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Rabbi zu Geiselnahme in US-Synagoge: Konnten selbst flĂŒchten

Von dpa
Aktualisiert am 17.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Polizeifahrzeuge stehen wÀhrend der Geiselnahme auf der Zufahrt der Synagoge in Colleyville.
Polizeifahrzeuge stehen wÀhrend der Geiselnahme auf der Zufahrt der Synagoge in Colleyville. (Quelle: Brandon Wade/AP/dpa./dpa)
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Colleyville/Washington (dpa) - Zwei Tage nach der Geiselnahme in einer Synagoge im US-Bundesstaat Texas sind neue Details zu der Tat bekanntgeworden.

Eine der Geiseln, Rabbi Charlie Cytron-Walker, gab am Montag in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS Einblick in die dramatischen Stunden mit dem Geiselnehmer und berichtete, er und die anderen Festgehaltenen hĂ€tten sich am Ende selbst befreien können. Als er eine Gelegenheit gesehen habe, habe er einen Stuhl auf den TĂ€ter geworfen und sei gemeinsam mit den anderen Geiseln geflĂŒchtet, erzĂ€hlte der Rabbi. Sie hĂ€tten sich befreien können, "ohne dass ein einziger Schuss fiel".

Ein Mann - laut Polizei ein 44 Jahre alter Brite - hatte Cytron-Walker und drei andere Personen am Samstag in der Synagoge in Colleyville nahe Dallas als Geiseln genommen. Eine Geisel wurde am frĂŒhen Samstagabend freigelassen. Die ĂŒbrigen Festgehaltenen kamen erst ein paar Stunden spĂ€ter frei. Alle vier blieben unverletzt. Der TĂ€ter kam ums Leben. UrsprĂŒnglich hatte es geheißen, SpezialkrĂ€fte seien in das Gotteshaus eingedrungen und hĂ€tten die Geiseln befreit. Die Polizei hat sich bislang allerdings nicht im Detail zu den UmstĂ€nden rund um das Ende der Geiselnahme geĂ€ußert und auch offen gelassen, wie genau der TĂ€ter starb.

US-Medien hatten unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet, der Geiselnehmer habe eine in Texas inhaftierte pakistanische Wissenschaftlerin freipressen wollen, die 2010 wegen versuchten Mordes an US-Soldaten in Afghanistan verurteilt wurde.

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Cytron-Walker sagte, in der letzten Stunde der Geiselnahme habe sich die Lage verschlechtert. Der TĂ€ter habe nicht bekommen, was er wollte. "Es sah nicht gut aus", erzĂ€hlte der Rabbi. "Wir hatten große Angst." Als sich die Gelegenheit geboten habe, seien sie geflĂŒchtet.

Der Geiselnehmer drang nach Angaben des Rabbi nicht gewaltsam in die Synagoge ein. Er klopfte an eine TĂŒr und bat um Einlass - wohl unter dem Vorwand, er suche Obdach. Cytron-Walker sagte, er habe den Mann hereingelassen, ihm einen Tee gemacht und sich mit ihm unterhalten. In diesem Moment sei ihm nichts VerdĂ€chtiges aufgefallen. Erst bei dem anschließenden Gottesdienst, als er mit dem RĂŒcken zu dem Mann gestanden habe, habe er ein Klicken gehört. "Und es stellte sich heraus, dass das seine Waffe war."

Der Rabbi betonte, die anderen Geiseln und er seien nicht körperlich verletzt worden. Doch die Situation sei sehr bedrohlich gewesen. "Wir sind noch dabei, das zu verarbeiten."

Die Bundespolizei FBI hat den Geiselnehmer als den britischen StaatsbĂŒrger Malik Faisal A. identifiziert und nach eigenen Angaben Ermittlungen "mit globaler Reichweite" zum Motiv und möglichen Kontakten des Mannes gestartet. Der britische Nachrichtensender Sky News berichtete unter Berufung auf den Bruder des Geiselnehmers, der Mann habe unter schweren psychischen Problemen gelitten. Der Bruder soll nach eigenen Angaben an den Verhandlungen mit dem Geiselnehmer teilgenommen und versucht haben, ihn zur Aufgabe zu bewegen. Es habe aber nichts gegeben, was ihn dazu hĂ€tte bringen können, zitierte Sky News den Bruder. Die Familie entschuldige sich bei den Opfern, berichtete der Sender weiter.

Nach der Geiselnahme in Texas nahm die Anti-Terror-Polizei in Großbritannien zwei junge MĂ€nner fest. Die beiden Teenager seien im SĂŒden Manchesters gefasst worden und wĂŒrden nun vernommen, teilte die zustĂ€ndige Ermittlungsbehörde in der Nacht zu Montag ĂŒber Twitter mit. Weitere Details wurden zunĂ€chst nicht bekanntgegeben. Der Moscheeverband Muslim Council of Britain teilte mit, man gehe davon aus, dass es sich um einen Muslim gehandelt habe und verurteilte die Tat aufs SchĂ€rfste. Der Mann habe die Erwartungen an einen Muslim bei Weitem nicht erfĂŒllt, so die Mitteilung.

Die "Washington Post" berichtete am Montag unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Geiselnehmer von Colleyville sei Ende Dezember per Flugzeug in die USA eingereist. US-PrĂ€sident Joe Biden hatte am Sonntag gesagt, man gehe derzeit davon aus, dass der Mann seine Waffen auf inoffiziellem Weg gekauft habe. Bomben habe er, anders als von ihm selbst dargestellt, wohl nicht bei sich gehabt. Der Mann habe außerdem eine Nacht in einer Obdachlosenunterkunft verbracht. Biden bezeichnete die Tat als "Terrorakt".

US-Medien hatten unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet, der Mann habe die Freilassung der pakistanischen Wissenschaftlerin Aafia Siddiqui aus einem nahe gelegenen GefÀngnis in Texas erreichen wollen. Siddiqui wurde im Juli 2008 im afghanischen Ghasni festgenommen und 2010 wegen eines Angriffs auf US-Soldaten in Afghanistan von einem US-Bundesrichter zu 86 Jahren Haft verurteilt. Siddiqui hatte an einer der US-Elite-UniversitÀten studiert. SpÀter wurde ihr Name von US-Behörden auf eine Liste von VerdÀchtigen gesetzt, die mit Al-Kaida-Terroristen in Verbindung stehen könnten.

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