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Der Anstieg des Meeresspiegels wird nicht aufhören

Eine Kolumne von Michaela Koschak

Aktualisiert am 01.11.2019Lesedauer: 3 Min.
Der prognostizierte Landverlust im Jahr 2050: Selbst unter g√ľnstigen Bedingungen w√§ren weite Teile der K√ľstenregionen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins verloren. Die Landfl√§che der Niederlande w√ľrde sich nahezu halbieren.
Der prognostizierte Landverlust im Jahr 2050: Selbst unter g√ľnstigen Bedingungen w√§ren weite Teile der K√ľstenregionen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins verloren. Die Landfl√§che der Niederlande w√ľrde sich nahezu halbieren. (Quelle: climatecentral.org)
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Der Anstieg des Meeresspiegels gilt als einer der bedrohlichsten Aspekte der Klimakrise. Zu Recht, sagt t-online.de-Kolumnistin Michaela Koschak. Schließlich könnten Millionen Menschen ihr Zuhause verlieren.

Der Meeresspiegel besch√§ftigt Klimaforscher seit Jahrzehnten, denn wenn er sich ver√§ndert, kann das gro√ür√§umige und verheerende Auswirkungen haben und das Leben auf unserer Erde sehr ver√§ndern. Millionen Menschen leben am Meer und in K√ľstenregionen, viele Metropolen sind K√ľstenst√§dte. Somit sind besonders viele Menschen direkt davon betroffen, es ist also ein ernstes Thema.

Klar ist allerdings auch: Der Meeresspiegel l√§sst sich nicht exakt vorhersagen. Es spielen viele Faktoren eine Rolle, die schwer einzusch√§tzen sind. Wissenschaftler t√ľfteln an Modellen herum und finden immer wieder neue Einfl√ľsse, zum Beispiel auch den Salzgehalt des Wassers, die direkt und indirekt den Meeresspiegel beeinflussen.

Rekordverdächtiger Anstieg

Die Fakten sind, dass laut Weltorganisation f√ľr Meteorologie der Meeresspiegel 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Millimeter gestiegen ist. Das ist der h√∂chste Stand seit dem Beginn systematischer Satellitenmessungen. Der mittlere j√§hrliche Anstieg zwischen 1901 und 2010 lag pro Jahr bei etwa 1,7 Millimetern. In den vergangenen Jahrzehnten ist also eine deutliche Beschleunigung des Anstiegs zu beobachten. Seit 1993 ist der Meeresspiegel insgesamt um etwa acht Zentimeter angestiegen, seit 1880 im weltweiten Durchschnitt um circa 20 Zentimeter, allerdings mit gro√üen regionalen Unterschieden.

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Die Berechnungen der Klimamodelle f√ľr die Zukunft sind sehr unterschiedlich, aber h√§ufig besorgniserregend. Einer neuen Studie von Nature Communications zufolge k√∂nnten 2050 300 Millionen Menschen durch den Anstieg des Meeresspiegels ihr Zuhause verlieren. Vor allem asiatische Gro√ümetropolen sind davon betroffen, zudem k√∂nnten Inselstaaten komplett √ľberflutet und unbewohnbar werden.

L√§nder, die breite K√ľstenfl√§chen besitzen sowie ein tiefliegendes Hinterland wie Bangladesch und die Niederlande, verlieren Millionen Quadratkilometer Land, Wohnraum f√ľr sehr viele Menschen vor allem in China, Indien, Thailand und Indonesien w√§re verloren, sie w√ľrden aus ihrer Heimat vertrieben werden. Schwerwiegende soziale Unruhen und Fl√ľchtlingsstr√∂me sind noch nicht absehbar, werden aber leider die Folge sein. Hohe Kosten f√ľr Umsiedlungen entstehen. Deshalb sollten wir das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Warum steigt der Meeresspiegel an?

Warum steigt der Meeresspiegel eigentlich an? Durch das Aussto√üen von Treibhausgasen kommt es zur Erd- und nat√ľrlich auch Ozeanerw√§rmung. Je w√§rmer das Wasser ist, desto mehr dehnt es sich aus und l√§sst damit den Meeresspiegel steigen. Au√üerdem schmelzen durch die steigenden Temperaturen die Pole und Gletscher, auch das l√§sst den Wasserspiegel der Ozeane ansteigen. Das Gute ist, es passiert langsam, das hei√üt, wir werden nicht morgen einen ein Meter h√∂heren Wasserspiegel haben.

Aber das Problematische ist, wir k√∂nnen den Anstieg auch nicht aufhalten. Wir k√∂nnen uns nur anpassen, vorbereiten auf das, was kommt, und f√ľr die Zukunft vorarbeiten und weniger Treibhausgase in die Atmosph√§re pusten. Ja, der Meeresspiegelanstieg hat auch nat√ľrliche Ursachen, aber die sind, das haben Wissenschaftler herausgefunden, minimal und zu vernachl√§ssigen.

Der Hauptgrund ist die menschengemachte Erderw√§rmung. Das T√ľckische ist zum Beispiel beim Kohlendioxid, dass dieses Gas mindestens 120 Jahre in der Atmosph√§re verweilt. In den letzten 120 Jahren haben wir Menschen aber zunehmend mehr CO2-Emissionen produziert, die Erderw√§rmung wird also nicht weniger werden und somit der Meeresspiegelanstieg nicht aufh√∂ren.

Ich will Ihnen jetzt keine Angst machen und das wollen auch die immer neu erscheinenden Studien nicht ‚Äď sie liefern Informationen, die uns helfen k√∂nnen, die Situation besser einzusch√§tzen und zu handeln. Es sollte unser aller Bewusstsein sch√§rfen. Die K√ľstenregionen unserer Erde werden in 50 Jahren auf alle F√§lle anders aussehen als im Moment, das sollte allen klar sein.

Und wenn wir die Treibhausgasemissionen nicht deutlich reduzieren, am besten weltweit auf Null bekommen, wird der Meeresspiegel immer schneller ansteigen. Hochwasser, √úberschwemmungen und St√ľrme werden st√§rker, sie werden gr√∂√üere Sch√§den anrichten, mehr Land geht verloren.


Die Politik, die Wirtschaft und jeder Einzelne von uns muss seinen Beitrag leisten, damit wir unseren Kindern und Kindeskindern einen lebenswerten Planeten hinterlassen.

Michaela Koschak ist Wetter- und Klimaexpertin und kennt sich mit der Atmosphäre bestens aus. Wenn Sie manchmal unsicher sind, was es mit der Klimakrise und dem Wetter auf sich hat, lesen Sie die Kolumne unserer Diplom-Meteorologin. Je mehr Sie zum Thema wissen, desto weniger verfallen Sie in Panik und desto bewusster und schonender gehen Sie mit der Umwelt um.

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