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Tsunami-Katastrophe in Indonesien: Mindestens 222 Tote

Von dpa
Aktualisiert am 23.12.2018Lesedauer: 3 Min.
Ein Mann reagiert, nachdem er einen Verwandten als Opfer der Todeswelle identifiziert hat.
Ein Mann reagiert, nachdem er einen Verwandten als Opfer der Todeswelle identifiziert hat. (Quelle: Fauzy Chaniago/AP./dpa)
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Jakarta (dpa) - Eine Tsunami-Katastrophe in Indonesien hat nach offiziellen Angaben mindestens 222 Menschen das Leben gekostet und schwere Sch├Ąden angerichtet.

Wie der indonesische Katastrophenschutz am Sonntag weiter mitteilte, wurden au├čerdem 843 Menschen verletzt, als Flutwellen am Samstagabend (Ortszeit) K├╝stengebiete zu beiden Seiten der als Sundastra├če bekannten Meerenge zwischen den Inseln Sumatra und Java erfassten.

Deutsche seien nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen, twitterte das Ausw├Ąrtige Amt in Berlin. Ein Sprecher des Touristikkonzerns Tui sagte, das Unternehmen habe in der Region ├╝berhaupt keine G├Ąste. Wichtigstes Ziel in Indonesien sei die Insel Bali weiter im Westen. Bundespr├Ąsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel sprachen dem indonesischen Pr├Ąsidenten Joko Widodo und den Betroffenen ihr Beileid aus.

Die Flutwellen waren mitten in der Urlaubssaison ├╝ber beliebte Touristenstr├Ąnde auf den beiden durch die Meerenge getrennten Inseln hereingebrochen . Schon an Weihnachten 2004 hatte ein verheerender Tsunami neben anderen ├Âstlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans auch Indonesien getroffen - alleine dort kamen damals mehr als 160 000 Menschen ums Leben, insgesamt waren etwa 230 000 Todesopfer zu beklagen.

Vor knapp drei Monaten wurde dann die bei Urlaubern beliebte indonesische Insel Sulawesi - rund 1500 Kilometer nordwestlich des jetzt betroffenen Gebiets - von einem schweren Erdbeben und einem dadurch ausgel├Âsten Tsunami heimgesucht, der mehr als 2200 Menschen das Leben kostete. Damals machte sich unter vielen Indonesiern Verbitterung breit ├╝ber die aus ihrer Sicht zu langsame Reaktion der indonesischen Beh├Ârden auf die Katastrophe.

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Die Beh├Ârden bef├╝rchteten am Sonntag, dass die Opferzahlen nach dem neuerlichen Tsunami noch steigen k├Ânnten. Nach Angaben der indonesischen Agentur f├╝r Meteorologie, Klima und Geophysik (BMKG) war die Ursache des Tsunamis vermutlich ein Ausbruch des in der Meerenge liegenden Vulkans Anak Krakatau, der wiederum einen Unterwasser-Erdrutsch zur Folge hatte. Demnach ereignete sich die Eruption am Samstagabend um 21.03 Uhr (Ortszeit; 15.03 Uhr MEZ), 24 Minuten sp├Ąter sei der Tsunami auf Land getroffen.

Nach Angaben des Geoforschungszentrums Potsdam ist entstand der Tsunami infolge einer Kettenreaktion. Demnach ersch├╝tterte am Samstagabend ein Beben der St├Ąrke 5,1 in etwa einem Kilometer Tiefe die als Sundastra├če bekannte Meerenge. Au├čerdem sei etwa zeitgleich der Vulkan Anak Krakatau ausgebrochen, sagte der GFZ-Experte J├Ârn Lauterjung am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Noch sei unklar, ob der Vulkanausbruch oder das Beben dann einen Erdrutsch ausgel├Âst habe. Dieser Landrutsch wiederum sei vermutlich die Ursache des Tsunamis gewesen.

Das Tsunami-Fr├╝hwarnsystem l├Âste demnach keinen Alarm aus, darauf sei es auch nicht ausgelegt, sagte Lauterjung. 90 Prozent der Tsunamis entst├╝nden durch starke Erdbeben, daher l├Âse das System erst ab einer St├Ąrke von 6,5 bis 7 Alarm aus. Diese St├Ąrke habe das jetzige Erdbeben nicht erreicht.

Indonesiens Katastrophenschutz-Sprecher Sutopo Purwo Nugroho empfahl den Menschen in der betroffenen Gegend, sich weiterhin von der K├╝ste fernzuhalten, da die M├Âglichkeit weiterer Eruptionen und somit eines weiteren Tsunamis bestehe.

Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker dr├╝ckte am Sonntag sein Mitgef├╝hl aus. Die EU-Kommission stehe bereit, die Hilfsarbeiten zu unterst├╝tzen. Papst Franziskus gedachte beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom der Opfer. "Ich rufe alle auf, sich mir in meinem Gebet f├╝r die Opfer und ihre Lieben anzuschlie├čen", sagte das Katholikenoberhaupt.

Erste Hilfsorganisationen nahmen in dem Katastrophengebiet die Arbeit auf und baten um Spenden. So seien zahlreiche Freiwillige des Indonesischen Roten Kreuzes im Einsatz, um den vom Tsunami betroffenen Menschen zu helfen, teilte das Deutsche Rote Kreuz mit. "Das gesamte Ausma├č der Katastrophe ist noch unklar."

Der Anak Krakatau (├╝bersetzt: Kind von Krakatau) ist ein Vulkan, der in der Sunda-Meerenge etwa 50 Kilometer von der Provinz Banten im Westen Javas entfernt liegt. Vor allem unter Indonesiern gilt der Landstrich an der Sundastra├če aufgrund seiner N├Ąhe zur indonesischen Hauptstadt Jakarta als Urlaubsregion.

Der Anak Krakatau entstand durch einen Ausbruch des Krakatau, der 1883 einen der heftigsten Ausbr├╝che ├╝berhaupt mit gesch├Ątzten 36 000 Toten verursacht hatte. Seit 1927 ist der Anak Krakatau selbst vulkanisch aktiv. Er ragt etwa 338 Meter aus der Wasseroberfl├Ąche, wie Daten der Agentur f├╝r Geophysik belegen. Schon seit langem habe er eine t├Âdliche Gefahr f├╝r das Hauptland dargestellt, hei├čt es. So gab es bereits 2016 und 2017 Ausbr├╝che, und seit Juni habe er eine erh├Âhte Aktivit├Ąt gezeigt.

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. F├╝r die Einwohner sind Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbr├╝che keine neue Erfahrung. Der Inselstaat hat so viele aktive Vulkane wie kein anderes Land der Welt.

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