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Dresden: Kind stirbt bei vermeintlichem Autorennen – Fahrer verhaftet

Ermittlungen in Dresden  

Kind stirbt bei vermeintlichem Autorennen – Fahrer verhaftet

23.08.2020, 18:54 Uhr | dpa

Dresden: Kind stirbt bei vermeintlichem Autorennen – Fahrer verhaftet . Ein Polizist steht auf einer abgesperrten Straße neben einem schwarzen Mercedes, der in einen Verkehrsunfall verwickelt ist. In und an dem Fahrzeug sitzen zwei Männer, die in dem Auto mitgefahren waren.  (Quelle: dpa/Roland Halkasch)

Ein Polizist steht auf einer abgesperrten Straße neben einem schwarzen Mercedes, der in einen Verkehrsunfall verwickelt ist. In und an dem Fahrzeug sitzen zwei Männer, die in dem Auto mitgefahren waren. (Quelle: Roland Halkasch/dpa)

Am Tag danach erinnern nur noch Markierungen auf der Straße an die Tragödie. Ein Junge ist tot – möglicherweise weil sich zwei Männer ein illegales Autorennen lieferten. Einer der beiden wurde nun verhaftet.

Nach dem tödlichen Verkehrsunfall mit einem sechsjährigen Kind hat die Polizei einen 31 Jahre alten Autofahrer am Sonntag festgenommen. Im Zuge der Ermittlungen habe sich der Verdacht erhärtet, dass es ein illegales Autorennen gegeben hatte, teilte die Polizeidirektion Dresden mit. Beamte hätten den Mann am Nachmittag in seiner Wohnung in Dresden-Löbtau festgenommen. Er befinde sich in Polizeigewahrsam und werde am Montag einem Ermittlungsrichter vorgeführt, hieß es.

Der Junge war am Samstagabend beim Überqueren einer Straße vom Wagen des 31-Jährigen erfasst worden. Das Kind wurde gegen eine Bushaltestelle geschleudert und kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus, wo es wenig später starb. Zeugen hatten ausgesagt, dass sich der 31-Jährige mit einem 23-Jährigen ein Rennen lieferte.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung laufen

Gegen den 31-Jährigen wird wegen fahrlässiger Tötung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt. Zudem wurde gegen beide Männer ein Ermittlungsverfahren wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens eingeleitet, teilte die Polizei weiter mit. Die Führerscheine der beiden Männer wurden eingezogen.

Am Tag darauf erinnerten nur noch Markierungen von der Unfallaufnahme an das Unglück. Nach Angaben der Polizei waren insgesamt drei Kinder über die Straße gerannt. Die anderen blieben unverletzt.

Sachsen, Dresden: Ein einzelner Sportschuh liegt nach einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle zwischen Glasscherben in einem Farbkreis der Spurensicherung der Polizei.  (Quelle: dpa/Roland Halkasch)Sachsen, Dresden: Ein einzelner Sportschuh liegt nach einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle zwischen Glasscherben in einem Farbkreis der Spurensicherung der Polizei. (Quelle: Roland Halkasch/dpa)

Illegale Straßenrennen seit 2017 Straftat

Raserei und illegale Straßenrennen gelten seit 2017 in Deutschland als Straftat und nicht mehr als Ordnungswidrigkeit. Nach dem Strafgesetzbuch wird das mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet. In Berlin sorgte ein Fall aus dem Jahr 2016 für Schlagzeilen, bei dem ein Raser wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Er hatte sich mit einem anderen Mann in der Berliner Innenstadt ein Rennen geliefert. Bei der Kollision mit einem anderen Auto starb ein Rentner. Der Bundesgerichtshof hatte vor ein paar Wochen das Urteil bestätigt.

Eine Umfrage unter den Bundesländern ergab unlängst, dass die Zahl der Raser und "Rennfahrer" auf Deutschlands Straßen wächst. Obwohl die Bundesregierung dies zum Straftatbestand machte, sind die Fallzahlen in vielen Bundesländern zum Teil dramatisch gestiegen. Demnach zählte die Polizei in neun Bundesländern im Jahr 2019 rund 1.900 Fälle, etwa 700 mehr als ein Jahr zuvor. Darunter fallen neben illegalen Rennen auch Einzelraser, die mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs waren sowie Flucht vor der Polizei bei Verfolgungsjagden.

Organisierte illegale Rennen kommen kaum noch vor

Experten zufolge kommen organisierte illegale Rennen kaum noch vor. Häufig sind dagegen kurzfristige Rennen oder spontane Aufeinandertreffen. "Es kann auch einer allein sein, der sozusagen gegen die Stoppuhr fährt", sagt der Sprecher des bayerischen Innenministeriums.

Verkehrssicherheitsforscher Jörg Kubitzki vom Allianz Zentrum für Technik in Ismaning (Bayern) sieht das Raserphänomen als extreme Ausprägung allgemein zunehmender Rücksichtslosigkeit im Verkehr: "Die Mehrheit der Autofahrer verhält sich vernünftig, dennoch muss man bei einer wachsenden Zahl von Menschen einen Verfall der Verkehrsmoral beklagen, der sich auch noch durch eine ganze Reihe anderer Gefährdungen im Straßenverkehr ausdrückt."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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