara Schlick, Sophie Loelke und Nicolas Lindken.


Was amüsiert mich?

(Quelle: Mario Lars)
Loading...
Loading...
Loading...
Tagesanbruch - Was heute wichtig istWas heute wichtig ist

Erhalten Sie jeden Morgen einen Überblick über die Themen des Tages als Newsletter.

Ich wünsche Ihnen einen hoffnungsvollen Tag. Morgen schreibt Chefredakteur Florian Harms wieder den Tagesanbruch für Sie.

Ihr

Johannes Bebermeier
Politischer Reporter
Twitter: @jbebermeier

Was denken Sie über die wichtigsten Themen des Tages? Schreiben Sie es uns per E-Mail an t-online-newsletter@stroeer.de.

Mit Material von dpa.

Den täglichen Newsletter von Florian Harms hier abonnieren.

Alle Tagesanbruch-Ausgaben finden Sie hier.
Alle Nachrichten lesen Sie hier.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
Die nächste Katastrophe ist da
Von Florian Harms
BundesregierungChinaDeutschlandEuropaFrank-Walter SteinmeierOlaf ScholzRobert HabeckRusslandUkraineÄgypten

t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagramYouTubeSpotify

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website