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Sellafield: Risiko in Plutonium-Depot laut Bericht "drastisch gestiegen"


Bericht: Unfall-Risiko in Plutonium-Depot "drastisch gestiegen"

Von t-online, wan

Aktualisiert am 06.12.2023Lesedauer: 3 Min.
In Windscale, heute Sellafield, ereignete sich im Oktober 1957 der erste große Unfall in einem Atomkraftwerk. Die Anlage soll auch heute noch ein Sicherheitsrisiko sein.Vergrößern des BildesIn Windscale, heute Sellafield, ereignete sich im Oktober 1957 der erste große und bis Tschernobyl schwerste Unfall in einem Atomkraftwerk. Die Anlage soll auch heute noch ein Sicherheitsrisiko sein. (Quelle: dpa-bilder)
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Im britischen Sellafield gab es 1957 einen der schwersten Atomunfälle. Jetzt kommen neue Warnungen zutage.

Von der Atomanlage im britischen Sellafield könnte erneut eine große Gefahr ausgehen. Dort war es 1957 zu einem der ersten größeren Unfälle an einem Atomkraftwerk gekommen. Jetzt sind es Atomabfälle, die Experten Sorge bereiten – offenbar sogar in Norwegen.

Ein Brand hatte in den 50er Jahren große Mengen radioaktives Material in der Anlage von Windscale, wie sie damals hieß, freigesetzt. Das Ereignis galt als Stufe-5-Vorfall, die dritthöchste Warnung. Seitdem wird in der Anlage Atommüll gelagert und aufbereitet, doch das Alter nagt an den Müllsilos. Nun hat eine Recherche herausgefunden: Eines der Becken mit Nuklear-Müll ist seit Längerem undicht, und das austretende Material könnte die öffentliche Sicherheit bedrohen.

Nach einem Bericht des britischen "The Guardian" handelt es sich um das Becken mit der Bezeichnung B30, aus dessen Rissen radioaktiver Müll austreten soll. Das soll sogar zum Austausch diplomatischer Depeschen mit Norwegen und Irland geführt haben.

Eine Studie hatte bereits vor zwei Jahren die möglichen Auswirkungen eines weiteren Unfalls in Sellafield auf Norwegen untersucht. Gerieten dann von dort radioaktive Partikel in die Luft, würde Norwegen vor allem Herbst und im Winter stark betroffen sein, so die Studie, die in der wissenschaftlichen Online-Datenbank Sciencedirekt veröffentlicht worden war.

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Lager für Atomabfälle

Die Anlage Sellafield befindet sich auf einem sechs Quadratkilometer großen Gelände in der Küstengrafschaft Cumbria im Nordwesten Englands, 11.000 Beschäftigten arbeiten dort. Auf dem Gelände werden nukleare Abfälle aus Waffenprogrammen und der Atomstromerzeugung gelagert, es ist die größte Anlage dieser Art in Europa. 1957 hatte ein Feuer den größten Atomunfall in der britischen Geschichte ausgelöst. Einer der Reaktoren überhitzte, das daraus resultierende Feuer konnte erst nach Tagen gelöscht werden. Radioaktives Material wurde über große Teile Europas verteilt.

"Große Bedenken bei Sicherheit"

Man rechne noch bis 2050 mit weiteren Ausflüssen aus dem Behälter, heißt es in einem internen Bericht, aus dem der "Guardian" zitiert. Darin heißt es demnach: "Das könnte 'potenziell erhebliche Folgen' haben, wenn es sich beschleunigt und das Grundwasser verseucht."

Grund für den Ausfluss sind offenbar Risse im Betonbecken und in der Asphaltschicht des 1951 gebauten Kraftwerks. In dem Becken wird seit Jahrzehnten radioaktiver Schlamm gelagert.

In dem internen Bericht, der dem "Guardian" vorliegt, seien von Experten große Bedenken vorgetragen worden, was die Lücken bei Sicherheit angeht. Es sei eine Warnung ausgesprochen worden, dass sich die Risiken immer weiter zunehmen, weil es immer wieder Verstoße bei Sicherheitsvorschriften gebe.

Der Bericht legt nahe, das Risiko eines großen Zwischenfalls an einem der wichtigsten Atomstandorte der Welt wegen der "erheblichen Schwachstellen" drastisch gestiegen sei.

Auf der offiziellen Seite der britischen Regierung werden relevante Vorfälle in Atomkraftwerken gemeldet: Dort heißt es, dass es in Sellafield im Oktober zuletzt einen Stromausfall gegeben habe, außerdem sei die Kläranlage kurzzeitig außer Betrieb genommen worden, weil sich darin zu viel Schlamm angesammelt habe. Anfang Oktober war in dem alternden Werk auch ein Feuer gemeldet worden, ausgelöst durch Arbeiten mit einem Laser.

USA sollen vor "brüchiger Infrastruktur" warnen

Ein Experte, der die britische Regierung berät, sagte gegenüber dem "Guardian", dass die Risiken, die von dem Leck und anderen chemischen Lecks in Sellafield ausgehen, "unter den Teppich gekehrt" würden. Die Besorgnis über die Sicherheitsstandards sei so groß, dass US-Beamte in diplomatischen Depeschen, die dem "Guardian" vorliegen, vor der "brüchigen Infrastruktur" gewarnt hätten. Zu ihren Bedenken gehören demnach Lecks durch Risse im Beton der Giftbecken und die mangelnde Transparenz der britischen Behörden in Bezug auf Probleme am Standort. Norwegen habe, so ein Diplomat gegenüber der britischen Zeitung, jetzt sogar Hilfe angeboten, die Anlage zu sichern.

"Sie können vor Ort nicht mit Feuer oder Asbest umgehen, geschweige denn mit dem Zerbröckeln von nuklearem Containment-Material", sagte ein hochrangiger Mitarbeiter von Sellafield dem "Guardian". Die Risse in B30, von den Mitarbeitern nur "Dirty 30" genannt, hätten zugenommen.

Sprecherin: Untersuchen Hackervorfall

Unklar ist dagegen, welche Auswirkungen ein angeblicher Hackerangriff gehabt hat. Bereits 2015 sollen Unbekannte in die IT-Systeme eingedrungen und schädliche Software installiert haben. Es sei versucht worden, die Viren zu entfernen – aber es bleibe unklar, ob das vollständig gelungen sei. Die britische Regierung dementierte allerdings: Man habe keine Kenntnisse über einen solchen Vorfall.

Sellafield hat den größten Vorrat an Plutonium weltweit – das Material, aus dem Atombomben gemacht werden. Im vergangenen Jahr soll es eine Untersuchung über systematische Fehler bei der IT-Sicherheit gegeben haben. Eine Sprecherin der Anlage sagte dem "Guardian": "Einige spezifische Angelegenheiten sind Gegenstand laufender Ermittlungen, sodass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Kommentare abgeben können." Zu den Details der "Guardian"-Recherchen über die Risse am B3-Becken wollte man sich seitens der Betreiber nicht äußern.

Verwendete Quellen
  • wdr.de: "10. Oktober 1957 - Reaktorunfall im britischen Windscale"
  • gov.uk: "Response to a news report on cyber security at Sellafield" (englisch)
  • gov.uk: "Sellafield Ltd incident reports and notices" (englisch)
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