Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextNRW: Schwarz-grĂŒne Sondierungen beendetSymbolbild fĂŒr einen TextBayer knackt EurojackpotSymbolbild fĂŒr einen TextLetzte "Salem-Hexe" freigesprochenSymbolbild fĂŒr einen TextPalĂ€stinenser stirbt bei ZusammenstĂ¶ĂŸenSymbolbild fĂŒr einen TextRussland schickt Propaganda-Trucks nach MariupolSymbolbild fĂŒr einen TextSpritpreise könnten wegen Tankrabatt steigenSymbolbild fĂŒr einen TextRTL-Serie verliert drei StarsSymbolbild fĂŒr einen Text"Stranger Things" bekommt WarnhinweisSymbolbild fĂŒr einen TextMercedes-Bank kĂŒndigt 340.000 KundenkontenSymbolbild fĂŒr einen TextWas ist eigentlich "Catcalling"?Symbolbild fĂŒr einen Watson TeaserAldi erwĂ€gt große Änderung an der Kasse

Ein Corona-Musterland wird zum alarmierenden Beispiel

  • T-Online
Von Alexander Kohne, Tórshavn (FÀröer Inseln)

Aktualisiert am 02.11.2021Lesedauer: 5 Min.
Die Corona-Infektionszahlen auf den FÀröer-Inseln sind explodiert: Auch das Krankenhaus von Tórshavn ist besorgt.
Die Corona-Infektionszahlen auf den FÀröer-Inseln sind explodiert: Auch das Krankenhaus von Tórshavn ist besorgt. (Quelle: Alexander Kohne/T-Online-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

2020 vermeldeten die FĂ€röer als erstes Land in Europa "Zero Covid". Doch nun explodieren die Zahlen auf der abgelegenen Inselgruppe im Nordatlantik förmlich – und die GrĂŒnde sind auch fĂŒr Deutschland interessant.

Die Masken bleiben hier nicht lange auf. Sobald die Reisenden die tĂŒrkisblauen SchwenktĂŒren zur Seite geschoben haben, steuern die meisten zielstrebig auf ihre Verwandten zu, reißen sich die Schutzmasken vom Gesicht und umarmen die Wartenden.


Booster-Impfung: FĂŒr wen sie besonders wichtig ist

Senior: Über 80-JĂ€hrige sollten sich den dritten Piks abholen, weil bei ihnen die Immunantwort nach der Impfung oft nicht so stark ausfĂ€llt. Zudem zĂ€hlen sie generell zu den Risikogruppen fĂŒr einen schweren Verlauf von Covid-19. (Symbolbild)
Tabletteneinnahme: Bestimmte Medikamente wie Immunsuppressiva fĂŒhren zu einer ImmunschwĂ€che. Diese wiederum kann die Wirkung der Corona-Impfung beeintrĂ€chtigen. Allen Personen mit ImmunschwĂ€che wird deshalb eine Booster-Impfung empfohlen. (Symbolbild)
+3

Ähnliche Szenen gibt es an Tausenden anderen FlughĂ€fen weltweit. Doch an diesem Freitag am Flughafen in VĂĄgar auf den FĂ€röer-Inseln ist das Fernsehen da. KVF. Der einzige Sender des Landes. Bei jedem der beschriebenen AnkĂŒnfte wird mit der Kamera draufgehalten.

Der Grund: Dieser 22. Oktober ist der erste Tag, an dem die Maskenpflicht auf den FÀröern auch im FlughafengebÀude nicht mehr gilt. Damit ist die Zeit der Masken im öffentlichen Raum auf der Inselgruppe im Nordatlantik vorbei.

Seit nunmehr zwei Wochen schnellen die Corona-Zahlen auf dem Archipel zwischen Island, Norwegen und Schottland allerdings massiv nach oben. Am Wochenende ĂŒberschritt die Inzidenz erstmals die Marke von 1.000. Am Montag lag der Wert gar bei 1.166. Einen Tag spĂ€ter wurde er mit 1.016 ausgewiesen und lag damit beinahe siebenmal so hoch wie in Deutschland.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Sanktionen treffen jetzt auch manche deutsche Rentner
Anti-Kriegs-Demo in MĂŒnchen (Symbolbild): Mit Sanktionen gegen Russland versucht der Westen, das Kriegstreiben Putins aufzuhalten.


Höchster Inzidenzwert in Europa

Damit liegen die FĂ€röer europaweit auf Platz eins – deutlich vor Estland (908) und Lettland (862). Deutschland kommt auf einen im Vergleich dazu moderaten Wert von knapp 153.

