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Leiche ohne Kopf beschert Niederlanden Landzuwachs


Kopflose Leiche beschert Niederlanden mehr Land

ap, Raf Casert

01.01.2016Lesedauer: 3 Min.
Belgien gibt eine schöne Halbinsel an die Niederlanden ab und erhällt dafür ein Stück Land rund um eine Schleuse an der Maas.Vergrößern des BildesBelgien gibt eine schöne Halbinsel an die Niederlanden ab und erhällt dafür ein Stück Land rund um eine Schleuse an der Maas. (Quelle: ap-bilder)
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In der Geschichte haben Grenzstreitigkeiten weltweit zu unermesslichem Blutvergießen, unendlichen Fehden und jahrzehntelangen Gerichtsprozessen geführt. Belgien und die Niederlande dagegen planen in diesem Jahr einen friedlichen Tausch von Gebieten. Daran ist der Fund einer kopflosen Leiche nicht ganz unschuldig.

Zwar verliert Belgien ein hübsches Stück Natur am Ufer der Maas, die die beiden Länder trennt. Aber Belgien entledigt sich damit auch eines verwaltungstechnischen Alptraums, der sich über die Zeit entwickelte, als der Fluss seinen Lauf veränderte und das etwa 15 Fußballfelder große Stück Land zu einer Halbinsel machte, die nur mit niederländischem Territorium verbunden ist. Marcel Neven, Bürgermeister der belgischen Stadt Visé, findet es einfach "sinnvoll, das zu tun".

Über die Jahre entwickelte sich das Gebiet zunehmend zu einer rechtlosen Zone. Es wurde dort mit Drogen gedealt, gab illegale sexuelle Eskapaden. Vor drei Jahren stolperten Fußgänger schließlich über eine enthauptete Leiche. "Sie alarmierten die niederländischen Behörden, die ihnen sagten, es handele sich um belgisches Territorium", erinnert sich Jean-François Duchesne, Polizeikommissar der Region Basse Meuse.

Schwierige Situation

Die Situation war verzwickt. Die niederländischen Behörden durften dort nicht hin, weil es belgisches Hoheitsgebiet war. Die belgische Polizei und die Justizbehörden ihrerseits hatten enorme Probleme, dorthin zu gelangen. Schließlich durften sie nicht ohne Sondererlaubnis durch die Niederlande fahren. Und auf der Halbinsel gab es keine geeignete Anlegestelle für Boote und die Ausrüstung, die über das Wasser gebracht werden musste.

"Wir mussten mit allem, was wir brauchten, per Boot dorthin, mit dem Staatsanwalt, dem Gerichtsmediziner, der Spurensicherung - wir sind mehrfach auf dem Wasser hin- und hergefahren. Das war wirklich nicht besonders praktisch", sagt Duchesne. Und Bürgermeister Neven berichtet: "Du musstest vom Boot ans Ufer springen. Dafür musstest du gut in Form sein."

Tausch in 2016 besiegeln

Mit solchen Mätzchen soll bald Schluss sein. Ein friedlicher Landtausch steht bevor. "Wir hätten das schon vor langer Zeit tun sollen", sagt Bürgermeister Neven. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Parlamente der beiden Nationen sollen im Jahr 2016 die Angelegenheit besiegeln, fast zwei Jahrhunderte nachdem die Grenzsteine laut Neven im Jahr 1843 gesetzt worden waren.

Und alle werden am Ende möglicherweise ein Lächeln im Gesicht haben. Auch wenn die Belgier nur ein kleines Stück Land um eine Schleuse erhalten, die ohnehin gebaut worden ist, um den Verkehr zwischen den beiden kleinen Ländern besser fließen zu lassen.

"Grundsätzlich ist so etwas sehr selten, aber es kann vorkommen", sagt Anwalt Malcolm Shaw, Experte für internationale Grenzstreitigkeiten. Er verweist darauf, wie kompliziert die Geschichte die Grenzen im Dreiländereck Belgien, Niederlande und Deutschland gewoben hat - mit zahlreichen Enklaven und merkwürdig gewundenen Verläufen.

Wenn Grenzen geändert werden sollen, gibt es meist erbitterte Konflikte. Indien und Bangladesch legten zum Beispiel erst im vergangenen Sommer einen Streit bei, dessen Anfänge in der Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien im Jahr 1947 lagen. Mehr als 150 Gebiete tauschten die beiden Länder aus.

Im Dezember musste das höchste Gericht der Vereinten Nationen in einem Streit zwischen den mittelamerikanischen Staaten Nicaragua und Costa Rica urteilen. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Nicaragua im Konflikt um einen kleinen Landzipfel in der Karibik die territoriale Integrität Costa Ricas verletzt hatte.

Freundschaft Grund für friedliche Einigung

Der belgische Militärhistoriker Luc De Vos sieht in der Freundschaft von Nachbarn einen entscheidenden Faktor für eine friedliche Einigung. "Das ist zwischen Belgien und den Niederlanden möglich, weil beide Länder seit Jahrhunderten eine Menge von Verbindungen haben", sagt er. "Und nach dem Zweiten Weltkrieg ist Territorium ohnehin nicht mehr so wichtig."

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