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Umweltbundesamt sieht schwere Klimaschäden nach Gaslecks


Schwere Schäden befürchtet
"Die Gaslecks sind ein Superemitter-Event"

Von afp
Aktualisiert am 01.10.2022Lesedauer: 3 Min.
Luftaufnahme des Gaslecks in der Ostsee.Vergrößern des BildesLuftaufnahme des Gaslecks in der Ostsee. (Quelle: Dänische Streitkräfte)
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Das ausströmende Gas aus den Nord Stream-Pipelines wird Umweltschäden nach sich ziehen. Das Umweltbundesamt spricht von einem bedeutenden Klimaeffekt.

Die Gaslecks an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 führen nach Einschätzung des Umweltbundesamts (UBA) zu schweren Klimaschäden. Sämtliches Methan in den Pipelines werde in die Atmosphäre gelangen, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Grund dafür sei, dass es keine Abschottungsmechanismen an den Pipelines gebe.

Insgesamt werden laut UBA voraussichtlich 0,3 Millionen Tonnen Methan in die Atmosphäre gelangen. Methan sei "deutlich klimaschädlicher als CO₂". Auf hundert Jahre gesehen erwärme eine Tonne Methan die Atmosphäre genauso wie 25 Tonnen CO₂. Daher müsse der Klimaeffekt der Lecks mit etwa 7,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten beziffert werden, rechnete die Behörde vor.

Grundlage für die Berechnung sind die ungefähre Länge der Röhren von 1.250 km, der Durchmesser von ca. 1,1 Metern, ein Druck von 100 bar und eine Temperatur von 10 Grad. Von den vier Röhren waren drei Röhren befüllt. "Leider kann das Gas nicht eingefangen oder bekämpft werden", sagte ein Sprecher der schwedischen Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Zur Menge des austretenden Gases konnte er keine Angaben machen. "Wir sind aber sehr sicher, dass die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen ausreichen, damit niemand zu Schaden kommt." Die schwedische Zeitung "Svenska Dagbladet" berichtet, dass es sich sogar um vier statt der bisher angenommenen drei Lecks handeln soll.

Aus den Pipelines Nord Stream 1 und 2 von Russland nach Deutschland tritt seit Montag an drei Stellen in internationalen Gewässern Gas aus. Die Lecks befinden sich nahe der dänischen Insel Bornholm in den dänischen und schwedischen Wirtschaftszonen. Die Leitungen von Nord Stream 1 und 2 sind derzeit zwar nicht in Betrieb, aber mit Gas gefüllt.

Umwelthilfe fordert Abpumpen des Gases

Die Deutsche Umwelthilfe legte ebenfalls Berechnungen vor, wonach mehr als 350.000 Tonnen Methan aus den drei beschädigten Pipeline-Strängen auszutreten drohen. Die DUH forderte daher die Betreiber der Pipelines und die deutschen Aufsichtsbehörden auf, das verbleibende Gas aus allen Strängen "unverzüglich abzupumpen". Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH sagte: "Die Lecks sind ein Superemitter-Event von unvorstellbarem Ausmaß."

Die DUH hatte bereits im April mit den zuständigen Aufsichtsbehörden Kontakt aufgenommen und auf Sicherheitsrisiken bei der Pipeline Nord Stream 2 hingewiesen. "In unserer Klage gegen die Genehmigung der Pipeline wurde uns versichert, dass ein Entweichen von Methan ausgeschlossen sei. Jetzt müssen die Behörden schnell handeln und das Schlimmste verhindern", sagte Constantin Zerger, DUH-Leiter Energie und Klimaschutz. Bereits jetzt sei durch die Lecks ein "unermesslicher Schaden für den Klimaschutz entstanden". Die schwedische Küstenwache bezeichnet in ihrem jüngsten Bericht vom Mittwochabend die Situation als unverändert, noch immer ströme Gas aus.

EU geht von Sabotage aus

Die Europäische Union geht nach dem Verdacht der Sabotage bei den Lecks an den Nord-Stream-Gaspipelines von einem "vorsätzlichen Akt" aus. Darauf deuteten alle verfügbaren Informationen hin, sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Mittwoch. Er stellte eine "robuste und geeinte Antwort" der EU auf "vorsätzliche Störungen" der europäischen Infrastruktur in Aussicht. Russland wies Vorwürfe zurück, für die Lecks verantwortlich zu sein und kündigte eigene Ermittlungen an.

Die dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hatte als Ursache der Lecks am Dienstagabend "vorsätzliche Handlungen" genannt, keinen Unfall. Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki sprach davon, dass es sich "wahrscheinlich um die nächste Eskalationsstufe" im Ukraine-Konflikt handele.

EU kündigt Belastungstest an

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hat die mutmaßliche Sabotage an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 als Warnruf bezeichnet und einen Belastungstest für die kritische Infrastruktur in Europa angekündigt. "Wir (die EU-Kommission) werden uns jetzt an alle Mitgliedstaaten wenden und wir werden einen Belastungstest durchführen in Bezug auf die kritische Infrastruktur", sagte die Schwedin am Mittwochabend im ZDF-"heute journal".

Verwendete Quellen
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