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Mehrjährige Haftstrafen im Fall "Cyberbunker"

Von dpa, afp, t-online
Aktualisiert am 13.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Hauptangeklagter (links) und Verteidiger: Der Kopf der kriminellen Vereinigung wurde zu f√ľnf Jahren und neun Monaten in Haft verurteilt.
Hauptangeklagter (links) und Verteidiger: Der Kopf der kriminellen Vereinigung wurde zu f√ľnf Jahren und neun Monaten in Haft verurteilt. (Quelle: Harald Tittel/dpa-bilder)
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Acht M√§nner sollen ein Rechenzentrum betrieben haben, wor√ľber illegale Gesch√§fte im Internet abgewickelt wurden. Nach gut einj√§hrigem Prozess verh√§ngte das Landgericht Trier heute Freiheitsstrafen f√ľr alle Beschuldigten.

Im einem der bundesweit gr√∂√üten Prozesse um Cyberkriminalit√§t sind die Betreiber eines unterirdischen Rechenzentrums zu Haftstrafen verurteilt worden. Alle acht Angeklagten h√§tten sich im "Cyberbunker" der Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter G√ľnther K√∂hler. Der 62 Jahre alte Kopf der Bande bekam eine Haftstrafe von f√ľnf Jahren und neun Monaten.

Mit dem Urteil geht ein mehr als einjähriger Prozess zu Ende. Erstmals standen nicht die Täter im Fokus, die im Darknet illegal etwa Drogen oder Waffen verkaufen, sondern die, die die Geschäfte als Webhoster technisch erst möglich machen. Über die Server in einem alten Bunker in Traben-Trabach an der Mosel liefen von 2014 bis 2019 Drogendeals im Wert von vielen Millionen Euro, Datenhehlerei, Computerangriffe und Falschgeldgeschäfte. Insgesamt ging es um knapp 250.000 Straftaten.

"Cyberbunker" arbeitete gut organisiert

Von dem Vorwurf der Beihilfe zu den Tausenden Straftaten, die √ľber die Seiten liefen, sprach das Gericht die Angeklagten frei. Sie h√§tten zwar fast alle gewusst, dass ihre Kunden die Server f√ľr strafbare Handlungen nutzten. "Eine generelle Kenntnis, dass illegale Dienste gehostet werden, reicht aber f√ľr den Gehilfenvorsatz nicht", sagte K√∂hler. Sie h√§tten √ľber jede konkrete Haupttat Bescheid wissen m√ľssen. Das sei nicht nachgewiesen worden.

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Ein sogenannter Manager (52) der Bande, der mit einem Gest√§ndnis zur Tatauferkl√§rung beigetragen hat, muss demnach zwei Jahre und sechs Monate in Haft. Der √§ltere Sohn (35) des Hauptangeklagten, der die Nummer drei im Bunker war, muss vier Jahre und drei Monate hinter Gitter. Die drei bleiben auch nach der Urteilsverk√ľndung in Haft. Bei den √ľbrigen Angeklagten lagen die Strafen zwischen drei Jahren und einem Jahr auf Bew√§hrung. Die meisten Angeklagten sitzen seit September 2019 in Untersuchungshaft.

Alles außer Kinderpornografie und Terrorismus

Die kriminelle Vereinigung habe die Straftaten billigend in Kauf genommen, sagte K√∂hler. Das Gesch√§ftsmodell sei allen Mitgliedern bekannt gewesen. Der Cyberbunker warb damit, technisch alles m√∂glich zu machen ‚Äď au√üer Kinderpornografie und Terrorismus. Nach dem Motto "no matter what" sicherte man Kunden zu, die Webseiten online zu halten ‚Äď "egal, was passiert".

Laut K√∂hler hat die Beweisaufnahme ergeben, dass die sieben M√§nner und eine Frau ein "Bulletproof-Hoster" (kugelsicheren Hoster) betrieben ‚Äď ein vermeintlich vor dem Zugriff der staatlichen Ermittlungsbeh√∂rden sicheres Datenzentrum. Die Kunden blieben anonym, die Angeklagten traten nach au√üen nicht mit echten Namen auf. Und wenn es Missbrauchsmeldungen gab, bot man den Kunden einen "Tarnkappenservice" an, um Rechner-Adressen zu verschleiern.

"Jeder war ein Rädchen im Getriebe"

Es habe im Bunker eine klare Aufgabenteilung zwischen den vier Niederl√§ndern, drei Deutschen und einem Bulgaren gegeben, schilderte der Vorsitzende Richter in seiner mehr als vierst√ľndigen Urteilsbegr√ľndung. Der 62-J√§hrige sei der R√§delsf√ľhrer gewesen, der alle Entscheidungen traf. Er hatte den alten Bunker 2013 f√ľr 450.000 Euro gekauft. Ein anderer war f√ľr die Betreuung von Neukunden zust√§ndig, ein anderer f√ľrs Konfigurieren von Servern. "Jeder war mit seinem Tatbeitrag ein R√§dchen im Getriebe und und trug so zum Gesamtziel der Gruppierung bei."

Die unterirdische Anlage an der Mosel war im Herbst 2019 von Hunderten Polizisten nach f√ľnfj√§hrigen Ermittlungen ausgehoben worden. Das Gericht ordnete die Einziehung der Bunkeranlage als Tatmittel an. Zudem w√ľrden knapp 900.000 Euro beim Hauptangeklagten eingezogen, da das Geld nachweislich aus Einnahmen von Kunden mit illegalen Handlungen stammen.

Verteidigung will Urteil nicht akzeptieren

Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, an der die Landeszentralstelle Cybercrime angedockt ist, hatte auch eine Verurteilung wegen Beihilfe zu den Straftaten gefordert. Oberstaatsanwalt J√∂rg Angerer k√ľndigte am Montag an, er werde pr√ľfen, ob er Revision eingelegen werde. Der Verteidiger des Hauptangeklagten, Uwe Hegner, dagegen war bereits entschieden: Er werde Rechtsmittel einlegen. Es handele sich nicht um eine kriminelle Vereinigung. "Es gab kein Gesch√§ftsmodell", sagte er. Da es um "juristisches Neuland" gehe, werde das sicher vor dem Bundesgerichtshof entschieden.

Die Angeklagten hat in dem großen Prozess mit rund 80 Verhandlungstagen fast alle behauptet, nichts von den illegalen Inhalten auf den vermieteten Servern gewusst zu haben. Bei dem Schlag gegen den Cyberbunker waren 886 physische und virtuelle Server mit zwei Millionen Gigabyte sichergestellt worden. Der Anteil der illegalen Seiten habe damals bei 84 Prozent gelegen, sagte Köhler. Allerdings: Es seien nur 0,5 Prozent der Datenmenge ausgewertet worden.

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Zu den Kunden des illegalen Serverzentrums sollen laut Anklage auch die Betreiber der inzwischen abgeschalteten großen Darknetmarktplätze "Wall Street Market" und "Fraudsters" gehört haben. "Wall Street Market" war 2019 in einer internationalen Operation von deutschen und US-Behörden geschlossen worden. Er galt zum damaligen Zeitpunkt als der weltweit zweitgrößte illegale Marktplatz im Darknet. Wenige Monate später wurde auch der sogenannte Cyberbunker ausgehoben. Von dem Bunker aus soll ferner unter anderem im November 2016 ein groß angelegter Angriff auf Router der Deutschen Telekom gesteuert worden sein.

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Von Lars Wienand
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