Dabei galt die Corona-Pandemie auf der Inselgruppe, die autonomer Bestandteil des Königreichs DĂ€nemark ist, als weitgehend eingedĂ€mmt. Als erstes Land Europas verkĂŒndeten die FĂ€röer nicht ohne Stolz, offiziell frei vom Coronavirus zu sein. "Unser harter Kampf hat sich ausgezahlt", sagte MinisterprĂ€sident BĂĄrĂ°ur ĂĄ Steig Nielsen damals. Es galten ein weitgehender Lockdown und eine zweiwöchige QuarantĂ€ne fĂŒr alle Einreisenden. Das war Anfang Mai 2020. Die Vision von "Zero Covid" war RealitĂ€t.

Gut eineinhalb Jahre spĂ€ter ist es damit vorbei. Aktuell gibt es ĂŒber 700 aktive Corona-FĂ€lle – also deutlich mehr als ein Prozent der knapp 54.000 Einwohner.

"Das sind mit Abstand der höchsten Werte, die wir hier je hatten. Weil wir so ein kleines Land sind, wirkt sich ein einziger Ausbruch stark aus", sagt Marnar FrĂ­Ă°heim Kristiansen. Der 31-jĂ€hrige Epidemiologie – leger gekleidet mit dunkelblauem Poloshirt, schwarzer Stoffhose und schwarzen Sneakern – forscht aktuell am Krankenhaus der Hauptstadt TĂłrshavn fĂŒr seine Doktorarbeit. Eigentlich ist sein Spezialgebiet die Krebsforschung, seit MĂ€rz 2020 hat er sich jedoch auch der Analyse der Corona-Pandemie verschrieben.

Marnar Fríðheim Kristiansen: Der Arzt hat mehrere wissenschaftliche Arbeiten zur Corona-Pandemie auf den FÀröern mitpubliziert.
Marnar Fríðheim Kristiansen: Der Arzt hat mehrere wissenschaftliche Arbeiten zur Corona-Pandemie auf den FÀröern mitpubliziert. (Quelle: Alexander Kohne/T-Online-bilder)

Kristiansen lacht viel. Doch die aktuelle Lage bereitet ihm Sorgen. "Ich bin mir nicht sicher, ob man die derzeitige Situation wirklich schon 'Krise' nennen kann. Aber die Situation ist kritisch", verdeutlicht der Arzt, der – wie viele FĂ€ringer – in Kopenhagen studiert hat. "Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird sie sicherlich zu einer Krise werden, weil unser eigentlich sehr gutes Gesundheitssystem irgendwann an seine Grenzen stĂ¶ĂŸt."

Was er damit meint: Aktuell gibt es elf Corona-FÀlle, die im Krankenhaus behandelt werden. Bisher hauptsÀchlich Senioren jenseits der 70, zuletzt war aber auch ein Neugeborenes dabei.

Von den fĂŒnf Betten auf der Intensivstation wurden seit dem Ausbruch der Pandemie maximal zwei parallel von Corona-Patienten belegt. Schwere FĂ€lle mĂŒssen allerdings durchaus auch mal 1.500 Kilometer nach DĂ€nemark geflogen werden, weil Ausstattung und KapazitĂ€ten der dortigen Kliniken besser sind.

Das Krankenhaus von TĂłrshavn ist das grĂ¶ĂŸte auf den FĂ€röer-Inseln. Schwere Corona-FĂ€lle werden dennoch zur Behandlung nach DĂ€nemark geflogen.
Das Krankenhaus von TĂłrshavn ist das grĂ¶ĂŸte auf den FĂ€röer-Inseln. Schwere Corona-FĂ€lle werden dennoch zur Behandlung nach DĂ€nemark geflogen. (Quelle: Alexander Kohne/T-Online-bilder)

Schwere Covid-VerlĂ€ufe sind auf den FĂ€röern bislang sehr selten. TodesfĂ€lle gab es bisher drei. Dies liegt auch daran, dass knapp 71 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft sind. Bei den ĂŒber ZwölfjĂ€hrigen haben fast 90 Prozent zumindest die erste Impfung bekommen.

Warum ist das ehemalige "Zero Covid"-Land innerhalb weniger Tage trotzdem zu Europas Hotspot Nummer eins geworden? "Wir hatten zuletzt einige Superspreader-Events", erklĂ€rt Shahin Gaini. Er ist UniversitĂ€tsprofessor in TĂłrshavn und Experte fĂŒr Infektionskrankheiten.

Der Name Shahin – die FĂ€ringer nennen sich meist nur beim Vornamen – ist auf den Inseln fast jedem gelĂ€ufig. In Sachen Bekanntheit ist er so etwas wie der fĂ€röische Christian Drosten. Fragen beantwortet der renommierte Mediziner momentan aber nur telefonisch, denn er ist krank. Grippe. "Zum GlĂŒck kein Corona", sagt er.


