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Nigeria: Hunderte entführte Mädchen wieder frei

"Abscheuliche Tat"  

Hunderte entführte Mädchen in Nigeria wieder frei

02.03.2021, 09:04 Uhr | AFP, dpa

Nigeria: Hunderte entführte Mädchen wieder frei. Die Schülerinnen aus Nigeria: Sie sind wieder frei. (Quelle: Reuters/Afolabi Sotunde)

Die Schülerinnen aus Nigeria: Sie sind wieder frei. (Quelle: Afolabi Sotunde/Reuters)

In Nigeria sind bewaffnete Angreifer in eine Schule gestürmt und haben Hunderte Kinder entführt. Nun berichtet der Gouverneur, dass sie wieder frei sind. 

Hunderte verschleppte Schulmädchen aus dem westafrikanischen Staat Nigeria sind wieder in Freiheit. "Die Mädchen wurden freigelassen", sagte der Sicherheitsminister der Zamfara-Provinz, Abubakar Dauran, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Zuvor hatte Gouverneur Bello Muhammad Matawalle die Freilassung von 279 Schülerinnen bei Twitter verkündet. Bewaffnete Angreifer hatten am Freitag die Jangebe-Schule in Zamfara gestürmt und nach Polizeiangaben 317 Kinder verschleppt. Die Hintergründe der Tat wie auch der Freilassung sind noch unklar. Boko Haram sowie Splittergruppen terrorisieren seit Jahren Nordnigerias Bevölkerung.

Papst verurteilt Tat

Eltern und Angehörige hatten am Wochenende vergeblich auf ein Lebenszeichen der verschleppten Schülerinnen gewartet. Eine gemeinsame Suchaktion von Polizei und Militär brachte zunächst kein Ergebnis. Die Freilassung von Dutzenden früheren Entführungsopfern konnte das Entsetzen nur kurze Zeit mildern. Papst Franziskus verurteilte am Sonntag in Rom die "abscheuliche" Tat.

Augenzeugenberichten zufolge hatten "bewaffnete Banditen" das Internat in der Nacht zum Freitag überfallen und die Mädchen aus den Schlafsälen geholt; rund 50 von ihnen gelang die Flucht. Die Stimmung in dem Dorf war seitdem angespannt.

Mehrere hundert Kilometer weiter südlich empfing der Gouverneur des Bundesstaats Niger, Abubakar Sani Bello, zur gleichen Zeit Dutzende Schüler und Lehrer, die Mitte Februar bei einem weiteren Angriff auf eine Sekundarschule in Kagara verschleppt worden waren. Laut seinem Sprecher sind die – nach jüngster Zählung 38 – Opfer den Umständen entsprechend wohlauf. Über die Umstände ihrer Freilassung machten die Behörden zunächst keine Angaben.

Bereits im Dezember waren mehr als 300 Jungen einer Schule in Kankara im Bundesstaat Katsina verschleppt worden. Sie kamen ebenfalls später wieder auf freien Fuß.

Entführungen um Lösegeld zu erpressen

Seit Jahren mehren sich die Angriffe krimineller Banden im Nordwesten und im Zentrum Nigerias. Die in Nigeria als "Banditen" bezeichneten Gangs entführen Menschen, um Lösegeld zu erpressen, und sind für Plünderungen und Vergewaltigungen verantwortlich.

80 Prozent der Einwohner in den betroffenen Regionen leben in extremer Armut, Aussichten auf Besserung gibt es so gut wie keine. Deshalb schließen sich immer mehr junge Männer den Banden an. Wie viele dieser Banden es inzwischen gibt, ist unklar. Schätzungen eines Nigeria-Experten der International Crisis Group (ICG) zufolge gibt es allein in Zamfara 40 Banden; einige von ihnen hätten inzwischen hunderte Mitglieder.

Kooperation mit Dschihadisten?

Die Banden haben in der Regel keine bekannten ideologischen Ausrichtungen. Es gibt jedoch wachsende Bedenken, dass sie mit Dschihadisten aus dem Nordosten kooperieren könnten. Diese kämpfen seit Jahren für die Errichtung eines islamischen Staats.

Die Entführungen in den betroffenen Regionen führen nach ICG-Angaben zu einer wachsenden Zahl von Kindern und darunter besonders Mädchen, die keine Schule besuchen können. Schon heute leben in den Regionen demnach die weltweit meisten Kinder ohne jede Schuldbildung.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und AFP

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