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Utrecht: Polizei nimmt dritten Verdächtigen fest

Von dpa, jmt

Aktualisiert am 19.03.2019Lesedauer: 3 Min.
Polizist bei der Durchsuchung einer Wohnung: Der mutmaßliche Schütze ist schon lange polizeibekannt.
Polizist bei der Durchsuchung einer Wohnung: Der mutmaßliche Schütze ist schon lange polizeibekannt. (Quelle: Peter Dejong/ap-bilder)
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Unvermittelt schießt ein Mann in einer Straßenbahn in Utrecht auf Fahrgäste. Drei Menschen kommen ums Leben, fünf werden verletzt. Es gibt Terroralarm. Doch vieles spricht für eine Beziehungstat.

Terroranschlag oder Beziehungstat: Nach den Schüssen in einer Straßenbahn im niederländischen Utrecht hofft die Polizei auf neue Erkenntnisse zum Tatmotiv. Nach seiner Festnahme am Montagabend sollte der 37 Jahre alte Hauptverdächtige weiter vernommen werden. Der gebürtige Türke Gökmen T. soll in der Großstadt südlich von Amsterdam drei Menschen erschossen haben. Fünf weitere Fahrgäste wurden bei dem Angriff am Montag verletzt, drei von ihnen schwer. Die Polizei hält einen Terrorakt, aber auch eine Beziehungstat für möglich.

An diesem Dienstag sollen die Fahnen auf öffentlichen Gebäuden in den Niederlanden auf Halbmast wehen. Auch das niederländische Parlament in Den Haag will Medienberichten zufolge der Opfer gedenken. Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders forderte auf Twitter eine Debatte im Parlament über die Schüsse. "Die Niederlande haben ein Recht auf die Wahrheit", schrieb er.

Unklarheit über das Motiv

Utrecht liegt 75 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze, auch die Bundespolizei war im Einsatz. Zunächst hatte Utrechts Bürgermeister Jan van Zanen in einer Videobotschaft gesagt: "Wir gehen von einem terroristischen Motiv aus." Am Nachmittag sagte dann Polizeisprecher Bernard Jens dem niederländischen NOS Rundfunk: "Es könnte auch sein, dass es eine Beziehungstat ist." Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sprach von einem Anschlag und fügte am Abend hinzu: "Aber ob es ein terroristisches Motiv gab, das müssen wir noch herausfinden." Rutker Jeuken vom Innenministerium sagte: "Im Augenblick denken wir, dass es ein terroristisches Motiv sein könnte, aber wir können auch anderes nicht ausschließen."

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Polizist bei der Durchsuchung einer Wohnung: Der mutmaßliche Schütze ist schon lange polizeibekannt.
Polizist bei der Durchsuchung einer Wohnung: Der mutmaßliche Schütze ist schon lange polizeibekannt. (Quelle: Peter Dejong/ap-bilder)

Von Zeugen gab es ebenfalls unterschiedliche Hinweise zu der Tat. Augenzeuge Daan Molenaar erklärte im NOS Radio, nach seinem Eindruck habe es der Täter gezielt auf eine Frau abgesehen. Andere Zeugen wollten dagegen gehört haben, dass vier Männer "Allahu Akbar" (Gott ist groß) bei der Tat gerufen hätten, wie die Amsterdamer Zeitung "Het Parool" berichtete. Eine Sprecherin der Polizei Utrecht sagte dazu: "Das können wir nicht bestätigen."

Medienberichte über Beziehungstat

Die Hinweise auf eine mögliche Beziehungstat mehrten sich. Nach Informationen des niederländischen Fernsehens vernahm die Polizei den Bruder des 37-Jährigen, ohne dass zunächst Details bekannt wurden. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf nicht näher benannte Verwandte von T., dass er in der Straßenbahn auf eine Frau wegen einer Familienangelegenheit geschossen habe. Dann habe er das Feuer auf die Menschen eröffnet, die der Frau hätten helfen wollten.

Der Vater des Tatverdächtigen forderte gegenüber der Nachrichtenagentur DHA die Bestrafung seines Sohns, sollte sich dessen Schuld erweisen. "Wenn er es getan hat, muss er bestraft werden", sagte der Mann, der 2008 aus den Niederlanden in die Türkei zurückgekehrt war.

Sein Sohn, der mutmaßliche Täter, ist schon lange polizeibekannt. "Wir wissen relativ viel über ihn", sagte Jeuken vom Innenministerium. Der 37-Jährige hat nach Medienberichten ein langes Vorstrafenregister, im Dezember 2013 wurde er wegen versuchten Mords verurteilt, vor zwei Wochen begann eine Verhandlung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs. Darüber hinaus wurde er wegen Ladendiebstahls, Sachbeschädigung und Beleidigung vor Gericht gestellt.

Dritter Verdächtiger festgenommen

Im Zusammenhang mit der Tat wurde nach Angaben der Polizei ein zweiter Verdächtiger festgenommen. Es sei aber unklar, inwieweit er beteiligt gewesen sei. Der Vorwurf laute auf Verdacht des Totschlags mit einem terroristischen Motiv.

Am Montagabend nahm die Polizei dann einen dritten Verdächtigen in Gewahrsam. Auch nach dieser Festnahme seien noch keine Details zu seiner möglichen Beteiligung bekannt, berichteten die Medien.

Nach dem Angriff hatte die zuständige Behörde bereits die höchste Terrorwarnstufe für die Provinz ausgerufen, die am Abend aber wieder etwas herabgestuft wurde. In Deutschland hatte die Bundespolizei an der Grenze zu den Niederlanden daraufhin ihre Kontrollen an Straßen und in Zügen verstärkt. Rutte sagte: "Wir werden nie vor Intoleranz weichen." Gewalt habe unschuldige Menschen getroffen.

Wohnungen in Utrecht durchsucht

Die niederländische Polizei veröffentlichte auch Fotos des verdächtigen Mannes aus der Straßenbahn. Darüber hinaus entdeckte die Polizei ein nach dem Anschlag gesuchtes, rotes Fahrzeug. Zuvor hatte es geheißen, es würden Berichte geprüft, wonach ein Verdächtiger mit einem roten Auto geflohen sein soll. Es gab mehrere Wohnungsdurchsuchungen. Die Menschen wurden aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben, später gab es Entwarnung.


Nach Angaben der Polizei fielen die Schüsse gegen 10.45 Uhr. Der Vorfall ereignete sich im Westen der Stadt, etwa ein Kilometer entfernt von der Altstadt. Utrecht hat etwa 350.000 Einwohner. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilten die Tat.

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