Die von Gaini beschriebenen "Superspreader-Events" – in Schulen, beispielsweise aber auch auf einem kirchlichen Feriencamp – haben vor allem junge, meist ungeimpfte Menschen betroffen. Diese haben das Virus oft unbemerkt mit nach Hause zu ihren Familien gebracht und es dort weiterverbreitet.

Epidemiologe Marnar FrĂ­Ă°heim Kristiansen hat Ähnliches erlebt, nur brachten nicht seine Kinder, sondern er selbst das Virus mit nach Hause – trotz aller Vorsicht, zweifacher Impfung und der stĂ€ndigen Tests im Krankenhaus. Danach steckte er seine Kinder an, die allerdings milde VerlĂ€ufe hatten. Ihn selbst traf es ein wenig hĂ€rter.

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen ĂŒbermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Das besondere Problem der FÀröer

Der Fall ist sinnbildlich fĂŒr ein Problem, das auf den FĂ€röern trotz der geringen Bevölkerungsdichte eher auftritt als in vielen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern. "Wir haben sehr enge familiĂ€re Bande und leben eng zusammen. Man sieht seine Familie einfach relativ oft und wir haben viele soziale Kontakte", erklĂ€rt Kristiansen.

Zudem verbrÀchten die FÀringer gerade im Herbst, wenn es noch mehr regnet als sich die meisten KontinentaleuropÀer vorstellen können, und im Winter viel Zeit in geschlossenen RÀumen. "Wenn eine Person infiziert ist, ist das Potenzial sehr hoch, viele andere zu infizieren", so der Arzt weiter.

Und das ist zuletzt immer hĂ€ufiger geschehen. Zudem seien vermehrt bereits geimpfte Personen infiziert worden – oft ohne Symptome zu haben. Feste Corona-Bestimmungen wie in Deutschland gibt es derweil nicht. Die obligatorischen Tests am Flug- oder FĂ€hrhafen wurden ab September abgeschafft. Nun wird lediglich empfohlen, sich innerhalb von 48 Stunden nach Ankunft kostenfrei testen zu lassen.

Loading...
Loading...
Loading...

Gaini kritisiert: "Die Politiker waren naiv"

Gaini ist damit gar nicht zufrieden. "Die Politiker waren naiv. Als die Fallzahlen im Sommer runtergegangen sind, haben sie gedacht, dass sich das Problem erledigt hat", sagt der Professor. Deshalb seien die Corona-Regeln StĂŒck fĂŒr StĂŒck zurĂŒckgenommen worden. Außerdem hĂ€tten die Behörden Fehler in der Kommunikation gemacht und viele Menschen durch sich teils widersprechende Angaben verunsichert. Das Ergebnis sehe man aktuell.

Deshalb plĂ€diert er fĂŒr einen Weg, mit dem er sich auf den FĂ€röern nicht nur Freunde macht. "Wenn Sie mich fragen, sollten wir einen einwöchigen Lockdown einfĂŒhren", so Gaini. "Einen totalen Lockdown fĂŒr das ganze Land inklusive Schulen, Nachtleben und andere AktivitĂ€ten." Aktuell sind nur ausgewĂ€hlte Schulen, meist in besonders stark betroffenen Gemeinden, geschlossen. Am Montag stellte auch die UniversitĂ€t grĂ¶ĂŸtenteils auf Fernunterricht um. Freiwillig.

Schnelltests als Option

Ähnlich wie Gaini sieht auch Kristiansen die aktuellen Maßnahmen. "Was wir im Moment machen, funktioniert einfach nicht", sagt der 31-JĂ€hrige. Man habe sich zu lange nur auf Impfungen und vor allem auf Tests verlassen. Aber das sei nicht genug. "Wir brauchen einen Strategiewechsel."

In diesem Zusammenhang fĂŒhrt er unter anderem die PCR-Tests bei der Einreise an. Zusammen mit der Kontaktverfolgung hatte sich das als "sehr effektiv herausgestellt". Auch die Ausgabe von kostenlosen Schnelltests am Flughafen hĂ€lt Kristiansen fĂŒr ein gutes Instrument.

FĂŒr Gaini ist indes eines klar: "Wenn die Zahlen nicht runtergehen, haben wir ein großes Problem." Er kann sich zudem vorstellen, dass Situationen wie aktuell auf den FĂ€röern auch woanders auftreten könnten: "NatĂŒrlich. Das kann auch in anderen LĂ€ndern passieren", so der Mediziner, der glaubt, dass "wir in diesem Jahr sehr viele AusbrĂŒche in Europa sehen werden." Gaini sagt aber auch: "Es wird ein harter Winter, aber nicht so hart wie im letzten Jahr."

Weitere Artikel


Dieser Artikel entstand in Kooperation mit der fÀröischen Wochenzeitung "DimmalÊtting". Mehr lesen Sie hier.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
DeutschlandDĂ€nemarkEuropaInzidenzIslandLockdownNorwegenSchottland
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website