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50 Jahre Iditarod - "Eines der letzten gro├čen Abenteuer"

Von dpa
Aktualisiert am 04.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Aliy Zirkle, US-amerikanische Hundemusherin, mit ihren Hunden auf dem Weg nach Shaktoolik.
Aliy Zirkle, US-amerikanische Hundemusherin, mit ihren Hunden auf dem Weg nach Shaktoolik. (Quelle: Sebastian Schn├╝lle/privat/dpa./dpa)
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Anchorage (dpa) - Schneest├╝rme, extreme Minustemperaturen und eine einsame Strecke durch die Wildnis von Alaska - ├╝ber 1800 Kilometer lang: zurecht hat das Iditarod den Ruf als das h├Ąrteste Schlittenhunderennen der Welt weg.

An diesem Wochenende gehen 49 Musher, darunter 17 Frauen, mit ihren Hundegespannen an den Start. "Es ist eines der letzten gro├čen Abenteuer", sagt der Deutsche Sebastian Schn├╝lle im dpa-Interview. Der geb├╝rtige Wuppertaler, in Ostfriesland aufgewachsen, kennt es aus eigener Erfahrung. Seit 2005 war er sieben Mal dabei. 2009 schaffte er die Strecke von Anchorage bis Nome in zehn Tagen und f├╝nf Stunden - und ging damit als Zweiter durchs Ziel.

Die meisten Teilnehmer sind geb├╝rtige Alaskaner, nur eine Handvoll Ausl├Ąnder - in diesem Jahr aus Norwegen, Schweden, D├Ąnemark und Frankreich - trauen sich das harte Abenteuer zu.

Herausforderungen

Was ist das Schwierigste daran? "Mit Abstand der Schlafentzug", sagt Schn├╝lle ohne eine Sekunde zu z├Âgern. Denn nach rund sechs Stunden Fahrt d├╝rfen die Hunde pausieren, doch f├╝r den sogenannten Musher geht die Arbeit weiter. "Man ist Koch, Masseur und muss sich um alles k├╝mmern", erz├Ąhlt der 51-j├Ąhrige Wahl-Kanadier. Das Futter f├╝r die Hunde wird zubereitet, deren Gelenke und Pfoten massiert, die Schuhe der Tiere m├╝ssen gewechselt werden. F├╝r die Schlittenlenker bleibt kaum Zeit zum Schlafen. Dann geht es schon zum n├Ąchsten Checkpoint weiter.

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Als Musher ist Schn├╝lle nun im Ruhestand, doch als Rennrichter ist er bei dem Wettbewerb weiter dabei. Wegen Corona war das Rennen im vorigen Jahr verk├╝rzt worden, einige Ortschaften wurden umfahren. Doch in diesem Jahr - dem 50. Jubil├Ąum - geht es wieder auf die traditionelle Strecke bis ins entlegene Nome an der Beringsee, ein Ort, der nur per Schiff oder Flugzeug, aber nicht mit dem Auto zu erreichen ist.

Das Iditarod-Rennen verdankt seinen Namen einem alten Pfad, der seit Ende des 19. Jahrhunderts entlegene Goldgr├Ąber- und Hafenorte im hohen Norden verband - durch menschenleere
Tundren, dichte W├Ąlder und ├╝ber vereiste Fl├╝sse hinweg. Ber├╝hmt wurde die Strecke 1925, als eine Diphtherieepidemie vor allem die Kinder der Ureinwohner in Nome bedrohte. Musher transportierten damals rettendes Serum in den entlegenen Ort.

Schlittenhunde

1973 ging es um eine andere Rettungsaktion. "Damals wurden die Schlittenhunde in den Orten immer mehr von motorisierten Schneemobilen verdr├Ąngt", erz├Ąhlt Chas St. George, Mitglied im Iditarod-Vorstand. Um die Tradition zu retten, riefen eine Handvoll Musher das Rennen ins Leben. Das erste Iditarod war reine M├Ąnnersache, der Sieger brauchte 20 Tage.

"Das hatte wahren Expeditionscharakter", sagt Schn├╝lle. Mit leichterer Ausr├╝stung, besserem Futter und schnelleren Hunden habe sich der Wettbewerb nun "komplett" ver├Ąndert. 1985 gewann die 29 Jahre alte Libby Riddles als erste Frau das Rennen - in 18 Tagen. Inzwischen liegt der Streckenrekord bei gut acht Tagen.

Doch das Motiv, warum Musher diese Strapazen auf sich nehmen, ist f├╝r Schn├╝lle gleichgeblieben: "Es ist die Liebe zu den Hunden und zum Abenteuer", sagt der Deutsche. Er studierte Umwelttechnik in Deutschland, als er auf einer Reise in Kanada seine erste Hundeschlittentour mitmachte. Wenig sp├Ąter, mit 26 Jahren, wanderte er nach Yukon aus.

Dort gr├╝ndete er seine eigene Hundeschlittenfirma, scheiterte allerdings "kl├Ąglich" bei seinem ersten langen Rennen, dem Yukon Quest, gibt Sch├╝lle lachend zu. Doch langsam lernte er dazu. Bei seinem ersten Iditarod im Jahr 2005 lag er abgeschlagen auf dem 38. Platz - doch da habe er "Blut geleckt", sagt Schn├╝lle. Im Sommer bot der vollb├Ąrtige Wahl-Kanadier auf Gletschern in Alaska Touren f├╝r Touristen an, im Winter trainierte er f├╝r die Rennen.

Kostspieliger Sport

Der Sport sei sehr teuer geworden, mit rasant steigenden Kosten f├╝r Hundefutter und Ausr├╝stung, lamentiert Schn├╝lle. 2018 gab er die Schlittentouren auf, eine wirtschaftliche Entscheidung, die auch mit Klimawandel zu tun hatte. Eine k├╝rzere Saison im Eis, ein h├Âheres Risiko durch gef├Ąhrliche Gletscherspalten.

Am Polarkreis wird es w├Ąrmer, und das macht auch den Iditarod-Teilnehmern in den letzten Jahren zu schaffen. Wegen Schneemangel musste schon mal die Strecke weiter nach Norden verlegt werden. "In diesem Jahr haben wir genug Schnee, aber der Klimawandel ist eine gro├če Sorge, es gibt mehr extreme St├╝rme", sagt Chas St. George. 2019 sei bei st├╝rmischem Wetter das Eis am Meeresrand eingebrochen. Es m├╝ssten h├Ąufig mehr Eisbr├╝cken gebaut werden, damit die Musher die Strecke abfahren k├Ânnen.

Schn├╝lle, der in der Yukon-Wildnis naturverbunden in einer Holzh├╝tte lebt, ger├Ąt schnell ins Schw├Ąrmen. Mit den Iditarod-Rennen habe er sich ein "Lebensabenteuer" erf├╝llt. Dort erlebe man Kameradschaft, nicht nur mit den anderen Schlittenlenkern und den Dorfbewohnern, auch mit den Hunden, die wie Partner ans Herz wachsen. "Da liegt man im Sturm in einem Schlafsack, mitten im Nichts, und man ist absolut im Hier und Jetzt", beschreibt Schn├╝lle den Reiz des Extrem-Sports.

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