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Juwelendiebstahl von Dresden erneut vor Gericht

Von dpa
Aktualisiert am 22.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Eine bei dem Einbruch besch├Ądigte Vitrine im Juwelenzimmer im Historischen Gr├╝nen Gew├Âlbe. (Archivbild).
Eine bei dem Einbruch besch├Ądigte Vitrine im Juwelenzimmer im Historischen Gr├╝nen Gew├Âlbe. (Archivbild). (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa)
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Mehr als zwei Jahre liegt der spektakul├Ąre Juwelendiebstahl aus dem Historischen Gr├╝nen Gew├Âlbe Dresden schon zur├╝ck. Noch immer ist unklar, wie der Einbruch in das ber├╝hmte und bisher als "begehbarer Tresor" geltende barocke Schatzkammermuseum m├Âglich war ÔÇô und wo die kostbare Beute ist.

Mit Spannung wird der Prozess gegen sechs Beschuldigte am Landgericht der Elbestadt erwartet, der am kommenden Freitag (28. Januar) beginnt. Die Gro├če Strafkammer verhandelt wegen des Alters zweier Angeklagter zur Tatzeit als Jugendkammer und im besonders gesicherten Saal des Oberlandesgerichts. Sie hat sich auf Monate eingestellt und bis Ende Oktober zun├Ąchst 64 Tage terminiert, Fortsetzung m├Âglich.

Es war eine Minutensache: Zwei M├Ąnner dringen am Morgen des 25. November 2019 ins Residenzschloss ein, schlagen mit einer Axt L├Âcher in eine Vitrine und rei├čen 21 Schmuckst├╝cke heraus. Laut Anklage erbeuteten die Beschuldigten ├╝ber 4.300 Diamanten und Brillanten im Gesamtversicherungswert von mindestens 113,8 Millionen Euro ÔÇô und verursachten Sachsch├Ąden von gut einer Million Euro. Der Kunstdiebstahl machte auch international Schlagzeilen und schockte nicht nur die Museumswelt.

Entsprechend hoch ist das Medieninteresse. Auch die Zahl der Verfahrensbeteiligten macht den Prozess besonders: allein 14 Verteidiger ÔÇô Anw├Ąlte aus Dresden, Leipzig, Berlin, Hannover und Hamburg ÔÇô drei Staatsanw├Ąlte, Dutzende Zeugen.

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Schmuckst├╝cke, die beim Juwelendiebstahl in Dresden entwendet wurden (Archivbild).
Schmuckst├╝cke, die beim Juwelendiebstahl in Dresden entwendet wurden (Archivbild). (Quelle: J├╝rgen Karpinski/Gr├╝nes Gew├Âlbe/Polizeidirektion Dresden/dpa-bilder)

Coup eines Berliner Clans

Nach ├ťberzeugung der Ermittler geht der Coup auf das Konto von Mitgliedern eines arabischst├Ąmmigen Berliner Clans, der auch im Zusammenhang mit dem Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldm├╝nze aus dem Bode-Museum in Berlin 2017 steht.

Die bis zum Sommer 2021 nach und nach gefassten Verd├Ąchtigen sind drei Br├╝der und deren Cousins. Die Staatsanwaltschaft ist sicher, dass die unmittelbar Tatbeteiligten angeklagt sind: wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung.

Zwei Angeklagte wegen weiterer Tat in Berlin in U-Haft

Sie wirft ihnen auch vor, vor dem Einbruch einen Stromkasten in Schlossn├Ąhe sowie ein Fluchtauto in der Tiefgarage eines Wohnhauses in Brand gesetzt und damit den m├Âglichen Tod von dar├╝ber schlafenden Menschen in Kauf genommen zu haben. Und sie sollen bewaffnet gewesen sein.

Besonders pikant: Gegen zwei von ihnen lief zur Tatzeit der Prozess wegen der Goldm├╝nze am Berliner Landgericht. Sie waren noch auf freiem Fu├č. Im Februar 2020 wurden sie zu je viereinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt und sind inzwischen rechtskr├Ąftig hinter Gittern ÔÇô und ihre mutma├člichen Komplizen in Untersuchungshaft.

DNA-Spuren aus Autos und vom Tatort, Videos, Daten und Zeugenaussagen st├╝tzen den Ablauf der Tat, von dem die Staatsanwaltschaft ausgeht. "Das Verbrechen ist insoweit aufgekl├Ąrt", sagt ein Sprecher. Die Sonderkommission "Epaulette", benannt nach einem der prominenten Beutest├╝cke, ermittelt weiter zu den Hintergr├╝nden des dreisten Coups.

Einsatzkr├Ąfte der Polizei stehen im B├Ąrengarten neben einem durchtrennten Gitterfenster des Gr├╝nen Gew├Âlbes am Residenzschloss.
Einsatzkr├Ąfte der Polizei stehen im B├Ąrengarten neben einem durchtrennten Gitterfenster des Gr├╝nen Gew├Âlbes am Residenzschloss. (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-bilder)

Hatten die T├Ąter Insiderwissen?

Es gibt den Verdacht, dass die T├Ąter Insiderwissen hatten, und Vorw├╝rfe, Wachpersonal habe mit Unterlagen zu R├Ąumlichkeiten und Sicherheitssystem geholfen oder aktiv den Einbruch beg├╝nstigt. Hinreichenden Tatverdacht gegen vier Wachm├Ąnner gibt es bisher nicht.

Vier andere M├Ąnner, Deutsche und Polen, die den Tatort ausgesp├Ąht hatten und an der Vorbereitung beteiligt gewesen sein k├Ânnten, wurden befragt. Und die Soko sucht weiter nach den gestohlenen Preziosen, in den Diamant- und Brillantgarnituren in der Vitrine sind L├╝cken gelassen f├╝r den Fall der R├╝ckkehr.

Kunstfreunde setzen hohe Belohnung aus

"Wir tun alles Menschenm├Âgliche, sie zur├╝ckzubringen", sagt der Oberstaatsanwalt. Man sei weiter zuversichtlich. "Bisher wurden keine Hinweise f├╝r eine Zerst├Ârung oder f├╝r den Verkauf gefunden", begr├╝ndet Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) die Hoffnung. Prominente F├Ąlle zeigten, dass Jahre vergehen k├Ânnten bis zur Aufkl├Ąrung solcher Straftaten.

Noch immer ist eine Belohnung von 500.000 Euro ausgesetzt, auch f├╝r Hinweise, die zum Auffinden der Beute f├╝hren. Auch die eine Million Euro von privaten Kunstfreunden in Berlin steht noch bereit. Reden k├Ânnte sich auch f├╝r die Angeklagten auszahlen. "Die R├╝ckgabe der Schmuckst├╝cke k├Ânnte bei der Strafzumessung ber├╝cksichtigt werden", sagt der Oberstaatsanwalt.

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Auch die Beauftragte der Bundesregierung f├╝r Kultur und Medien hofft "selbstverst├Ąndlich, dass die gestohlenen Schmuckst├╝cke wieder auftauchen", wie ein Sprecher sagt. Sie werde den Prozess "mit gro├čem Interesse verfolgen". Wichtig seien vor allem "die sorgf├Ąltige Aufkl├Ąrung des Geschehens und die Lehren, die daraus f├╝r die Sicherheit der Museen in der Zukunft gezogen werden k├Ânnten".

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