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Brasilien: Polizisten sollen bei Razzia gefoltert und hingerichtet haben

Von afp
Aktualisiert am 27.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Polizisten bei einem Einsatz in Rio De Janeiro: Sie sollen mehrere Menschen bei einer Razzia getötet haben.
Polizisten bei einem Einsatz in Rio De Janeiro: Sie sollen mehrere Menschen bei einer Razzia getötet haben. (Quelle: Jose Lucena/TheNEWS2 via ZUMA Press Wire/dpa-bilder)
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Die brasilianische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine Einheit der MilitÀrpolizei. Bei einer Razzia in Rio de Janiero sollen die Beamten mit erbarmungsloser BrutalitÀt vorgegangen sein.

Nach einer Razzia in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro mit mehr als 20 Toten sind schwere VorwĂŒrfe gegen die Polizei laut geworden. Einige der Leichen wiesen Anzeichen von Folter auf, sagte der Chef der Menschenrechtskommission der stĂ€dtischen Anwaltskammer. Zudem bestehe der Verdacht, dass einige Opfer regelrecht hingerichtet worden seien, fĂŒgte Rodrigo Mondego hinzu. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen möglicher Menschenrechtsverletzungen ein.

Am Tatort seien Hinweise gefunden worden, dass einige der Opfer womöglich gefoltert und kaltblĂŒtig ermordet worden seien, sagte Mondego am Donnerstag (Ortszeit) der Nachrichtenagentur AFP. Das Gesicht einer der Leichen sei beispielsweise mit einem weißen Pulver – mutmaßlich Kokain – beschmiert worden. Möglicherweise sei das Opfer gezwungen worden, die Droge zu essen.

"Das ist ein Akt der Folter", sagte Mondego. Zudem hĂ€tten Zeugen berichtet, "dass MĂ€nner, die sich der Polizei ergeben hatten, im Wald erschossen wurden". Es habe offenbar "eine große Zahl willkĂŒrlicher Hinrichtungen" gegeben.

Zweittödlichste Razzia in Rio de Janeiro

Die MilitĂ€rpolizei hatte angegeben, sie habe bei dem Einsatz in einem Armenviertel von Rio am Dienstag versucht, fĂŒhrende Kriminelle aufzuspĂŒren und festzunehmen. Dabei sei sie unter Beschuss geraten. Beim darauffolgenden Gefecht seien mehrere mutmaßliche Bandenmitglieder sowie eine Bewohnerin getötet worden, die von einem QuerschlĂ€ger getroffen worden sei. Die Polizei gab die Zahl der Toten mit 23 an, die Gesundheitsbehörden sprachen von mindestens 26 Opfern.

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Ein Verletzter weint, nachdem er bei einem Polizei-Einsatz in der Favela Vila Cruzeiro im Krankenhaus behandelt wurde: Immer wieder kommt es in den Favelas zu brutalen PolizeieinsÀtzen.
Ein Verletzter weint, nachdem er bei einem Polizei-Einsatz in der Favela Vila Cruzeiro im Krankenhaus behandelt wurde: Immer wieder kommt es in den Favelas zu brutalen PolizeieinsÀtzen. (Quelle: Bruna Prado/AP/dpa-bilder)

Allein die hohe Zahl an Toten sei Anlass zur Sorge, sagte Mondego. "Wenn man sich Statistiken auf der ganzen Welt anschaut, wird man nie ein Feuergefecht sehen, bei dem auf einer Seite mehr als 20 Menschen getötet werden und auf der anderen Seite niemand."

Es war die zweittödlichste Razzia in der Geschichte Rios. Die Polizei der Metropole versucht seit einiger Zeit, die als "Favelas" bezeichneten Armenviertel der Stadt aus dem Griff von Drogenbanden zu befreien.

Kritik an Bolsonaro: "Seine Botschaft an die Polizei war klar"

Der rechtsradikale PrĂ€sident Jair Bolsonaro hatte den Polizisten unmittelbar nach dem Einsatz am Dienstag gratuliert: "Bravo an die Krieger", welche die "mit dem Drogenhandel in Zusammenhang stehenden Außenseiter neutralisiert haben", schrieb er im Onlinedienst Twitter. Der umstrittene Staatschef kĂ€mpft derzeit um seine Wiederwahl bei der im Oktober anstehenden PrĂ€sidentschaftswahl.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte Bolsonaro fĂŒr seine Stellungnahme. Nicht nur der Polizeieinsatz an sich gebe Grund zur Besorgnis, sondern auch die Wortwahl des PrĂ€sidenten: "Seine Botschaft an die Polizei war klar: Ihr könnt weiter mit völliger Straflosigkeit töten", erklĂ€rte die Organisation.

Polizei soll Mann in einem Kofferraum erstickt haben

Zudem sorgte ein in Onlinenetzwerken veröffentlichtes Video eines weiteren Polizeieinsatzes fĂŒr Empörung. Darauf ist zu sehen, wie in Umbauba im Nordosten des Landes ein Mann in den Kofferraum eines Polizeiautos gezwĂ€ngt wird, obwohl aus diesem dicker Rauch quillt – offenbar von einem TrĂ€nengas-Kanister. Zwei Beamte versuchen dabei, die Kofferraum-Klappe zu schließen, obwohl die Beine des Mannes noch herausschauen.

Der Mann schreit vor Schmerzen, ein Augenzeuge ruft: "Sie werden ihn umbringen". Der Mann bewegt auf dem Video noch etwa eine Minute seine Beine, dann wird er bewegungslos – die Polizisten beugen seine Beine und schließen den Kofferraum. Die Polizei erklĂ€rte spĂ€ter, der verstorbene Festgenommene habe sich auf dem Weg zum Polizeirevier "unwohl" gefĂŒhlt und sei ins Krankenhaus gebracht worden. Ob er da bereits tot war oder im Krankenhaus starb, blieb unklar. Laut Autopsie war die Todesursache "Ersticken".

Die brasilianische Polizei gilt als eine der brutalsten weltweit. Im vergangenen Jahr wurden bei verschiedenen EinsÀtzen nach Angaben von Aktivisten mehr als 6.100 Menschen getötet.

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