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Sieben-Tage-Inzidenz ├╝ber 500: Wie schlimm ist das?

Von dpa
Aktualisiert am 16.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Zahlreiche Menschen warten im Berliner Stadtteil Neuk├Âlln auf ihren Corona-Test.
Zahlreiche Menschen warten im Berliner Stadtteil Neuk├Âlln auf ihren Corona-Test. (Quelle: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Die Infektionszahlen kennen im Moment nur eine Richtung: steil nach oben. So ├╝berstieg die vom Robert Koch-Institut (RKI) gemeldete Sieben-Tage-Inzidenz erstmals die Marke von 500. Vor nicht allzulanger Zeit galt noch 50 als kritische Schwelle.

Nun ist der Wert mit 515,7 mehr als zehn Mal so hoch. Gleichzeitig sind gro├če Teile der Bev├Âlkerung geimpft, zudem gilt die sich rasant ausbreitende Omikron-Variante als weniger krankmachend. Auch deshalb ist ein Kollaps der Kliniken und anderer wichtiger Bereiche bislang ausgeblieben. Doch die Frage steht im Raum, was Deutschland bei einer Inzidenz jenseits der 500 bl├╝ht.

Wieler: "Neue Phase der Pandemie"

RKI-Pr├Ąsident Lothar Wieler sieht mit der rasanten Ausbreitung der neuen Omikron-Variante eine "neue Phase der Pandemie", in der weniger die reinen Fallzahlen, sondern die Zahl der Schwerkranken entscheidend sein werden. Doch bislang schl├Ągt sich die Omikron-Welle nicht auf die Intensivstationen nieder. Die Zahl der dort behandelten Corona-Patienten ist seit der ersten Dezemberh├Ąlfte von rund 5000 auf zuletzt 2799 zur├╝ckgegangen. Auch mussten laut RKI zuletzt nur etwa halb so viele Menschen wegen Corona in eine Klinik wie Anfang Dezember - mit recht stabilen Werten in den vergangenen Tagen. Allerdings schlagen sich hohe Infektionszahlen erst mit Verzug auf Kliniken und Intensivstationen nieder, weil bis zur Einlieferung einige Zeit vergeht.

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Wieler warnt davor, dass durch die Masse an Infektionen - Omikron verbreitet sich deutlich schneller als Delta - auch die Zahl der Hospitalisierungen und der Todesf├Ąlle wieder steigen d├╝rfte. Doch die entscheidende Frage ist: Wie stark? Mit Blick auf Intensivstationen sagt Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters: "Einen Wiederanstieg der Zahl der Intensivpatienten in Deutschland d├╝rften wir noch nicht ganz so schnell sehen." W├Ąhrend bei Delta rund jeder f├╝nfte Corona-Patient, der in ein Krankenhaus kam, intensivmedizinische Versorgung ben├Âtigt habe, sei es bei Omikron nur ungef├Ąhr jeder Zehnte.

Sorge um ├Ąltere Menschen

Die Frage, ab welcher Inzidenz - Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche - in Deutschland in den kommenden Wochen erneut reagiert werden muss, h├Ąngt f├╝r Karagiannidis ma├čgeblich davon ab, ob das Omikron-Wachstum in Deutschland ebenfalls so rasant verlaufen wird wie in anderen L├Ąndern. "Im Moment erwarte ich eher, dass wir es hierzulande ged├Ąmpft bekommen, durch die vergleichsweise guten und strengen Ma├čnahmen, wie zum Beispiel 2G plus." Noch seien aber nicht alle Fragen in Hinblick auf deutsche Besonderheiten gekl├Ąrt: "Offen ist: Was passiert, wenn Omikron bei ├Ąlteren und hochaltrigen Menschen ankommt? Das bereitet mir noch Sorgen", sagte er. Die Inzidenzen in Deutschland sind derzeit bei jungen Menschen deutlich h├Âher als bei ├älteren.

