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Verurteile Kindermörderin aus Australien: Wissenschaftler wollen Kathleen Folbigg befreien

Fall Kathleen Folbigg  

Unschuldig? Wissenschaftler wollen verurteilte Kindermörderin befreien

21.03.2021, 16:06 Uhr | Anja Keinath, t-online

Verurteile Kindermörderin aus Australien: Wissenschaftler wollen Kathleen Folbigg befreien. Die verurteilte Kindsmörderin Kathleen Folbigg: "Ein plötzlicher Kindstod ist eine Tragödie, zwei sind verdächtig und drei sind Mord", sagt Kinderarzt Roy Meadow. (Quelle: imago images/Joel Carrett)

Die verurteilte Kindsmörderin Kathleen Folbigg: "Ein plötzlicher Kindstod ist eine Tragödie, zwei sind verdächtig und drei sind Mord", sagt Kinderarzt Roy Meadow. (Quelle: Joel Carrett/imago images)

Nachdem ihre vier Babys aus ungeklärten Gründen gestorben sind, sitzt die Australierin Kathleen Folbigg im Gefängnis. Wissenschaftler fordern jetzt ihre Freilassung.

Im Jahr 2003 wurde die Australierin Kathleen Folbigg zu 25 Jahren Haft verurteilt, weil sie ihre vier Kinder erstickt haben soll. Folbigg habe nicht gestanden, es habe kein Motiv und keine Zeugen gegeben, schreibt der US-Nachrichtensender CNN. Dennoch habe das Gericht sie schuldig gesprochen, alle vier Kinder ermordet zu haben. Zuvor hatten mehrere US-Medien über den aufsehenerregenden Fall berichtet. 

Jetzt fordern 90 Wissenschaftler in einer Petition an die Gouverneurin von New South Wales die Begnadigung Folbiggs. Die Ergebnisse genomischer Tests zeigten demnach, dass mindestens zwei ihrer Kinder wahrscheinlich an einer zuvor unentdeckten genetischen Mutation gestorben seien, die zu Herzkomplikationen führte. Damit könnte Folbigg fast zwei Jahrzehnte lang zu Unrecht inhaftiert gewesen sein und ihr Fall als einer der schlimmsten Justizirrtümer in die Geschichte Australiens eingehen. 

Alle vier Kinder starben aus ungeklärten Gründen

Was ist passiert? Folbiggs erstes Kind Caleb ist laut CNN gestorben, als es 19 Tage alt war. Als Todesursache sei der plötzliche Kindstod angegeben worden – ein Sammelbegriff für den plötzlichen Tod von Kindern aus ungeklärten Gründen. Kurze Zeit später habe sie einen weiteren Sohn namens Patrick zur Welt gebracht. Im Alter von vier Monaten habe er ein sogenanntes "Anscheinend Lebensbedrohliches Ereignis" (ALE) erlitten, das zu Hirnschäden und Krampfanfällen führte, berichtet der US-Sender. Wenige Monate später sei er an den Folgen der Anfälle gestorben.

Ihr drittes Kind, Sarah, sei im Alter von zehn Monaten verstorben. Auch bei ihr sei der plötzliche Kindstod als Todesursache angegeben worden. Als ihre vierte Tochter Laura dann im Alter von 18 Monaten aus ungeklärten Gründen starb, nahm die Polizei CNN zufolge die Ermittlungen auf.

"Ein plötzlicher Kindstod ist eine Tragödie"

Am 19. April 2001 sei Folbigg dann verhaftet und wegen vierfachen Mordes angeklagt worden, obwohl es keine schlüssigen forensischen Beweise gegeben habe. Stattdessen habe sich die Staatsanwaltschaft auf eine Aussage des britischen Kinderarztes Roy Meadow gestützt: "Ein plötzlicher Kindstod ist eine Tragödie, zwei sind verdächtig und drei sind Mord, bis das Gegenteil bewiesen ist."

In den letzten Jahren gab es laut dem US-Bericht allerdings einige neue Erkenntnisse über genetische Faktoren als Ursache für den plötzlichen Kindstod. Studien zeigten, dass bis zu 35 Prozent der Fälle von plötzlichem Kindstod auf genetische Faktoren zurückgeführt werden können.

90 Wissenschaftler unterzeichnen Petition zur Freilassung Folbiggs

Jetzt hätten die Anwälte von Folbigg vor dem Berufungsgericht von New South Wales ein neues Verfahren eingeleitet, schreibt CNN. Auch die Petition mit mehr als 90 Unterschriften wurde an die Gouverneurin von New South Wales geschickt. Mehrere Untersuchungen in den vergangenen Jahren wiesen laut der Petition auf die Unschuld Kathleen Folbiggs hin.

"Es ist zutiefst besorgniserregend, dass medizinische und wissenschaftliche Beweise gegenüber Indizienbeweisen ignoriert wurden. Wir haben jetzt eine alternative Erklärung für den Tod der Folbigg-Kinder", sagte Prof. Fiona Stanley. Bereits im Jahr 2015 soll eine Petition an den damaligen Gouverneur von New South Wales eingereicht worden sein, nachdem alle Berufungen ausgeschöpft waren.

November 2020: Immer mehr Beweise aus der Wissenschaft

Im vergangenen November haben Wissenschaftler noch überzeugendere Beweise geliefert, die für die Unschuld Folbiggs sprechen könnten. Der dänische Professor Michael Toft Overgaard und sein Expertenteam aus sechs Ländern hätten festgestellt, dass die CALM2-Variante bei Folbigg und ihren beiden Töchtern Krankheiten verursachen könnten.

Bei beiden Jungen hätten Wissenschaftler ebenfalls Gen-Variationen im sogenannten BSN-Gen entdeckt, die sie vermutlich sowohl von ihrer Mutter als auch von ihrem Vater geerbt haben sollen. Seien beide Kopien des BSN-Gens defekt, könnten sie bei epileptischen Anfällen jung sterben. Folbiggs zweiter Sohn Patrick habe solche Anfälle gehabt, bevor er starb.

Eine Sprecherin der Gouverneurin von New South Wales sagte CNN zufolge nun, der Generalstaatsanwalt prüfe die Petition und werde dazu beraten. Doch selbst wenn Folbigg aus der Haft entlassen werde, sei ihr Rechtsstreit nicht beendet. Um ihre Verurteilung aufzuheben und eine Entschädigung für all die Jahre im Gefängnis zu erhalten, müsste der Fall wiederum vor Gericht.

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