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Mönchengladbach: Suizid von Neonazi? Das macht die Polizei so sicher

Fund in Mönchengladbach  

Suizid von Neonazi: Das macht die Polizei so sicher

Von Lars Wienand

22.09.2018, 13:10 Uhr
Mönchengladbach: Suizid von Neonazi? Das macht die Polizei so sicher. Bekannte und Freunde des gestorbenen Hogesa-Mitgründers trauern am Museum, wo der 32-Jährige am Mittwoch tot gefunden wurde. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)

Bekannte und Freunde des gestorbenen Hogesa-Mitgründers trauern am Museum, wo der 32-Jährige am Mittwoch tot gefunden wurde. (Quelle: Christophe Gateau/dpa)

Ein Neonazi wird tot mit Stichen am Oberkörper gefunden: Jetzt haben die Ermittler erklärt, warum sie von einem Suizid überzeugt sind. 

Die Polizei hat alle Verschwörungstheorien nach dem Tod von Hogesa-Mitgründer Marcel K. zurückgewiesen und in einer Pressekonferenz dargelegt, wieso sie die Ermittlungen so schnell abgeschlossen hat. "Zahlreiche Messerstiche im Oberkörper, das klingt für manchen bei einem Suizid seltsam", erklärte Chefermittler Ingo Thiel. "Wir können aber alle anderen Theorien ausschließen." Eine Mordkommission sei nur eingerichtet worden, um alle anderen Möglichkeiten auszuschließen.

Thiel führte auf, was die Polizei so sicher macht, dass der in einer Blutlache auf dem Bauch liegende Mann sich selbst getötet hat. Das sind die Indizien:

Videoaufnahmen: Die Polizei hat am Donnerstag Bilder einer nahen Kamera ausgewertet, die zumindest den Zugang zu dem sichtgeschützten Bereich festhielt. "Gegen 15.27 Uhr ist Marcel K. dorthin gegangen. Um 17.10 Uhr ist der Arzt ins Bild gekommen, der den Körper gefunden hat. Es haben keine anderen Personen diesen Bereich betreten", so Thiel. Das Geschehen selbst sei auf den Bildern nicht zu sehen. K. habe sich vielleicht mit Absicht in den zurückgezogenen Bereich begeben. "Es sind auch Menschen vorbeigegangen, die nichts mitbekommen haben."

Verletzungsbild: Die Gerichtsmedizin habe bei K. an den Armen und am Oberkörper ausschließlich Verletzungen festgestellt, die er sich mit einem am Fundort liegenden Klappmesser selbst zugefügt habe und die allesamt in von ihm erreichbaren Körperregionen waren. Abwehrverletzungen habe es nicht gegeben. Gefunden wurde auch ein Antidepressivum. "Wenn Sie das in hohen Mengen nehmen, ist die Hemmschwelle auch geringer, sich selbst Schmerzen zuzufügen."  Toxikologische Ergebnisse, die das bestätigen, gibt es aber noch nicht.

Psychische Ausnahmesituation: Die Polizei geht davon aus, dass der Mann in einer psychischen Ausnahmesituation war, nachdem er möglicherweise durch jahrelangen Drogenkonsum bereits psychische Probleme hatte. "Seine Freundin in Mönchengladbach hatte ihn nach dem Verlassen des Hauses bereits gesucht, weil sie Befürchtungen um ihn hatte." Auch die Eltern hätten im Gespräch mit der Polizei diese Probleme bestätigt.

Marcel K. sei am Tag vor dem Geschehen bei einem Arzt gewesen und habe eine Überweisung in eine Tagesklinik bekommen, in die er aber nicht gegangen sei. Er sei auch am Abend bei der Polizei erschienen und habe angegeben, er werde verfolgt von Gruppierungen in Bremen. Dafür hätten sich keine Anhaltspunkte ergeben. 

Am Donnerstag hatten an einem Trauermarsch für Marcel K. nach Polizeiangaben etwa 250 Menschen teilgenommen, nur halb so viel, wie die Polizei erwartet hatte. Das hatte vielleicht daran gelegen, dass sich die Meldung vom Tod durch Suizid in den Stunden zuvor bereits verbreitet hatte.

Allerdings wurde diese Darstellung aus der Szene und von weiteren Rechtsextremen massiv angezweifelt. Eine Analyse von watson.de ergab, dass jeder dritte bis zum Freitagmorgen verschickte Tweet die Suizid-Meldung in Frage stellte. Auch rechte und rechtsextreme Parteien, Politikern und Aktivisten mit teilweise fünf- und sogar sechsstelligen Followerzahlen verbreiteten solche Theorien und schrieben zum Teil von einem Mord durch Islamisten. 

Die Hogesa-Bewegung, zu deren Gründern Marcel K. gehörte, hatte besonders im Oktober 2014 für Schlagzeilen gesorgt, als sich bei einer Kundgebung in Köln Hooligans und Neonazis Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Rund 50 Beamte wurden damals verletzt.

Hinweis: Falls Sie viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen, finden Sie hier sofort und anonym Hilfe.

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