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Vatikan will Missbrauch in der katholischen Kirche bekämpfen

Kampf gegen Missbrauch  

Opfervertreter: Jetzt muss der Papst liefern

19.02.2019, 08:51 Uhr | dpa

Vatikan will Missbrauch in der katholischen Kirche bekämpfen. Papst Franziskus (Archivbild): Der Vatikan will sich dem Thema Missbrauch bei einem Treffen diese Woche stellen und die jahrzehntelange Krise der katholischen Kirche überwinden. (Quelle: imago images/Giuseppe Ciccia)

Papst Franziskus (Archivbild): Der Vatikan will sich dem Thema Missbrauch bei einem Treffen diese Woche stellen und die jahrzehntelange Krise der katholischen Kirche überwinden. (Quelle: Giuseppe Ciccia/imago images)

Bei einem Spitzentreffen will sich der Vatikan mit Missbrauch in der katholischen Kirche beschäftigen. Opfervertreter sprechen von einem historischen Moment – üben aber auch Kritik.

Der Vatikan will sich bei einem Spitzentreffen diese Woche endlich mit der jahrzehntelangen Krise der katholischen Kirche befassen. "Wir brauchen jeden Einzelnen, um dem Monster in die Augen zu schauen, und wir dürfen keine Angst haben, wenn wir es wirklich besiegen wollen", sagte Vatikan-Sprecher Alessandro Gisotti am Montag bei der Vorstellung des Programms für die Konferenz. Sie beginnt am Donnerstag. Opfervertreter fordern derweil konkrete Taten von Papst Franziskus, um Kindesmissbrauch zu verhindern. "Irgendwann ist die Geduld erschöpft", sagte der deutsche Opfervertreter Matthias Katsch vom Eckigen Tisch.

Bei dem Treffen von Donnerstag bis Sonntag sollen Verantwortung, Rechenschaft und Transparenz im Zentrum stehen. Rund 190 Teilnehmer werden erwartet, darunter der Papst, die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen der Welt, Vertreter der römischen Kurie und andere Geistliche. "Die katholische Welt muss verstehen, dass Bischöfe weltweit Verantwortung tragen für das, was getan wurde", sagte der US-Kardinal Blase Cupich, der zum Vorbereitungskomitee des Vatikans gehört. Er erhoffe sich eine richtige Wende in der Krise.

Opfervertreter fordert Änderung des Kirchenrechts

Allerdings können auf der Konferenz keine bindenden Beschlüsse gefasst werden. "Ich glaube, dass mehr als Ankündigungen rauskommen müssen", sagte Opfervertreter Katsch aus Deutschland. Es brauche eine Null-Toleranz, die den Namen auch verdiene. "(Franziskus) benutzt dieses Wort oft, aber er hat nichts (dafür) getan." Nötig sei eine Änderung des Kirchenrechts: Ein Priester, der Kinder missbraucht hat, müsse genauso wie ein Bischof oder Kardinal, der dies vertusche, umgehend aus dem Klerikerstand entlassen werden.

"Dies ist ein historischer Moment, so etwas hat es in der Geschichte der Kirche noch nie gegeben", sagte Peter Isely von der Opferschutzorganisation Ending Clergy Abuse (ECA). Franziskus habe mit dem Treffen ein Scheinwerferlicht auf das Thema Missbrauch geworfen. "Jetzt muss er liefern." Der Papst habe alle Macht, zu verhindern, dass Kinder vergewaltigt würden: "Er muss dazu nicht auf die Erlaubnis anderer warten."

Vertuschung und kaum Konsequenzen

Schon vor Jahrzehnten kam ans Licht, dass Kinder auf der ganzen Welt von katholischen Geistlichen misshandelt wurden und dass diese anschließend gedeckt wurden. Skandale in Ländern wie Deutschland, den USA und Irland haben das Vertrauen der Gläubigen in die Kirche extrem erschüttert.

Franziskus spricht zwar immer wieder gegen die schwere "Sünde" Missbrauch. Er selbst ging aber mit mehreren Skandale nicht so um, wie das Opfer erwarten. Etwa in Chile, wo er einen der Vertuschung beschuldigten Bischof zunächst verteidigte. Zudem sorgt der Fall des hochrangigen australischen Kardinals George Pell seit Langem für Kopfschütteln. Obwohl diesem in seiner Heimat Missbrauch von Kindern vorgeworfen wird, hat der Vatikan immer noch keine dauerhaften Konsequenzen gezogen und Pell nur vorübergehend freigestellt.
 


Die Konferenz endet am Sonntag mit einer Messe und einer Ansprache des
Papstes. Kritisiert wurde im Vorfeld, dass nur etwa zehn Frauen zu dem Treffen geladen wurden. Vor der Konferenz sollen die Organisatoren hinter verschlossenen Türen auch Opfer treffen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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