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Hitzewelle in Spanien – über 38 Grad im April: "Das Inferno ist schon da"


Frühe Extremhitze in Urlaubsland
"Das Inferno ist schon da"

Von dpa
Aktualisiert am 28.04.2023Lesedauer: 3 Min.
Feuerwehrmann kämpft gegen Waldbrand in Galizien: In der Region hatte es schon Ende März gebrannt – nun warnen die Behörden erneut.Vergrößern des BildesFeuerwehrmann kämpft gegen Waldbrand in Galizien: In der Region hatte es schon Ende März gebrannt – nun warnen die Behörden erneut. (Quelle: Vincent West /Reuters)
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Es ist heiß wie im Hochsommer – und dabei ist erst April. Spanien ächzt unter einer Hitzewelle, erste Rekorde fallen.

Im Süden Spaniens sind die Menschen an Hitze gewöhnt – aber dieser Tage ist es sogar für Hartgesottene zu viel. "So kann man nicht arbeiten", klagte die Köchin eines Restaurants vor der Kamera des TV-Senders RTVE. "Selbst viel Wasser und Ventilator helfen nicht."

Eine Extremhitze mit Temperaturen von örtlich deutlich über 35 Grad lässt die Spanier schon seit Anfang der Woche schwitzen und schimpfen. Am Donnerstag erreichte das von "einer sehr warmen und trockenen Luftmasse" aus Afrika verursachte Phänomen nach Angaben des nationalen Wetterdienstes Aemet einen Höhepunkt, nach den Vorhersagen bleibt es auch am Freitag heiß.

Auf den Straßen wischten sich Männer im Anzug den Schweiß von der Stirn. Vor Eisdielen bildeten sich lange Schlangen. Auch in Brunnen und klimatisierten Einkaufszentren suchten die Menschen nach Abkühlung. Solche Bilder sah man fast überall im Land.

Hitzerekord um mehrere Grad übertroffen

Unerträglich war es in den andalusischen Provinzen Sevilla und Córdoba, wo die Temperaturen am Donnerstag und Freitag nach Aemet-Prognose nachmittags auf mindestens 38 Grad klettern sollten. Die offiziellen Werte gibt Aemet erst am darauffolgenden Tag bekannt, tatsächlich wurden derartige Werte Medienberichten zufolge jedoch erreicht.

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Laut der 1887 gegründeten Wetterbehörde wurden diese Woche bereits vor dem Hitze-Höhepunkt in mehreren andalusischen Städten April-Rekorde gebrochen: Etwa in Córdoba, wo die bisherige Höchstmarke von 34,0 Grad am Dienstag mit 35,1 Grad gleich deutlich übertroffen wurde. "Das Inferno ist schon da", titelte die Zeitung "Diario Córdoba".

"Es ist nicht ausgeschlossen, dass irgendwo im andalusischen Hinterland am Freitag 40 Grad gemessen werden", wurde Meteorologe Miguel Ángel Viñas am Donnerstag in der Zeitung "La Vanguardia" zitiert. Diese Marke wurde nach Angaben von Aemet auf dem spanischen Festland im April noch nie gemessen.

Auch auf Mallorca, wo nach Medienberichten schon vor dem langen Wochenende Tausende Touristen vor allem aus Deutschland und Großbritannien eintrafen, stiegen die Temperaturen. Im Süden der Insel mit dem "Ballermann" sollte es bei maximal 30 Grad vergleichsweise erträglich bleiben. Ziemlich heiß dagegen sollte es laut Aemet am Donnerstag und Freitag mit bis zu 34 Grad in Sa Pobla und Inca im Norden der Insel werden.

Wetterdienst rechnet mit heißestem April seit 73 Jahren

Die frühe Extremhitze, die von einer seit Monaten dauernden Dürre begleitet wird, führen Experten auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurück. Aemet-Sprecher Rubén del Campo warnte: "Eines ist klar: Der Klimawandel verstärkt extreme Wetterereignisse." Man rechne mit den heißesten Apriltagen seit 1950, wurde er in der Digitalzeitung "El Confidencial" zitiert.

Hitze und Trockenheit erhöhten die Gefahr von Waldbränden, warnte Aemet. 2022 war für Spanien das verheerendste Waldbrand-Jahr seit Beginn der Erfassungen des Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS. Nach Messungen des Erdbeobachtungssystems Copernicus wurde voriges Jahr bei 493 größeren Bränden eine Fläche von 306.000 Hektar zerstört – das sind mehr als 3.000 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Das Saarland ist knapp 2.570 Quadratkilometer groß.

Ärzte und Landwirte sind besorgt

Nicht nur die Umwelt ist bedroht: Spanische Ärzteverbände warnten diese Woche vor allem Herzkranke. Das Herz müsse bei Hitze mehr arbeiten als bei kühlen Temperaturen.

Auch Landwirte machen sich Sorgen: Jaume Pocoví vom mallorquinischen Bauernverband "Unió de Pagesos" sagte der Regionalzeitung "Última Hora", wegen des Mangels an Regen seien die Johannisbrot- und Mandelernten in Gefahr. Die Lage für die Landwirte auf dem Festland sei aber schlimmer. Wie sehr die Dürre in Südeuropa die dortige Landwirtschaft bedroht und wie sich das auf die deutschen Lebensmittelpreise auswirkt, lesen Sie hier.

Hitze und Dürre riefen die Zentralregierung und die Regionalbehörden auf den Plan. In Madrid, wo seit Tagen um die 30 Grad gemessen werden, beschloss die Regionalregierung am Mittwoch, die öffentlichen Freibäder schon Mitte Mai und damit einen Monat früher als üblich zu eröffnen, die Schulzeiten anzupassen, die Lage in Sozial- und Gesundheitszentren öfter zu kontrollieren und U-Bahnen und Busse häufiger fahren zu lassen, um größere Menschenansammlungen und lange Wartezeiten zu vermeiden.

Das Gesundheitsministerium in Madrid schlug am Donnerstag den Regionen des Landes vor, den Nationalen Aktionsplan zum Hitzeschutz dieses Jahr bereits am 15. Mai und nicht erst am 1. Juni in Kraft treten zu lassen, wie RTVE berichtete. Dieser Plan wurde 2003 aufgestellt. Er sieht vor allem Informationskampagnen vor, die die Menschen über Gesundheitsrisiken und den Schutz vor Hitze aufklären.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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