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Rechtsextreme stellen im Erzgebirge erstes "Denkmal für Impfopfer" auf


Corona-Hotspot hat jetzt "Denkmal" für "Impfopfer"


Aktualisiert am 02.05.2023Lesedauer: 3 Min.
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Einweihung: Rechtsextreme enthüllten im Erzgebirge einen Stein mit Inschrift, der an Opfer des "Corona-Impfexperiments" erinnern soll.Vergrößern des Bildes
Einweihung: Rechtsextreme enthüllten im Erzgebirge einen Stein mit Inschrift, der an Opfer des "Corona-Impfexperiments" erinnern soll. (Quelle: Screenshot Telegram, Freie Sachsen)

In Deutschland gibt es ein erstes "Denkmal" für "Opfer des Corona-Terrors". Das "Mahnmal" steht in Sachsen, wo die Sterblichkeit an Corona am höchsten war und am wenigsten geimpft wurde.

In einem der am heftigsten von Corona getroffenen Landkreise steht nun ein aufwendiges "Denk- und Mahnmal", das ausgerechnet an "Opfer des Corona-Impfexperiments" und der "Zwangsmaßnahmen des Kretschmer-Regimes" erinnern soll. Hinter der Provokation stecken die in weiten Teilen rechtsextremen "Freien Sachsen".

Das "Denkmal", mit einem in ein Fundament eingelassenen Stein und einer Spritze, deren Form aus einer Metallplatte herausgefräst wurde, wurde offenbar am Freitagabend vor einer niedrigen zweistelligen Zahl von Zuschauern enthüllt. Das geht aus einem Posting der Partei hervor, die maßgeblich von Mitgliedern aus NPD und "Pro Chemnitz" geprägt wird und die Corona-Proteste in Sachsen bestimmte. Errichtet wurde es im Bergbau- und Wintersportort Zinnwald-Georgenfeld im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Das "Denkmal" gegen die Maßnahmen ist besonders irrwitzig, weil in dem Landkreis wenig geimpft wurde und das Coronavirus dort besonders tödlich wütete. 1.573 Coronatote wurden in dem Landkreis bisher registriert, das sind 644 je 100.000 Einwohner und damit noch deutlich mehr als im Durchschnitt von Sachsen (409), das trauriges Schlusslicht unter den deutschen Bundesländern ist. In der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge starben auch im Verhältnis zur Zahl der Infizierten besonders viele Menschen: 1,3 Prozent Todesrate bedeutet, dass dreimal mehr Infizierte gestorben sind als im deutschlandweiten Durchschnitt (0,45 Prozent Todesrate).

Die Ablehnung der Impfung gegen das Virus war dort auch besonders groß, Sachsen ist zugleich das Bundesland mit der schlechtesten Impfquote – nur 65,1 Prozent vollständig Geimpfte gegenüber 77,9 Prozent bundesweit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtete gerade, auf Basis wissenschaftlicher Einschätzungen verdankten allein in Europa und Ländern der ehemaligen Sowjetunion mehr als eine Million Menschen ihr Überleben den Corona-Impfstoffen. Es ist unumstritten, dass es bei Impfungen in sehr seltenen Fällen zu tödlichen Folgen kommen kann. Die Statistik zu Todesursachen des Statistischen Bundesamts weist für 2021 in Deutschland 218 solcher Tote nach Corona-Impfungen aus. Für 2022 liegt die Zahl noch nicht vor.

Arzt beklagt bei Einweihung "durch Fremdherrschaft gedemütigtes Volk"

Ausgerechnet ein Arzt erklärte in Zinnwald-Georgenfeld bei der Einweihung des "Denkmals", man verneige sich vor den "Opfern dieser Gewalt, die uns angetan wurde" und meinte damit Impfungen und zeitweilige Grundrechtseinschränkungen zur Eindämmung des Virus. Redner Karl Kohlmann (76) ist der Vater des "Freie Sachsen"-Gründers Martin Kohlmann aus Chemnitz. Er sprach zudem von Opfern "einer fehlgeleiteten Politik, einer gewissenlosen Pharmalobby und eines durch alliierte Fremdherrschaft gedemütigten Volkes".

In Kommentaren im Telegram-Kanal heißt es, das "Denkmal" sei auf privatem Grund errichtet worden. Zinnwald-Georgenfeld gehört zur Stadt Altenberg. Altenbergs Bürgermeister Markus Wiesenberg (CDU) erklärte am Dienstag, die Stadt suche nach Wegen, gegen das Denkmal vorzugehen (Mehr dazu lesen Sie hier).** In sozialen Netzwerken gab es bereits Aufrufe, das "Denkmal" niederzureißen.

"Freie Sachsen"-Vorsitzender Martin Kohlmann teilte t-online mit, man habe "Vorkehrungen" gegen Vandalismus getroffen. Im Fall einer Zerstörung werde man ein noch größeres Denkmal aufstellen. Das Grundstück gehöre den "Freien Sachsen".*

Das scheint auch der einzige Grund zu sein, warum das Denkmal in Zinnwald-Georgenfeld steht. Wolfgang Mende, Heimatkundler aus Zinnwald, sagte t-online: "Corona war hier kein großes Thema". Für die Menschen in dem Ort kam die Aktion offenbar überraschend: Es habe sich um eine Nacht-und-Nebel-Aktion gehandelt, so Mende. "Es gab vor ein paar Tagen eine kurze Notiz im Internet, aber hier im Ort wusste wohl kaum einer davon. Es ist die Frage, ob der Ortschaftsrat davon überhaupt wusste und ob das 'Denkmal' lange stehen bleiben darf." Allerdings sieht die sächsische Bauordnung vor, dass Grabdenkmäler auf Friedhöfen, Feldkreuze, Denkmäler und sonstige Kunstwerke mit einer Höhe bis zu 4 Metern keine Baugenehmigung benötigen.

Der Stein mit der Inschrift ist fast zwei Meter hoch und stehe nun gut sichtbar am Ortsausgang an einem beliebten Wanderweg, berichtet der Einheimische Wolfgang Mende. "Mal sehen, was das noch für Kreise zieht".

*Der Text wurde mit der Stellungnahme von Martin Kohlmann und Informationen zur rechtlichen Situation aktualisiert.

**Der Text wurde am Dienstagabend mit der Reaktion des Bürgermeisters aktualisiert.

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