Rechtzeitiges Gegensteuern bei wachsender Belastung h├Ąlt Karagiannidis in jedem Fall f├╝r m├Âglich. "Es explodiert nicht alles nach zwei Tagen." Dass erneut Schwerkranke innerhalb Deutschlands verlegt werden m├╝ssen, wie auf dem H├Âhepunkt der Delta-Welle Ende 2021, erwartet er derzeit nicht.

Wenn deutsche Experten ein Gef├╝hl f├╝r einen m├Âglichen weiteren Verlauf der Pandemie bekommen wollen, geht der Blick auch nach Gro├čbritannien. Dort bremsen kaum Ma├čnahmen Omikron, und die Inzidenz ├╝berstieg zeitweise die Schwelle von 2000. Damit lag sie rund vier Mal so hoch wie in der Alpha-Welle vor einem Jahr. Die Zahl der Menschen, die im Krankenhaus k├╝nstlich beatmet werden m├╝ssen, ist jedoch deutlich niedriger: Durchschnittlich sind dies aktuell etwa 800 Patienten pro Tag, w├Ąhrend dieser Wert vor einem Jahr im Schnitt um die 4000 - also etwa f├╝nf Mal so hoch - lag.

Der Mediziner Azeem Majeed vom Imperial College London h├Ąlt die Infektionszahlen aber auch in Omikron-Zeiten weiterhin f├╝r einen wichtigen Indikator. Die Impfungen h├Ątten zwar den Zusammenhang zur Zahl der Krankenhauseinlieferungen geschw├Ącht, aber nicht komplett gebrochen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Aufgrund der schieren Masse an Neuinfektionen ist der Druck im 67-Millionen-Einwohner-Land Gro├čbritannien auf die Krankenh├Ąuser trotzdem gro├č. Dem "Guardian" zufolge haben seit Neujahr 24 Krankenh├Ąuser den Ernstfall ausgerufen. Das Milit├Ąr ist im Einsatz, um L├╝cken zu stopfen. Tausende Notfallpatienten mussten in den vergangenen Wochen stundenlang warten, bis sie behandelt wurden.

Recht gro├če Impfl├╝cke in Deutschland

Allerdings ist die Lage in Gro├čbritannien nat├╝rlich nicht eins zu eins mit der in Deutschland vergleichbar. Hierzulande macht die recht gro├če Impfl├╝cke Fachleuten Sorge. Sollten die Intensivstationen doch wieder volllaufen, muss die Politik wohl reagieren.

Besonderes Augenmerk gilt neben den Kliniken angesichts rasant steigender Infektionszahlen auch anderen Bereichen der sogenannten kritischen Infrastruktur. Dazu geh├Ârt zum Beispiel die Energie- und Wasserwirtschaft, wo nach Angaben des Branchenverbands BDEW insgesamt rund 282.200 Menschen arbeiten. Wie viele davon zum Schl├╝sselpersonal geh├Âren, etwa als Experten im Entst├Ârungsdienst oder in Leitwarten, kann der Verband nicht sagen.

Notfallpl├Ąne in den Unternehmen w├╝rden regelm├Ą├čig ├╝berpr├╝ft und bei Bedarf angepasst, erkl├Ąrt der BDEW. "Insbesondere f├╝r das Kernschl├╝sselpersonal bestehen seit Beginn der Pandemie besondere vorsorgende Schutzma├čnahmen, um den Eintrag und die Ausbreitung von Infektionen zu verhindern", hei├čt es. Bislang seien aber keine Versch├Ąrfungen notwendig gewesen.

F├╝r den Ernstfall vorgesehen sind laut BDEW zum Beispiel Notfallschichtpl├Ąne mit verl├Ąngerten Arbeitszeiten oder die Aufteilung in Teams, die keinen Kontakt miteinander haben. Zudem sei zus├Ątzliches Personal f├╝r besonders wichtige Prozesse geschult worden. "Auch k├╝rzlich in Ruhestand gegangene Besch├Ąftigte k├Ânnen bei Bedarf reaktiviert werden."

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