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Coronavirus: So sehen Ärzte nach 13 Stunden Krankenhaus-Schicht aus

Eindrückliche Bilder  

So leiden Pfleger und Ärzte unter den Corona-Schichten

23.03.2020, 13:18 Uhr | t-online, joh

Video-Botschaft von Ärzten: "Wir können die Toten nicht mehr zählen"

Italien hat weltweit die meisten offiziell gemeldeten Covid-19-Todesfälle. Gleichzeitig ist die Zahl der Infizierten auf über 41.000 gestiegen. Ärzte und Pfleger erzählen, in welche Notlage sie das bringt. (Quelle: t-online.de)

"Wir können die Toten nicht mehr zählen": Ärzte und Pfleger aus Italien erzählen, in welche Notlage sie die Coronavirus-Krise bringt. (Quelle: t-online.de)


Im Moment gibt es kaum einen Berufsstand, der wichtiger ist: Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger tun ihr Bestes im Kampf gegen Covid-19 – trotz Gefahren für die eigene Gesundheit. Viele von ihnen zeigen nun ihr Gesicht.

Die Ausbreitung des Coronavirus hält die Menschen weltweit in Atem. Besonders in Italien ist die Lage in den Krankenhäusern dramatisch: Die Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte versorgen rund um die Uhr Infizierte und Erkrankte. Nun haben einige Pfleger Bilder von sich geteilt, auf denen deutlich Spuren dieser anstrengenden Zeit zu sehen sind.

Eine von ihnen ist Alessia Bonari. Sie ist Krankenschwester in Mailand. Zu ihrem Foto schreibt sie: "Ich bin Krankenschwester und kümmere mich im Moment um diesen medizinischen Notfall. Ich habe Angst zur Arbeit zu gehen", erklärt sie. Sie habe Angst, weil die Maske vielleicht nicht gut auf ihrem Gesicht haften würde, oder sie versehentlich mit schmutzigen Handschuhen in Berührung kommen könne, oder weil die Schutzbrillen ihre Augen nicht ganz bedecken und etwas durchlassen könnten.

"Ich bin körperlich müde, denn die Schutzausrüstung tut weh, der Kittel bringt mich zum Schwitzen, und wenn ich einmal angezogen bin, kann ich sechs Stunden lang nicht zur Toilette gehen oder etwas trinken. Ich bin psychisch müde, ebenso wie alle meine Kollegen, die seit Wochen in der gleichen Verfassung sind wie ich, aber das wird uns nicht daran hindern, unsere Arbeit wie immer zu tun", schreibt die junge Italienerin.

"Können uns selbst krank machen"

Bonari schreibt, sie werde ihre Patienten weiterhin behandeln und pflegen, denn sie sei stolz darauf und liebe ihre Arbeit. Was sie nun von denjenigen verlange, die ihren Beitrag lesen, sei, zu Hause zu bleiben, sodass die Schwächeren geschützter sind. "Wir jungen Menschen sind gegen das Coronavirus nicht immun, auch wir können krank werden oder schlimmer noch, wir können uns selbst krank machen", sagt Alessia Bonari. Sie könne sich den Luxus nicht leisten, in Quarantäne zu Hause zu bleiben. Sie müsse zur Arbeit gehen und ihren Teil dazu beitragen. "Tun Sie Ihren, ich bitte Sie darum", lautet ihr eindringlicher Appell. Mehr als eine Million Menschen haben ihr Bild mit "Gefällt mir" markiert.

"Wird vorübergehen"

Auf einem weiteren Bild ist ein Arzt zu sehen, der sich selbst nach einer langen Schicht fotografiert hat. "Ich mag keine Selfies, aber gestern habe ich dieses Foto nach 13 Stunden auf der Intensivstation aufgenommen, nachdem ich alle Schutzvorrichtungen abgenommen hatte. All das wird vorübergehen, wenn wir in einer einzigen, starken Gemeinschaft vereint bleiben", schreibt Nicola Sgarbi zu dem Bild.

Non amo i selfie. Ieri, però, questa foto me la sono scattata. Dopo 13 ore in Terapia Intensiva, dopo essermi tolto...

Posted by Nicola Sgarbi on Saturday, March 14, 2020

Angesichts immer neuer Rekordwerte bei den Toten und Infizierten geht Italien einen weiteren, extremen Schritt: Bis zum 3. April sollen in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone alle Firmen und Fabriken geschlossen bleiben, die nicht essenziell wichtig für das tägliche Leben sind. Bis Samstag waren in Italien offiziell 53.578 Menschen infiziert und 4.825 gestorben.


Nicht nur in den italienischen Krankenhäusern ist die Lage angespannt. Weltweit kämpft das Pflegepersonal um jeden einzelnen Erkrankten. Auch Natalie Silvey aus London teilt ein Selfie und ihre Erfahrungen. Dazu schreibt sie: "Das ist das Gesicht von jemandem, der gerade neun Stunden in persönlicher Schutzausrüstung verbracht hat, um kritisch kranke Covid19-Patienten in London zu transportieren." Sie fühle sich gebrochen. "Und wir sind erst am Anfang", schreibt sie. Deshalb flehe sie die Menschen an, die soziale Distanz einzuhalten und sich selbst zu isolieren.

Das Portal "Travelito" teilte die Bilder der italienischen Krankenpfleger. Nutzer kommentieren mit anerkennenden Worten. Kritisiert wird aber, dass die Fotos bearbeitet worden seien. "Ich sah auch so aus", erklärt dennoch eine Krankenschwester aus England. Und auch andere bestätigen: "Obwohl die Aufnahmen bearbeitet sind, kann man die Spuren der Masken auch auf den originalen Fotos erkennen."

Das chinesische Magazin "People's Daily China" postete ebenfalls bei Twitter Bilder von Krankenschwestern, die in ihrem unermüdlichen Einsatz alles geben. Darunter häufen sich Kommentare von Nutzern. "Gott beschütze sie, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um Menschen zu helfen", schreibt ein Twitter-Nutzer. "Für jedes Desaster findet man auch einen Lichtstrahl", schreibt eine andere Nutzerin dazu.

Trotz des weltweiten Kampfes gegen die Lungenkrankheit Covid-19 haben sich nach Angaben von US-Experten fast 330.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Knapp 14.400 Covid-19-Tote seien bisher gezählt worden, berichteten die Wissenschaftler der US-Universität Johns Hopkins.

In Großbritannien spitzt sich die Coronavirus-Krise zu. "Wir wissen, was auf uns zukommt – und wir wissen, dass das gewaltig sein wird", zitierte der Fernsehsender Sky News am Wochenende einen Mediziner eines Londoner Krankenhauses, der anonym bleiben wollte. Ärzte haben laut britischen Medienberichten schon die offizielle Anweisung bekommen, nach Überlebenschancen der Patienten abzuwägen, wer Hilfe erhält.

Verwendete Quellen:

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